Warum es zwischen Norwegen und Österreich so viele Parallelen gibt
Einen wie Haaland hat Österreich nicht
Die Freude über die Rückkehr nach der langen WM-Pause ist groß, die Euphorie im Land nimmt immer mehr zu und vor dem morgigen Ankick wird nur noch über die Höhe des bevorstehenden Sieges diskutiert.
Das klingt eindeutig nach Österreich, ja sogar typisch. Aber ich, als in Salzburg arbeitender Norweger, kann bestätigen: Jedes Wort trifft genau so auf meine Norweger zu. In meiner Heimat werden sogar schon mögliche Gegner für das WM-Finale besprochen.
Und das ist ein schlechtes Zeichen.
So viele Parallelen
Je länger ich über die beiden WM-Starter, die mir emotional am nächsten sind, nachdenke, umso mehr Parallelen fallen mir auf.
Nämlich, dass ...
... Norwegen wie Österreich zuletzt 1998 bei einer WM-Endrunde dabei waren.
... jede Wortmeldung aus den beiden Teamcamps auffällig positiv klingt. Als könnte ohnehin nichts schiefgehen.
... mit Irak und Jordanien zum Auftakt je ein Pflichtsieg wartet. Aber Achtung! Katar hat gezeigt, dass auch die arabischen Außenseiter mittlerweile gut organisiert sind und europäische Klasseteams wie die Schweizer blamieren können.
... dass die beiden Teamchefs die Euphorie ein wenig bremsen wollen. In Norwegen verweisen die Fans darauf, dass wir Italien geschlagen haben. Aber das schaffen momentan fast alle. Stale Solbakken ist ein Freund und Ex-Kollege von mir, der aus eigener Erfahrung – wie etwa der enttäuschenden WM 1998 – weiß, wie er zumindest intern die Überflieger einbremsen kann.
Auch Ralf Rangnick lässt die Österreicher träumen und befeuert die großen Hoffnungen sogar. Aber selbst nach dem Aufstieg in die K.o.-Phase wird es von ihm keinen Moonwalk zu sehen geben. Dafür ist Ralf zu bodenständig.
Der Verletzungsteufel
Bei einer letzten Parallele gibt es einen wesentlichen Unterschied: Mit Ödegaard und Baumgartner haben sich zwei Schlüsselfiguren verletzt. Aber während Norwegens Kapitän bei der WM wieder Richtung 100 Prozent Fitness unterwegs sein sollte, wird Baumgartner Österreich sicher in jeder Partie massiv fehlen.
Den größten Unterschied sehe ich in der Sturmspitze. Nichts gegen Marko Arnautovic – ich hoffe, dass er seine schöne Karriere erfolgreich abschließt. Aber einen Superstar wie den geborenen Goalgetter Erling Haaland, der sich im Trainingslager gut gelaunt und fit präsentiert, habt ihr sicher nicht.
Einen Vorteil für Österreich sehe ich hingegen in der Turniererfahrung. Norwegen war seit der EM 2000 genau nirgends mehr dabei. Besonders das bittere EM-Aus gegen die Türkei kann für Österreichs Team noch ein spät aber doch hilfreiches Erlebnis während der WM werden.
Insgesamt bin ich nicht so euphorisch wie die Fans in Norwegen und Österreich. Eher nervös. Aber vorsichtig optimistisch – für beide Länder.
Jan Age Fjörtoft war mit Norwegen bei der WM 1994 in den USA und analysiert die Endrunde als TV-Experte bei Servus TV.
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