© Andreas Heidenreich

WM-Quali
09/01/2013

Alaba zu Gast im eigenen Stadion

David Alaba ist vor dem Hit in München gegen Deutschland selbstbewusst.

von Andreas Heidenreich

Freitag, 20.45 Uhr, WM-Qualifikation in der Münchner Allianz Arena: Deutschland empfängt Österreich. Und David Alaba müsste lügen, wenn er behauptet, diese Partie wäre nicht etwas ganz Spezielles für ihn. „Das ist natürlich besonders. Die Allianz Arena ist ein wunderschönes Stadion. Ich fühl’ mich dort immer sehr wohl“, sagt Österreichs Bayern-Legionär zum KURIER.

Dass er ob der Gewohnheit in die falsche Kabine, nämlich in jene der Bayern, gehen könnte, glaubt er nicht. „Ich weiß schon, wer am Freitag meine Mannschaft ist und wo ich hingehöre.“ Er kennt sich natürlich gut aus im Stadion der Bayern. „Wenn man hineingeht, geht es rechts zur Bayern-Kabine und links zu den anderen Garderoben“, beschreibt der 21-Jährige. „Dort war ich noch nie.“ Auch nicht beim Champions-League-Finale „dahoam“ 2012, in dem er gesperrt passen musste, als die Münchner auch ihre eigene Garderobe beziehen durften.

Gutes Omen

Ob das Stadion mit seinen knapp 70.000 Plätzen gegen Österreich ausverkauft sein wird? „Ich denke schon. Auch für die Deutschen sind ja Spiele gegen uns immer etwas Besonderes. Außerdem spielt ja das deutsche Team nicht so oft in München.“

Zuletzt war das am 3. März 2010 der Fall. Gutes Omen für die Österreicher: Deutschland unterlag damals gegen Argentinien mit 0:1 – Torschütze: Higuain. Es war zugleich das 98. und letzte Länderspiel eines gewissen Michael Ballack.

Wie bei fast allen Bayern-Heimspielen werden auch Alabas Eltern George und Gina dabei sein. Neu ist, dass Alaba im Anschluss nicht in seinem Haus im Münchner Vorort Grünwald, sondern im Hotel nächtigen wird.

Dass Deutschlands Spieler jene aus Österreich unterschätzen werden, glaubt Alaba nicht. „Wir sind Zweiter in der Gruppe und wir haben ihnen auch schon zwei Mal Probleme bereitet. Daran können Sie sich erinnern“, sagt der 25-fache Teamspieler, der mit seinen Klubkollegen natürlich schon über das bevorstehende Duell gescherzt und gesprochen hat. „Sie kennen unsere Legionäre und sehen, welche Leistungen die vor allem bei ihren Klubs in Deutschland bringen. Es ist angekommen, dass wir nicht so eine schlechte Mannschaft haben.“

Selbst, wenn man das zuletzt gegen Griechenland (0:2) nicht gesehen hat. „Da haben wir uns mehr vorgenommen. Jetzt müssen wir natürlich ein paar Gänge dazuschalten“, betont Alaba. „Wir werden das Spiel aber sicher noch analysieren und die Fehler abstellen.“

Nicht verstecken

Angst vor einer Lehrstunde der Deutschen hat er nicht. „Man darf nie davon ausgehen, eine Klatsche zu bekommen. Außerdem haben wir viele Schritte nach vorne gemacht. Wir wollen es den Deutschen so schwierig wie möglich machen.“ Die Meinung, wonach für Österreich im Kampf um Platz zwei das Spiel vier Tage später gegen Irland wichtiger wäre, teilt Alaba nicht. „Ich denke, dass auch dieses Spiel wichtig sein wird. Wir wollen so viele Punkte wie möglich machen, da gehört auch das dazu. Wir fliegen nach Deutschland, um dort etwas mitzunehmen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“

Der beliebte Jogi und der begehrte Titel

Wäre die Beliebtheit das einzige Kriterium, Joachim Löw würde wahrscheinlich bis an sein Lebensende deutscher Bundestrainer bleiben. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2006 genießt der smarte Breisgauer in seiner Heimat die höchsten Sympathiewerte. Bei einer Spiegel-Umfrage „welcher Prominente verkörpert für Sie ein Deutschland, wie Sie es sich wünschen“ landete Löw hinter TV-Entertainer Günther Jauch und Altkanzler Helmut Schmidt auf dem dritten Rang. Motto: Er habe zwar noch immer keinen Titel geholt, verspreche aber wenigstens nichts, was er nicht halten könne. Die Bild schwärmte einst sogar. „Jogi-Cool. So einen Bundestrainer hatten wir noch nie.“

Joachim Löw fühlt sich einerseits über so viel Popularität geschmeichelt, andererseits weiß er genau, wie er seine persönliche Lage einschätzen muss. „Beliebtheit ist keine Kategorie, die im Sport zählt“, meint der 53-Jährige im KURIER-Gespräch. „Mir ist klar, wie schnell sich das ändern kann und was für eine Fallhöhe ein Trainer hat.“

Löw, der demnächst seinen Vertrag verlängern wird, ist im siebenten Jahr seiner Amtszeit schon ziemlich weit oben angelangt. Er kann die beste Bilanz aller deutschen Bundestrainer vorweisen, er erreichte bisher bei jedem Turnier das Semifinale, er führte das Team 2008 ins EM-Endspiel und hat den Deutschen ihren gefürchteten Rumpel-Fußball ausgetrieben und durch einen offensiven, attraktiven Spielstil ersetzt. So weit, so gut.

„Nicht ganz dicht“

Doch zehn Monate vor der WM in Brasilien mehren sich kritische Stimmen. Elf Gegentore in den sechs Länderspielen im Kalenderjahr 2013 lassen Zweifel an der allzu stürmischen Ausrichtung des Bundestrainers laut werden. So werde es nichts mit dem ersten Titel seit 1996 (EM), so könnten sich die Deutschen schon jetzt den WM-Titel abschminken, wetterten die Medien. „Deutschland ist nicht ganz dicht“, hatte die Hamburger Morgenpost nach dem jüngsten 3:3 im Test gegen Paraguay geschrieben.

Löw schwört beharrlich auf seine Philosophie („ich liebe es über alles, offensiv zu spielen“), aber selbst den Spielern sind die vielen Gegentreffer nicht mehr ganz geheuer. „Wir müssen wieder lernen, zu null zu spielen“, fordert Teamgoalie Manuel Neuer von Champions-League-Sieger Bayern.

Ein Triumph, der den Druck auf Joachim Löw nur noch erhöht hat. Denn angesichts der Erfolge der deutschen Vereinsmannschaften wird nun auch von ihm in Brasilien der Titel erhofft, wenn nicht gar erwartet. „Nach menschlichem Ermessen wird es schwer. Aber wir sind Mitfavoriten“, sagt Löw .

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