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England vs. Argentinien: Von der Hand Gottes bis Beckham-Rot

Ziemlich beste Feinde: England und Argentinien haben sich auf WM-Ebene schon mehrere denkwürdige Duelle geliefert.
Diego Maradona Hand Gottes

Wenn am Mittwoch im zweiten Halbfinale England und Argentinien aufeinandertreffen, dann wird ein weiteres Kapitel einer der erbittertsten Rivalitäten im Fußball geschrieben. Einst haben britische Einwanderer den Fußball nach Argentinien gebracht. Newell’s Old Boys, der Jugendverein von Lionel Messi, ist nach dem Engländer Isaac Newell benannt. Von Freundschaft war auf Nationalteam-Ebene jedoch nie viel zu erkennen.

Drei Beispiele:

WM 1966 

So richtig los ging die Rivalität am 23. Juli 1966. Der Schauplatz war natürlich das ehrwürdige Wembley-Stadion, der Rahmen das WM-Viertelfinale. Im Mittelpunkt stand Argentiniens Kapitän Antonio Rattin, der erst vor wenigen Tagen im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Der 1,91-Meter-Hühne legte sich mit Schiedsrichter Rudolf Kreitlein aus Deutschland an, schimpfte auch nach zwei verbalen Verwarnungen weiter. Der Unparteiische verwies ihn des Feldes, doch Rattin weigerte sich zu gehen. Er musste schließlich von einem Polizisten vom Platz geführt werden. Das Spiel stand fast zehn Minuten still. Später führte die FIFA wegen dieses Vorfalls Gelbe und Rote Karten ein.

Beim Abgang zerknüllte der wutentbrannte Rattin auch noch eine englische Fahne. England siegte 1:0, Trainer Alf Ramsey hinderte seine Spieler nach dem Schlusspfiff daran, mit den Argentiniern die Trikots zu tauschen. Später beschimpfte Ramsey die Südamerikaner sogar als Tiere – was in Argentinien als koloniale Verachtung angesehen wurde.

Maradona Jahrhunderttor

WM 1986 

Das WM-Viertelfinale am 22. Juni 1986 in Mexiko City sollte gleich aus mehreren Gründen in die Geschichte eingehen. Vor fast 115.000 Zuschauern im Aztekenstadion beförderte Diego Maradona den Ball zunächst mit der legendären Hand Gottes zum 1:0 über die Linie. Nur vier Minuten später schloss er ein unwiderstehliches Solo über den halben Platz zum 2:0 ab – der Treffer sollte später zum Jahrhundert-Tor ernannt werden. Gary Linekers Anschlusstreffer war zu wenig, Argentinien siegte.

Für Maradona war es trotz der beiden historischen Treffer mehr als nur Fußball. In Anlehnung an den Falklandkrieg von 1982 sagte er nach der Partie: „Obwohl wir vor dem Spiel gesagt hatten, Fußball habe nichts mit dem Krieg zu tun, wussten wir, dass dort viele argentinische Jungs gestorben waren. Abgeschossen wie kleine Vögel. Das war Rache.“

Beckham sieht Rot

WM 1998 

Am 30. Juni 1998 kam es im WM-Achtelfinale zum Duell der beiden Rivalen. Michael Owen, damals gerade einmal 18 Jahre jung, erzielte ein Traumtor. England verteidigte in Unterzahl ein 2:2, verlor dann im Elfmeterschießen. In Erinnerung ist aber vor allem eine Szene geblieben: Nach einem Foul von Diego Simeone im Mittelfeld trat David Beckham nach und sah Rot. Eine Szene, an der Beckham beinahe zerbrochen wäre.

Vor einem Pub wurde eine Beckham-Puppe erhängt. Der Daily Mirror schrieb: „Zehn heldenhafte Löwen, ein dummer Junge.“ Zwei Tage später druckte man eine ganzseitige Dartscheibe mit einem Bild von Beckham in der Mitte. Es war die größte Hass-Kampagne gegen einen englischen Spieler in der Geschichte.

Vier Jahre später schlug Beckham zurück. Bei der WM 2002 traf England in der Vorrunde auf Argentinien. Beckham verwandelte einen Elfmeter zum 1:0-Erfolg, Argentinien fuhr nach der Gruppenphase nach Hause.

Es ist angerichtet für das nächste Kapitel.

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