APA11681180-2 - 28022013 - LAGO DI TESERO - ITALIEN: ZU APA-TEXT SI - Bernhard Gruber (AUT/2. Platz) am Donnerstag, 28. Februar 2013, nach dem Zieleinlauf im 10 km Langlaufbewerb in der Nordischen Kombination bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Val di Fiemme. APA-FOTO: BARBARA GINDL

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Nordische Kombination
02/28/2013

Gruber sprintet zu Silber

Den Weltmeistertitel sichert sich Eric Frenzel aus Deutschland. Bronze geht an Jason Lamy Chappuis.

von Christoph Geiler, Günther Pavlovics

Bernhard Gruber war völlig am Ende. Einen Meter mehr, und er wäre wahrscheinlich endgültig mit seinem Körper und Kreislauf übers Ziel hinausgeschossen. Der Salzburger Kombinierer hatte sich auf den zehn selektiven Langlauf-Kilometern dermaßen verausgabt, dass ihm am Ende sogar die Kraft fehlte, um die Arme in die Höhe zu reißen und seine Silbermedaille zu bejubeln. Sekundenlang lag Gruber regungslos und mit schmerzverzerrtem Gesicht im Ziel, ehe ihm schließlich mit einiger Verspätung doch noch ein gequältes, aber umso zufriedeneres Lächeln über die Lippen kam. „Diese Zielgerade wird dann auf einmal so lang“, stammelte Bernhard Gruber, „ich kann das noch gar nicht richtig fassen.“

Aha-Effekt

Der 30-Jährige war gestern nicht der Einzige, den der Erfolg von den Socken riss. Jeder im Lager der österreichischen Kombinierer war überrascht von dieser Medaille, die die meisten eigentlich schon abgeschrieben hatten. Denn nach dem turbulenten Sprungbewerb, bei dem etliche Langlauf-Spezialisten vom starken Aufwind profitiert hatten, waren die Österreicher zwar in Schlagdistanz zu den Medaillen, die Favoriten auf die Top Drei waren allerdings andere. Selbst Bernhard Gruber, der Sechste nach dem Springen, hatte sich zur Halbzeit nicht mehr so zuversichtlich angehört: „Es wird schwierig.“

Doch in der Loipe lief der routinierte Gasteiner dann zur Hochform auf, und dabei erinnerte Gruber an seinen spektakulären Auftritt bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver. Auch damals hatte man den Salzburger nach dem Springen nicht zu den Medaillenkandidaten gezählt, schon damals hatte er alle Skeptiker und Konkurrenten Lügen gestraft und sich mit einer starken Lauf-Performance die Bronzemedaille gesichert.
Reifeprüfung

Drei Jahre später in Val di Fiemme kam Bernhard Gruber diesmal hinter dem Deutschen Eric Frenzel, der einen souveränen Start-Ziel-Sieg feierte, sogar als Sensationszweiter ins Ziel. Und dabei ließ er so starke Langläufer wie den Norweger Magnus Moan und den französischen Doppel-Weltmeister Jason Lamy-Chappuis hinter sich, mit denen er bis kurz vor Schluss eine Laufgemeinschaft gebildet hatte. Ein Verdienst seiner Abgeklärtheit und des intensiven Loipen-Trainings mit dem ehemaligen ÖSV-Cheftrainer Bard Jørgen Elden, der den österreichischen Kombinierern zwischen 2009 und 2012 Beine gemacht hat. Unter dem Norweger reifte der einstige Überflieger Gruber zu einem perfekten Kombinierer. „Ich habe extrem vom Bard profitiert. Man kann sagen, dass er mir das Langlaufen neu beigebracht hat“, berichtet der 30-Jährige.

Auf der schwierigen Loipe im Fleimstal hielt Gruber mit den Konkurrenten nicht nur mit, er übernahm auf dem letzten Anstieg auch die Initiative und schüttelte mit diesem Schlussangriff noch den raffinierten Franzosen Lamy-Chappuis ab. „Ich war auf seine taktischen Spielchen vorbereitet und habe gewusst, dass es wehtun wird“, erzählt der Salzburger, „aber mir ist ein Superlauf gelungen. Diesmal ist alles aufgegangen. Auch, weil mein Material so top war.“

Aufstieg

Mit dem Gewinn der WM-Silbermedaille ist Bernhard Gruber nun endgültig aus dem langen Schatten seiner prominenten österreichischen Teamkollegen getreten. Lange Jahre hatte sich in der Nordischen Kombination hierzulande alles um Felix Gottwald und Mario Stecher gedreht, der 30-jährige Gruber, der in dieser Saison auch schon ein Weltcup-Rennen gewonnen hat, ist der österreichische Hoffnungsträger für die kommenden Großereignisse. „Das ist der Lohn für die harte Arbeit. Aber ich habe noch Ziele. Der Weltcup-Gesamtsieg würde mich schon einmal reizen“, meint Bernhard Gruber.

