Sport
02.03.2013

Gegenwind für die Superadler

Seit 2005 dominiert Österreich die Teambewerbe, nun droht das Ende der Erfolgsserie.

Waren das noch Zeiten, als den österreichischen Springern die Goldmedaillen nur so zugeflogen sind. Als vor Teambewerben nicht gefragt wurde: Wer wird gewinnen? Sondern: Wie groß wird der Vorsprung der Österreicher wohl diesmal sein? Waren das noch Zeiten, als die österreichischen Springer ihrem Ruf als Superadler alle Ehre machten.

Vor zwei Jahren in Oslo hatten die Österreicher nach den beiden Einzelwettkämpfen noch vier Medaillen (je zwei Gold und Silber) auf ihrer Habenseite, in Val di Fiemme reichte es bisher nur zu einer Silbermedaille durch Superstar Gregor Schlierenzauer (Normalschanze). Der abschließende Teambewerb auf der Großschanze (16.30 Uhr) ist die letzte Möglichkeit auf ein versöhnliches WM-Ende für die Skisprung-Nation Nummer eins.

Es geht heute nicht nur um die Lufthoheit im Schanzen-Reich, es geht auch um eine stolze und einzigartige Erfolgsserie: Gleich acht Mal in Folge waren die österreichischen Skispringer zuletzt bei Großereignissen der Konkurrenz um die Ohren geflogen. Seit 2005 sind die rot-weiß-roten Adler in wichtigen Mannschaftsbewerben ungeschlagen. Mit Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl sind in Val di Fiemme noch zwei Springer im Team dabei, die seinerzeit in Oberstdorf die goldene Ära eingeläutet hatten. Morgenstern hat seit 2005 überhaupt immer dem Team angehört, der Tiroler Manuel Fettner wiederum gibt heute sein WM-Team-Debüt.

Dünne Luft

Doch die Luft ist dünner geworden für die österreichischen Superadler in den letzten Monaten. Darüber kann auch die Dominanz von Gregor Schlierenzauer nicht hinwegtäuschen. Nur dem Tiroler Ausnahmespringer mit seinen acht Saisonsiegen haben es die Österreicher zu verdanken, dass sie in diesem Winter im Länderranking nicht schon von der Konkurrenz überflügelt wurden.

Im Gesamtweltcup ist der zweite Österreicher erst an 14. Stelle zu finden, und bei der Vierschanzentournee 2012/’13 war auch nur Sieger Schlierenzauer in den Top Ten gelandet. „Die anderen haben aufgeholt“, weiß auch die 23-jährige Nummer eins, „uns ist bewusst, dass es diesmal schwieriger wird, den Titel zu holen.“

Dicke Luft

Den heftigen Gegenwind bekamen die Österreicher in dieser Saison schon öfter zu spüren. Vier Teambewerbe haben die amtierenden Weltmeister und Olympiasieger heuer bereits hinter sich, vier Mal mussten sie sich geschlagen geben. In Willingen hat es überhaupt nur zum vierten Rang gereicht.

Darunter leidet auch die Stimmung im österreichischen Adlerhorst. Da kann Trainer Alexander Pointner noch so trotzig beteuern, „dass der Teamspirit noch nie so hoch war wie jetzt“. Selbst Schlierenzauer ortet einen leichten Klimawandel: „Wenn zwei, drei Kollegen nicht so in Form sind wie üblich, ist klar, dass die Stimmung nicht so ist wie sonst.“

Und trotzdem: Formtief hin, Gegenwind her – die Österreicher sind auch diesmal wieder die Gold-Favoriten. Beim Springen auf der Großschanze sind die ÖSV-Adler am Donnerstag zwar leer ausgegangen. Die Teamwertung hätten sie aber gewonnen.

Teamspringen: Acht Erfolge in Serie

2005 WM Oberstdorf
Normalschanze Wolfgang Loitzl, Thomas Morgenstern, Andreas Widhölzl, Martin Höllwarth

Großschanze Loitzl, Widhölzl Morgenstern, Höllwarth

2006 Olympia Turin
Großschanze Andreas Kofler, Martin Koch, Loitzl, Morgenstern

2007 WM Sapporo
Großschanze Gregor Schlieren- zauer, Morgenstern, Loitzl, Kofler

2009 WM Liberec
Großschanze Loitzl, Koch, Schlierenzauer, Morgenstern

2010 Olympia Vancouver
Großschanze Morgenstern, Schlierenzauer, Kofler, Loitzl

2011 WM Oslo
Normalschanze Schlierenzauer, Kofler, Koch, Morgenstern

Großschanze Schlierenzauer, Kofler, Koch, Morgenstern