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Colin Kaepernick wartet immer noch auf einen Vertrag. 

© APA/AFP/GETTY IMAGES/DOUG PENSINGER / DOUG PENSINGER

Sport
09/05/2019

Kniefall: Kapernick "immer noch bereit" - und vereinslos

Drei Jahre nach seinem stillen Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus ist ein NFL-Quarterback im Dauerwartestand.

Im Louis Armstrong Stadium von New York hatte Colin Kaepernick in der vergangenen Woche einen seiner seltenen Auftritte in der Öffentlichkeit. Um American Football ging es fĂŒr den ehemaligen Quarterback der San Francisco 49ers dabei aber nicht. Kaepernick verfolgte in einer Box zusammen mit NBA-Legende Kobe Bryant einen Auftritt der inzwischen ausgeschiedenen Titelverteidigerin Naomi Osaka aus Japan bei den Tennis-US-Open. Vor dem NFL-Start zwischen den Chicago Bears und den Green Bay Packers in der Nacht auf Freitag ist einer der polarisierendsten US-Sportler weiter außen vor.

„All die Versprechungen, die bei der GrĂŒndung dieses Landes gemacht wurden, sind fantastisch. FĂŒr viele Menschen wurden diese Ziele aber noch nicht erreicht“, sagte der meinungsstarke Nationalcoach der US-Basketballer, Gregg Popovich, zuletzt. Ungleichheiten anzuprangern, mache niemanden zu einem VaterlandsverrĂ€ter. Kaepernick habe seiner EinschĂ€tzung nach damals „sehr patriotisch“ gehandelt.

Flagge zeigen

Damals, das war 2016. Bei einem Vorbereitungsspiel seiner 49ers im August blieb Kaepernick wĂ€hrend des Abspielens der Nationalhymne sitzen. „Ich werde nicht fĂŒr die Flagge eines Landes aufstehen und Stolz zeigen, in dem Schwarze und weitere Andersfarbige unterdrĂŒckt werden“, sagte er danach ĂŒber seinen stillen Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus.

SpĂ€ter ging Kaepernick von seinem Bankplatz zum Kniefall an der Seitenlinie ĂŒber, was eine Ikone fĂŒr die Ewigkeit sein dĂŒrfte. Sein Teamkollege Eric Reid schloss sich ihm an. „Wir haben uns dazu entschlossen, weil es eine respektvolle Geste ist“, sagte der Safety angesichts der spĂ€teren Anfeindungen. Sie hĂ€tten sich die Pose in einer Reihe mit einer Flagge auf halbmast vorgestellt, um eine „Tragödie zu kennzeichnen“, fĂŒgte Reid hinzu.

Klage 

Weitere NFL-Profis, aber zum Beispiel auch US-Fußballerin Megan Rapinoe, schlossen sich Kaepernicks Protest an. Eine hitzige und unversöhnlich wirkende Debatte ĂŒber Vaterlandsliebe und den passenden Rahmen fĂŒr solch einen Widerstand entbrannte. „WĂŒrdet ihr es nicht liebend gerne sehen, dass ein NFL-Teambesitzer sagen wĂŒrde, wenn jemand die Flagge nicht respektiert: 'Nehmt den Hurensohn jetzt vom Feld. Weg! Er ist gefeuert'?“, polterte US-PrĂ€sident Donald Trump.

Kaepernick, der San Francisco 2013 noch ins Endspiel gefĂŒhrt hatte, verlĂ€ngerte Anfang 2017 seinen Vertrag bei den 49ers nicht mehr. Seitdem hat der Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters, der spĂ€ter von einem weißen Paar adoptiert wurde, kein neues Team mehr gefunden. Trotz seiner QualitĂ€ten fĂŒr einen der raren Spielmacherposten.

Die Besitzer der 32 Teams sind in dem Milliardenbusiness an Profit interessiert, Polarisierung ist geschĂ€ftsschĂ€digend. Im Oktober 2017 reichte Kaepernick Klage gegen die Liga ein, wonach ihm die NFL wegen einer internen Absprache keine BeschĂ€ftigung mehr gewĂ€hre. Reid schloss sich seinem frĂŒheren Teamkollegen mit der Klage an, im Februar dieses Jahres einigten sich die Parteien außergerichtlich.

Polarisierend

Kaepernick wurde - und wird noch - fĂŒr seinen stillen Protest geschĂ€tzt und verachtet. Das hĂ€ngt vom jeweiligen Lager ab, dem man sich zugehörig fĂŒhlt. „Glaube an etwas. Auch wenn das bedeutet, dass du alles opferst“, lautete der Werbespruch einer Kampagne von Nike, die der Sportartikelriese mit dem heute 31-JĂ€hrigen als neues Gesicht kurz vor dem Start der vergangenen Spielzeit lanciert hatte.

„Ich suche nicht nach BestĂ€tigung, ich muss mich fĂŒr Menschen einsetzen, die unterdrĂŒckt werden“, sagte Kaepernick und investiert seine Zeit unter anderem in die von ihm selbst gegrĂŒndete Bildungsinitiative „Know your Rights“.

Auf ein NFL-Comeback hofft er weiter. „5 Uhr morgens. 5 Tage die Woche. 3 Jahre lang. Immer noch bereit“, betitelte er ein Video vor wenigen Wochen, das ihn beim Training zeigte. Zuletzt wurde Kaepernick bei den Indianapolis Colts als möglicher Quarterback gehandelt. Die Frage bleibt weiter unbeantwortet, ob sich die NFL mit Kaepernick aussöhnen kann.

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