Sport | Fußball 11.05.2018

WM-Teilnehmer, Teil 6: Costa Rica, immer wieder Pura Vida

Schlüsselspieler: Tormann Keylor Navas gilt bei Costa Rica als Rückhalt und steht mit Real Madrid wieder im Champions-League-Fin… © Bild: APA/AFP/VALERY HACHE

Costa Rica will wie schon 2014 die große Überraschung liefern.

Costa Rica gibt sich in den Erwartungen vor der WM ausnahmsweise bescheiden. Weil man sich auch vor vier Jahren in Brasilien die Latte selbst sehr hoch gelegt hat mit dem Erreichen des Viertelfinales, wo man im Elferschießen an den Niederlanden scheiterte. Die wundersame Reise der „Ticos“ durch Brasilien ist unvergessen, die Landesweite Leidenschaft mit dem Nationalteam soll aber keine Einmaligkeit bleiben. Pura Vida ist auch das Motto in Russland. „Unser Ziel muss es sein, das gleiche Niveau wie in Brasilien zu erreichen. Und wenn es mehr wird, warum nicht?“, sagt Trainer Oscar Ramirez durchaus selbstbewusst.

Zumal man – auf dem Papier – eine leichtere Gruppe hat als in Brasilien, wo man sich gegen die drei Ex-Weltmeister England, Italien und Uruguay sensationell durchsetzte. Diesmal ist Brasilien der Top-Favorit, dahinter sehen sich die Ticos auf Augenhöhe mit Serbien und der Schweiz im Kampf um den zweiten Platz in der Gruppe. Zumal die Mannschaft mit dem Erfolg in Brasilien Routine gesammelt hat.

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© Bild: Grafik

Schlechte Tests

Doch die jüngsten Testspiele sorgten bei den Fußball-berauschten Costa Ricanern für Ernüchterung. Beim 0:5 gegen Spanien gelang so gut wie nichts, beim 0:1 gegen Ungarn kaum mehr. Verbandspräsident Rodolfo Villalobos hofft allerdings auf einen positiven Effekt und sieht die Pleiten als Wachrüttler. „In wenigen Wochen werden wir für diese schmerzhaften Niederlagen dankbar sein, denn sie haben uns aus der Komfortzone geholt“, sagte er zuletzt. Zudem hatten die Ticos zwei ihrer Schlüsselspieler nicht zur Verfügung: Torwart Keylor Navas und Kapitän Bryan Ruiz. Ausgerechnet Routinier Ruiz, einst Teamkollege von Marc Janko bei Twente Enschede, bremst die Euphorie im Land: „Wir können nicht sagen, dass wir es besser machen. Denn in Brasilien haben wir Unglaubliches geleistet“, sagt der Spielmacher, der bei Sporting Lissabon nicht zum Zug kommt und zeitweise sogar vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen war.

Auch Nationalheld Navas, mit Real Madrid zweimaliger Champions-League-Sieger und zum dritten Mal in Folge im Finale, ist bei den Königlichen nicht mehr unantastbar, dafür vielmehr umstritten. Navas scheidet in Madrid die Geister. „Wenn einem eine kostbare Ming-Vase aus dem Fenster des zehnten Stock fällt“, schrieb die spanische Sportzeitung AS vor vier Jahren, „dann wünscht man sich unten auf der Straße Keylor Navas.“ Gegen die Bayern patzte er im Hinspiel, wurde heftig kritisiert. Im Rückspiel und beim Clásico brillierte er wieder.

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Rückhalt: Die „Ticos“ sind verrückt nach ihrem Nationalteam. © Bild: APA/AFP/GETTY IMAGES/RONALD MARTINEZ

Auf und Ab

Costa Rica erlebte in der WM-Qualifikation des Kontinentalverbandes CONCACAF ein Auf und Ab, die wechselhaften Leistungen reichten für Rang zwei und das direkte WM-Ticket. Als 2014 die WM-Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hatte, gingen in der Hauptstadt San Jose die Männer im Nationaltrikot ins Büro, Mütter schminkten ihren Kindern die Nationalflagge ins Gesicht – selbst die Bäume in den Straßen wurden rot-weiß-blau bemalt. „Es ist wie im Märchen“, schrieben Zeitungen. Mit der Kraft ihres Lebensmottos Pura Vida soll das Märchen in Russland weitererzählt werden.

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( kurier.at ) Erstellt am 11.05.2018