Kanzler Kurz, Sportminister Kogler und Bildungsminister Faßman

© EPA/FLORIAN WIESER

Sport
06/12/2020

Im rot-weiß-roten Sport herrscht dünne Luft

Langsam kehrt der Sportbetrieb zur Normalität zurück, an den Problemen ändert das nichts. Sportminister Kogler ist gefordert.

von Wolfgang Winheim

Ab nächster Woche darf in Schulen wieder geturnt werden. Allerdings nur nachmittags und auf freiwilliger Basis. Mit dieser Vorsichtsmaßnahme handelte sich Österreichs bislang (körperlich größter) Minister den Ruf als Bewegungsmuffel ein. Stimmt so nicht ganz. Vielmehr ist es Heinz Faßmann (2,03 Meter) als ehemaliger Basketballer gewohnt, Körbe zu verteilen. Unterlegene Mitspieler vom Ferienhort St. Wolfgang erinnern sich noch heute, wie sie ihm in Anspielung auf seine überragende Rolle zuriefen: "Fassi, wie ist die Luft da oben?" Aktuell ist sie, auf den Sport bezogen, sehr dünn.

Der ehemalige Regionalligaspieler (Frauenkirchen) und spätere burgenländische Langzeit-Landeshauptmann Hans Niessl wird deshalb nicht müde, in seiner Funktion als Sport-Austria-Präsident (ehemalige Bundessportorganisation) gegenüber der türkis-grünen Regierung den roten Kämpfer für die 15.000 mehrheitlich finanzmaroden Vereine zu spielen. Womit Niessl zwangsläufig auf einen Politiker trifft, der ebenfalls auf den Fußballplatz aufwuchs: Werner Kogler. Fotos überraschen mehr als tausend Worte: Aus dem schmalen Bürscherl mit der Beatles-Frisur ist der Vizekanzler geworden.

Ausdauer, mit der er als Grün-Abgeordneter den Rederekord (12 Stunden) im Parlament aufstellte, soll Kogler schon als lauffreudigen Mittelfeldspieler bei seinem oststeirischen Heimatverein St. Johann in der Heide ausgezeichnet haben. Mit 17 durfte er in der "Ersten" debütieren, nach seiner Übersiedlung nach Graz einige Monate als Gast bei der U 20 von Sturm trainieren.

Seit heuer ist Kogler das in diesem Jahrtausend bereits 14. Regierungsmitglied, dem das Sportressort ang’hängt – pardon: übertragen – wurde. Konträr zu den anderen EU-Staaten gilt’s hierzulande immer noch als vornehm, nichts vom Sport zu verstehen.

Obwohl Ex-Sportler in Politfunktionen gegenzusteuern versuchten. Obwohl Franz Vranitzky, ehe er Kanzler wurde, Basketball-Nationalspieler war; obwohl sich Ex-Eishockey-Teamstürmer Franz Voves als steirischer Landeshauptmann nicht dramatisch viele Ausrutscher leistete; obwohl Ex-Kanzler und Austria-Wien-Sympathisant Wolfgang Schüssel als topfitter 75-Jähriger sofort nach Lockerung der Corona-Vorschriften wieder bei Kickerln in Neuwaldegg für seinen FC Wirtschaft dem Ball nachjagte; und obwohl die spätere Innenministerin Liese Prokop die vielseitigeste Sportlerin des Planeten, nämlich Weltrekordlerin im Leichtathletik-Mehrkampf gewesen war.

Ihren Mann und Trainer Gunnar Prokop ärgerte schon zu Lieses Lebzeiten, dass der Sport von den obersten Meinungsbildnern bevorzugt bei Skandalen (Doping) wahrgenommen wurde; dass generell Negatives die Berichterstattung dominiert; dass die Forderung nach der täglichen Turnstunden Utopie bleibt. Rapids letzter Meistermacher Peter Pacult sagte einmal besonders keck, was er von Medienzampanos hält: "Die meisten von denen waren sicher vom Turnen befreit."

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