Sport
31.07.2018

Heiß auf Tennis: Thiem sorgt in Kitzbühel für Begeisterung

Vor den Generali Open kennt die Begeisterung um Lokalmatador Dominic Thiem keine Grenzen.

Es lassen sich rund um Kitzbühel einige angenehme Orte finden, um einen schwülen Sommertag zu verbringen. Man könnte an Tagen wie diesen, in denen das K in Kitzbühel eigentlich durch ein H ersetzt werden müsste, etwa in den Schwarzsee springen, so wie es auch Dominic Thiem bereits getan hat. Oder man könnte vor der Affenhitze zum Beispiel auch auf den Hahnenkamm flüchten. Jedenfalls möchte man meinen, dass jeder, der bei diesen Temperaturen auf die Idee kommt, eine Tennisanlage zu besuchen, die noch dazu der prallen Sonne ausgeliefert ist, einen ziemlichen Schatten haben muss.

Andererseits: Wer dermaßen heiß auf Dominic Thiem und den Tennissport ist, dem macht auch ein Sonnenbrand nichts aus.

Kinder-Star

Als sich Thiem am frühen Vormittag für die Generali Open einschlägt, verwandelt sich der Trainingsplatz innerhalb kürzester Zeit zum heimlichen Centre Court. Kinder drängen sich am Zaun, dahinter steigen Erwachsene auf Stühle und Tische, um einen Blick vom österreichischen Tennisstar zu erhaschen. Als der 24-jährige nach der Trainingseinheit den Platz verlässt, geht er fast unter im Gewühl. Breakbälle lassen sich einfacher abwehren als die Horden von Kindern und Jugendlichen, die am Kitz 4 Kids Day die Generali Open stürmen. Tausend an der Zahl werden es gewesen sein, die den Glutofen namens Tennisplatz dem Schwimmbad vorzogen. „Der Dominic ist ein Segen für den Tennissport“, sagt Turnierdirektor Alexander Antonitsch und aus ihm sprechen gleichermaßen Begeisterung und Stolz.

Denn es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass Dominic Thiem die Generali Open beehrt. Praktisch alle anderen Spieler seines Kalibers haben bereits mit den Vorbereitungen auf die Hartplatzsaison begonnen, die in den US-Open ihren Höhepunkt erlebt. Niemand hätte es dem Österreicher übel nehmen dürfen, wenn er wie im Vorjahr aus sportlichen Überlegungen auf ein Antreten verzichten hätte-

Die Emotionen haben bei Thiem freilich die Oberhand behalten. „ Kitzbühel ist unpackbar schön. Es ist hundertprozentig die richtige Entscheidung, hier zu spielen“, sagt der Lichtenwörther. „Ich werde das Turnier und die Atmosphäre in diesem Stadion extrem genießen.“

Boomsport

Dominic Thiem ist zweifelsohne der Auslöser des Tennisbooms, den Österreich seit einigen Jahren erlebt. Aber er ist längst nicht mehr nur sein einziges Gesicht. Trotz der Abwesenheit des Publikumslieblings hatte Turnierdirektor Antonitsch im Vorjahr insgesamt 46.900 Fans in Kitzbühel begrüßen können. Als Jurij Rodionov am Sonntag bei brütender Hitze sein zweites Qualifikationsmatch bestritt, waren 3000 Besucher auf der Anlage. „Das ist für das ganze österreichische Tennis sehr positiv. Es sieht für die Zukunft jedenfalls gut aus“, meint Dominic Thiem, der am Mittwoch sein Auftaktmatch bestreiten wird.

Der Lokalmatador hat mit dem Turnier am Fuße des Hahnenkamms noch ein Hühnchen zu rupfen. Ein Erfolg vor eigenem Publikum fehlt dem 24-Jährigen noch in seiner Erfolgsammlung. 2014 verlor er das Endspiel gegen David Goffin, bei seinem letzten Antreten vor zwei Jahren kam gleich im ersten Match gegen Jürgen Melzer das überraschende Aus. „Ich will diese Gams haben“, sagt Thiem.

Sprachs und kündigt im selben Atemzug an, dass sein heuriger Auftritt in Kitzbühel gewiss nicht der letzte gewesen sein wird. Solche Ansagen vernimmt man in Kitzbühel gerne. Der Tennisklub will die Thiemmania ausnützen und das Turnier weiter aufwerten. Pläne für den Umbau und die Modernisierung des Centre Courts (Kostenpunkt 5,2 Millionen Euro) liegen bereits in der Schublade.