Euro 2020 - Austria Training

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Sport Fußball
06/06/2021

Winheims Tagebuch: Die vielen Rollen des Austria-Aktionärs Alaba

Schon seit Jahren wird auf der VIP-Tribüne in Madrid vom Österreicher geschwärmt.

von Wolfgang Winheim

Schon im Mai 2012 hatte sich der damalige Real-Madrid-Trainer José Mourinho beim damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes erkundigt, was denn dieser David Alaba koste. Die aktuelle Antwort glaubt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zu wissen: 22,5 Millionen brutto jährlich.

Seit fünf Jahren war der nunmehr von Real mit einem Fünfjahresvertrag geadelte Alaba stets am Radar der Madrilenen. Weiß Peter Huber, ein vom ehemaligen Landesliga-Tormann und Trainingsgast bei Ernst Happel zum Top-Diplomaten gewordener Tiroler.

Huber, heute Österreichs höchster diplomatischer Vertreter in Berlin, war Botschafter in Madrid. Und mit Reals Ex-Schützenkönig und späterem Vizepräsidenten Emilio Butragueño im gedanklichen Austausch. Immer wieder, erinnert sich Huber, schwärmte man auf der Ehrentribüne des Bernabéu-Stadions von Alaba. Und davon, dass er in verschiedenen Rollen einsetzbar bzw. Weltklasse sei. Als linker Verteidiger, in der zentralen Abwehr und – auch auf Davids Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld.

Im vermeintlichen Fußball-Wunderland Österreich legt man strengere Maßstäbe an. Geschätzte 80 Prozent der gefühlt acht Millionen Teamchefs attestieren Alaba nur als linkem Verteidiger internationale Klasse. Obwohl ihn Bayerns Meistermacher und künftiger DFB-Bundestrainer Hansi Flick das „Herz der Mannschaft“ nannte, obwohl Alaba kürzlich unter Flick im Mittelfeld beim Sieg gegen Leverkusen laut Bild-Zeitung „Bester Mann auf dem Feld“ war und auch Zinédine Zidane den Österreicher wegen dessen Vielseitigkeit schätzt. Nur wird Zidane bei Real durch den Italiener (und einstigen Roma-Jungkollegen von Herbert Prohaska) Carlo Ancelotti ersetzt. Und Letzterer hat als Bayern-Trainer (2016 – 2017) Alaba stets links hinten aufgestellt.

Wer einmal an der Outlinie stehend ein Training beobachten durfte und selbst ein bissel gekickt hat, den beeindruckt, wie auch die schärfsten Passbälle (deren Tempo die TV-Kamera nie wirklich wiedergeben kann) am Adressaten Alaba kleben bleiben. Gleichgültig, ob an dessen (stärkerem) linken oder rechten Fuß. Ehe Alaba jedoch ein spektakuläres Dribbling im Duell eins gegen eins riskiert, macht er einen Sicherheitspass. Und das wirkt halt eher fad.

Liebling oder Sündenbock

Die Frage, in welcher Rolle Franco Foda den 28-Jährigen einsetzen darf und soll, wird während der EM nie verstummen. Sollte sich das ÖFB-Team nicht steigern, wird der zehnfache deutsche Meister Alaba Sündenbock sein. Zumal den, der das meiste Geld und die meisten Kluberfolge vorzuweisen hat, nach Länderspielpleiten die meiste Kritik erwartet.

Auch wenn Bayern-Chef Rummenigge aus Frust über Alabas Abgang mit der vorwurfsvollen Enthüllung der Gagen um ein paar Milliönchen übertrieben haben mag – 50-mal so viel wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der Freitag das Team empfing, wird Alaba schon verdienen.

Doch ehrlich: Wer verweigert schon so obszön hohe Summen, wenn sie einem angeboten werden? Zudem hat der tiefgläubige Alaba – wie einige Bayern-Spezis – viel Geld für karitative Zwecke gespendet.

Auch die Nachricht, wonach die Ex-Austria-Nachwuchsspieler Alaba und Aleksandar Dragovic um 500.000 bzw. 250.000 Euro still und leise Aktien der arg verschuldeten Wiener Austria erworben haben, lässt sich als Hilfe für Hilfsbedürftige interpretieren.

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