Sport
05.08.2017

Bolt geschlagen: Gatlin ist Weltmeister

Der USAmerikaner nutzt nach schlechtem Start des Jamaikaners seine Chance.

Justin Gatlin hat Sprintkönig Usain Bolt entthront und sich in London zum neuen 100-Meter-Weltmeister gekürt. Der schon 35 Jahre alte Amerikaner gewann das Finale am Samstagabend überraschend in 9,92 Sekunden, Titelverteidiger Bolt, 30, landete mit 9,95 Sekunden noch hinter US-Sprinter Christian Coleman (9,94) auf dem dritten Platz. Sein zwölftes WM-Gold kann Weltrekordler Bolt aber noch in einer Woche mit Jamaikas Sprintstaffel gewinnen. Mit viereinhalb Hundertstelsekunden Rückstand auf Gatlin war Bolt erst aus den Startblöcken gekommen, genau die Zeit, die ihm am Ende für Gold fehlte...

Das Publikum in London hatte mit dem neuen Weltmeister gar keine Freude: Gatlin, der bereits mehrfach des Dopings überführt worden war, wurde gnadenlos ausgebuht und verschwand rasch von der Bildfläche. Die nutzte Weltrekordler Bolt, dessen 9,58 Sekunden wohl noch lange Bestand haben werden - um sich vorläufig von seinen Fans zu verabschieden.

WM-Gold Nr. 12 für den Supersprinter von der Karibikinsel mit seinen Staffelkollegen am 12. August wäre keine Überraschung. Schließlich hat das Jamaika-Quartett seit 2009 vier Titel in Serie erobert - jedes Mal mit Anführer Bolt. Doch egal, wie das letzte WM-Abenteuer für Jamaikas Nationalhelden endet: Neun Tage nach dem Staffelfinale darf er seinen 31. Geburtstag mal ganz unbeschwert feiern - diesmal ohne Trainingsschweiß und Wettkampfstress. Auf seine erklärte Lieblingsstrecke, die 200 Meter, verzichtet die Legende der Leichtathletik erstmals bei einer WM - um Kräfte zu sparen.

Schon vor der WM im Londoner Olympiastadion, wo Bolt vor fünf Jahren bei den Sommerspielen dreimal Gold gewann, war er zum erfolgreichsten Leichtathleten bei Weltmeisterschaften avanciert. Zu den elf Goldenen und zweimal WM-Silber kommt nun noch Bronze. An diese Bilanz kommt nicht einmal „Carl der Große“ Lewis aus den USA heran, der zehnmal Edelmetall (8/1/1) holte. Ein Fehlstart im WM-Finale 2011 in Daegu kostete Bolt wohl eine schon sicher geglaubte Goldmedaille.

Bolt ist bald fertig, und die Entscheidung ist endgültig. „Mein Vater will, dass ich weitermache“, sagte er in London schmunzelnd. „Aber ich freue mich darauf, nach den Weltmeisterschaften aufzuhören.“