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Sport
09/17/2020

Im Dopingfall könnten weitere Prominente auftauchen

Die "Operation Aderlass" ist vor Gericht. Es ist der größte Prozess der deutschen Sportgeschichte.

von Florian Plavec

Seit eineinhalb Jahren sitzt Mark Schmidt in Untersuchungshaft. Am Mittwoch begann in München der größte Strafprozess, seitdem Doping in Deutschland strafbar ist (2015).

Der Erfurter Sportarzt Schmidt ist 42 Jahre alt und der Hauptbeschuldigte in der „Operation Aderlass“. Angeklagt sind außerdem ein mutmaßlicher Komplize, Schmidts Vater und zwei weitere Personen, die den Bluthandel unterstützt haben sollen.

Am 27. Februar 2019 hatten Ermittler bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld zugeschlagen. Der österreichische Langläufer Max Hauke wurde mit der Nadel im Arm erwischt, er gestand das Blutdoping ebenso wie sein Kollege Dominik Baldauf. Insgesamt identifizierten die Ermittler 23 Athleten aus acht Ländern, aus Österreich etwa die Radprofis Georg Preidler und Stefan Denifl sowie die Langläufer Johannes Dürr und Harald Wurm.

In den kommenden 25 Verhandlungstagen wird sich Drahtzieher Schmidt vor Gericht verantworten müssen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind umfangreich: jahrelanges Blutdoping, eine aufwendige Logistik, Sportler, die als lebende Blutpakete um den Globus reisten. Betroffen waren Events wie die Olympischen Winterspiele 2014 und 2018, die Tour de France 2018, der Giro d’Italia 2018 und die Nordische Ski-WM.

Rein-raus-Methode

Oberstaatsanwalt Kai Gräber sprach von der „Rein-raus-Methode“, auch Schmidt soll es so genannt haben: Dem Sportler wurde Blut abgenommen, der Körper bildete es neu. Kurz vor dem Wettkampf kam das Blut wieder rein in den Körper – und danach wieder raus und in den Hochleistungskühlschrank von Schmidt.

Während des Wettkampfs waren die Sportler dann mit mehr Blut im Körper unterwegs und damit auch mit mehr roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport zuständig sind. Dies steigert die Ausdauerleistung deutlich.

Die Anklageschrift umfasst 208 Ziffern. Es geht um ein Leben auf Achse, im Auto oder im Flugzeug; um Bluttransfusionen in Hotelzimmern oder auf Autositzen; in Österreich, Deutschland, Italien, Südkorea; immer unterwegs mit einer Kühlbox mit Sportlerblut.

War der Transport des Blutes nicht möglich, injizierten Schmidt und eine angeklagte Krankenschwester mehreren (Winter-)Sportlern vor dem Flug zu den Olympischen Spielen nach PyeongChang je einen Liter Eigenblut, das dann in den Körpern der Athleten nach Südkorea flog. Dort ging es dann wieder: raus-rein-raus.

Slowenische Radprofis?

Eine Spur verfolgten die Ermittler im slowenischen Radsport. Angeblich soll es sogar noch einen aktiven Radprofi geben, der mit Schmidt zusammengearbeitet hat. Pikant: Die Tour de France wird derzeit von zwei Slowenen angeführt: Primoz Roglic („Ich bin sauber“) führt vor Tadej Pogacar („Ich habe eine reine Weste“). Oberstaatsanwalt Gräber gibt vorerst aber Entwarnung: „Ich glaube nicht, dass es eine Erschütterung des Radsports geben wird.“

Ein Urteil wird für Dezember erwartet. Es könnte hart ausfallen, als Warnung für Betrüger. Erwartet werden vier bis sechs Jahre Haft.

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