Stein des Anstoßes: Die verheerenden Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar werfen ein schiefes Licht auf die WM-Vergabe an das kleine Emirat.

© APA/STR

WM 2022
11/23/2013

Blatter schiebt die Schuld von sich

Der FIFA-Boss ortet bei der WM-Vergabe an Katar Druck aus Deutschland und Frankreich.

Es ist nichts Ungewöhnliches. Immer dann, wenn Joseph Blatter unter Druck gerät, geht er selbst in Offensive. Dieses Spiel wiederholt sich nun in der Causa rund um die umstrittene WM-Vergabe an Katar.

Der FIFA-Boss unterstellte am Freitag Deutschland und Frankreich politische Einflussnahme aus wirtschaftlichem Interesse. „Es war politischer Druck aus europäischen Ländern, die WM nach Katar zu bringen“, sagte Blatter nach einer Audienz bei Papst Franziskus.

„Zwei der Länder, die Druck auf die Wahlmänner in der FIFA gemacht haben, waren Frankreich und Deutschland. Das ist bekannt“, betonte der 77-jährige Schweizer.

Angesichts der bekannt gewordenen Missstände auf den WM-Baustellen verlangte er aus beiden Ländern Äußerungen von höchster politischer Stelle. „Sie sollen erklären, was sie von der Situation halten. Es ist leicht zu sagen, alle Verantwortung liegt bei der FIFA – nein, nein“, sagte Blatter.

Kritik

Der Schweizer unterstützt die Entschließung des EU-Parlaments vom Donnerstag zu den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für das WM-Turnier 2022. „Wir missbilligen, was dort passiert ist“, betonte Blatter. Die Baufirmen, die aus Europa stammten, seien jedoch auch für ihre Arbeiter verantwortlich, fügte er hinzu.

Die Regierung des Golf-Emirates wies die Entschließung des EU-Parlaments als voreilig zurück. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, man sei zu einem Dialog mit dem Parlament bereit. Die Europa-Abgeordneten hatten Katar zur Vermeidung von Zwangsarbeit und Sklaverei aufgefordert.

Angedacht sei, im Frühjahr 2014 eine Delegation zu entsenden, teilte die deutsche Grüne-Politikerin Barbara Lochbihler, die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im EU-Parlament, mit. Man plane eine Anhörung zu Katar. Daran teilnehmen sollen Vertreter des Fußball-Weltverbandes (FIFA), der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Katars Regierung nimmt die Anschuldigungen sehr ernst“, betonte der Außenministeriumssprecher. Generell seien die Vorwürfe aber übertrieben. Man habe eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben, die von der internationalen Anwaltskanzlei DLA Piper durchgeführt werden solle. Das Vorhaben genieße höchste Priorität.

Die FIFA solle nach Ansicht der Europa-Abgeordneten dem Golfstaat „eine klare und unmissverständliche Botschaft“ schicken, damit die WM-Vorbereitungen von derartigen Vorwürfen überschattet würden. Katar solle insbesondere keine Wanderarbeiter mehr inhaftieren, die von ihren Dienstherren geflüchtet seien.

Programm

Die FIFA müsse die Vergabe von WM-Austragungsorten künftig an Kriterien knüpfen, die sich an UN-Menschenrechtskonventionen orientieren, forderte Lochbihler. „Es freut mich sehr, dass deren Präsident Blatter die menschenrechtlichen Probleme in Katar nun auch öffentlich anerkennt.“

Nun gelte es, ganz konkret auf Veränderung zu drängen. „Mit klaren Forderungen an Katar und mit der Option, bei mangelnder Umsetzung durch die katarische Regierung die nötigen Konsequenzen ziehen zu können“, fügte Lochbihler hinzu.

Der Europäischen Volkspartei warf sie vor, die Resolution verwässert zu haben. Nicht gefordert worden sei auf Drängen der Konservativen die Abschaffung einer Klausel, wonach jeder Migrant einen katarischen Sponsor benötige, um arbeiten zu dürfen. Das Kafala-System führe zu Arbeitssituationen, die Zwangsarbeit ähnlich sei.