Bernhard Gruber, der "Burner"

Bernhard Gruber kombiniert nahezu perfekt. Der Salzburger versteht es blendend, die so gegensätzlichen Sparten Skispringen und Skilanglauf unter einen Hut zu bringen - als 30-Jähriger eroberte er am Donnerstag bei den Nordischen-Weltmeisterschaften im Val di Fiemme mit Silber seine zweite Einzel-Medaille, drei Jahre nach Olympia-Bronze, ebenfalls von der Großschanze.

In Vancouver hatte er 2010 vor allem von seiner Sprungstärke profitiert und war als bester Springer Dritter geworden. Mittlerweile hat der Salzburger nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit dem damaligen ÖSV-Cheftrainer Baard Jörgen Elden, einem Norweger, auch im Langlauf enorm aufgeholt.

Anfangs gab es Probleme ("Da hat's mich gestrudelt, das forcierte Lauftraining hat mein Springen belastet"), doch schließlich machte sich die Arbeit bezahlt. 2012 und im heurigen Februar gelangen nach fast vierjähriger Unterbrechung auch wieder zwei Weltcupsiege. Vor allem der Erfolg Anfang Februar bei der Olympia-Generalprobe in Sotschi hat Gruber enorm bestärkt.

Der Gasteiner (geboren am 12.8.1982) ist ein Vollblut-Athlet. Im Training muss er sich oft selbst zurücknehmen, um nicht zu übertreiben. "Den Bewegungsdrang etwas zügeln", nennt es Gruber. Wenn es ihm dann auch noch gelingt, seine manchmal etwas chaotische Ader zu kontrollieren, ist er stets ein Kandidat für Spitzenplätze. Ein Hoppala passierte zuletzt beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer, wo er als zweitbester Springer zu früh startete und dann als Letzter loslaufen musste.

"Burner"

Von seinen Kollegen wird Gruber "Burner" genannt, wegen einer gewaltigen Nahrungsaufnahme. Die Fettverbrennung funktioniert enorm rasch. Deshalb hat der Athlet des SC Bischofshofen beim Training meist ein "Esspaket" dabei, falls ihn Heißhunger überkommt.

Gruber gilt als ruhiger Typ. Laut wird es dann, wenn er mit seinen Freunden Musik macht - mit Gitarre oder Schlagzeug. Die Kombinierer-Kollegen Tino Edelmann (GER) und Ronny Heer (SUI) haben mit Gruber als "The Telemarkers" noch unmittelbar vor den Olympischen Spielen 2010 einen eigenen Kombi-Song aufgenommen. "Für den einen Moment", so der Titel, hat Gruber lange gearbeitet.

Das Langlauf-Training hat er auch unter dem neuen Spartencoach Thomas Baumann intensiv betrieben. "Es hat sehr gut funktioniert, die Form kommt immer mehr", sagte er nach seinem Erfolg in Sotschi. "Wir haben es so angelegt, dass ich mich bei der WM im Hoch befinde." Der Plan ging voll auf.

Bernhard GRUBER (30 Jahre):

Geb.: 12.8.1982 in Schwarzach (S)
Wohnort: Bad Hofgastein
Größe/Gewicht: 1,85 m/71 kg
Familienstand: ledig, 1 Sohn
Verein: SK Bischofshofen
Hobbys: Mountainbiken, E-Gitarre, Schlagzeug, Tennis, Surfen
Homepage: www.berni-gruber.at

Größte Erfolge:
Olympia: Gold Team und Bronze Großschanze Vancouver 2010
WM: Gold Team Oslo 2011 Normalschanze und Großschanze, Silber Einzel
Val di Fiemme 2013 Großschanze
Weltcup: 4 Siege
Universiade: Zweimal Gold 2005
Junioren-WM: Bronze 2000

Deutschland jubelt über die erste Goldene

Lange hat es gedauert, eindeutig zu lange, wie den bissigen und kritischen Schlagzeilen in den deutschen Medien zu entnehmen war. Die Bild-Zeitung hatte ihre Mitarbeiterin sogar vorzeitig von der Weltmeisterschaft abgezogen, weil Schwarz-Rot-Gold im Fleimstal so gar nicht die Modefarbe war.

Die Skispringer? Gelandet auf dem Boden der Realität. Die Langläufer? Ebenfalls nicht in der Erfolgsspur. Die Kombinierer? Geschlagen im Zielsprint. Doch am neunten Tag endete nun die deutsche Pleiten, Blech- und Pannenserie, der Nordische Kombinierer Eric Frenzel sorgte im Bewerb auf der Großschanze für die erste Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen.

Die Basis für den souveränen WM-Titel hatte der 24-Jährige bereits im Springen gelegt, wo ihm mit 138,5 Metern ein neuer Schanzenrekord gelungen war. Der Rest war für den Weltcup-Leader angesichts des klaren Vorsprung ein Kinderspiel. „Die Freude ist riesig. Das alles noch einmal erleben zu dürfen nach Oslo, ist wirklich grandios“, strahlte der Vorzeigeathlet des WSC Erzgebirge Oberwiesenthal. Frenzel hat schon vor zwei Jahren gewonnen. In Oslo hatte er dazu noch Silber und Bronze geholt.

Warteschleife

Während die Deutschen also ihre erste Goldmedaille bejubeln, hängen andere prominente Nationen noch in der Warteschleife.

Die Finnen haben erst eine Bronzemedaille geholt, im Langlauf-Teamsprint der Damen. Und vom Veranstalter Italien war noch keine Athletin und kein Athlet auf dem Siegespodium zu sehen. Weil bei der Siegerehrung die ersten sechs einen Blumenstrauß bekommen, waren zumindest die Damen und Herren des Teamsprints (jeweils auf Platz fünf) bei der Siegerehrung dabei.

Einzel-Medaillengewinner

Die Einzel-Medaillengewinner des ÖSV in der Nordischen Kombination bei Ski-Weltmeisterschaften (noch keine Goldmedaille):

Silber (5): Klaus Sulzenbacher (1991 Val di Fiemme), Mario Stecher (1999 Ramsau und 2013 Val di Fiemme), Felix Gottwald (2003 Val di Fiemme), Bernhard Gruber (2013 Val di Fiemme)

Bronze (6): Harald Bosio (1933 Innsbruck), Klaus Ofner (1991 Val di Fiemme), Felix Gottwald (2001 Lahti, 2003 Val di Fiemme, 2005 Oberstdorf, 2011 Oslo)

Ich habe mich so reingesteigert

Bernhard Gruber (Vize-Weltmeister): "Ich kann es noch gar nicht fassen. Es ist mir heut so ein super Lauf geglückt, das Material war top, ich habe mich so reingesteigert. Ich habe schon einen guten Sprung gehabt und bin losgelaufen und habe geschaut, dass ich auf Zug mein Tempo laufe.

Es ist alles aufgegangen. Ich habe gewusst, dass es weh tun wird. Die Japaner haben am Schluss Gas gegeben. Die Zielgerade ist so lang, weil der Schnee so stumpf ist. Das ist der Lohn für etliche Stunden auf der Loipe. Ich habe gedacht, dass der Jason (Lamy Chappuis, Anm.) zum Schluss attackiert, er hat immer wieder seine taktischen Spielchen gemacht. Zum Schluss ist ihm aber auch das Gas ausgegangen."

Willi Denifl (WM-6.): Es war total lässig zum Laufen, es war sehr taktisch. Ich bin sehr zufrieden. Ich habe so geile Ski gehabt. Es ist mein bestes Ergebnis auf Großveranstaltungen, vielleicht gelingt der letzte Schritt auch noch. Es zählen zwar nur die ersten drei, ich habe heute aber ein Hammerrennen abgeliefert. Vor der Saison hat mir das keiner zugetraut."

Christoph Bieler (WM-16.): "Es war ein extrem hartes Rennen, mit jeder Runde sind die Beine schwerer geworden. Ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Die Ausgangsposition nach dem Springen war nicht schlecht. Schade, dass es in der Karriere nicht für eine Einzelmedaille gereicht hat, aber ich glaube, ich kann auf das, was ich erreicht habe, schon stolz sein. Aber ich plane ja noch ein Jahr."

Mario Stecher (WM-21.): "Von der Platzierung aus war es schwer, wegzulaufen. Ich habe gesehen, dass es nicht funktioniert, dann habe ich abgestellt. Ich freue mich aber wahnsinnig für den Berni."

Eric Frenzel (Weltmeister, GER): "Spaß gemacht hat es auf jeden Fall, das war eine große Sache. Das war wohl einer der besten Sprünge in meiner Karriere überhaupt. Auf der Strecke habe ich mich vom Anfang bis zum Ende stark gefühlt. Es waren hohe Erwartungen auf mich gesetzt. Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt zum Weltmeistertitel geklappt hat."

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