Sport | Fußball
09.03.2013

Wie ein Dealer aus Russland in Chile Profi wird

Nach einem Gefängnisaufenthalt erhält Maxim Molokojedow auf dem Rasen eine zweite Chance.

Die Geschichte von Maxim Molokojedow ist wahr, auch wenn sie nicht so klingt: Ein Mann kommt in einem fremden Land nach Jahren aus dem Gefängnis und startet dort eine Karriere als Profifußballer. So geschehen in Chile, wo den früheren russischen Drogenschmuggler der Weg in die Freiheit direkt in einen Fußballklub führte.

„Ich bleibe in Chile, weil ich einen Einjahresvertrag mit Santiago Morning habe. Ich werde mit großer Lust spielen, hoffentlich schafft die Mannschaft es, in die erste Liga aufzusteigen“, sagte der junge Mann, kaum dass er die Gefängnismauern hinter sich gelassen hatte.

Molokojedow war 2010 mit sechs Kilo Kokain im Flughafen von Santiago de Chile festgenommen und zu drei Jahren und einem Tag Gefängnis verurteilt worden. Vom Überlebenskampf zwischen Kriminellen ging es für ihn nun in eine sportliche Zukunft, nachdem er von dem früheren chilenischen Nationalspieler Frank Lobos entdeckt worden war. Lobos, einst ein begnadeter Mittelfeldspieler beim Club Colo Colo, erkannte Molokojedows Talent 2011 während eines Besuchs im Gefängnis im Rahmen eines Sportprogramms für die Häftlinge.

„Es ist das erste Mal, dass ich durch die Stadt fahre“, sagte der 25-jährige Russe, als er das Training bei den „Bohemiens“ von Santiago Morning aufnahm. Die Freude und auch die TV-Kameras, die seine Geschichte auf sich zog, waren für Molokojedow zuletzt im Gefängnis ein Problem. Es gab Neid und Drohungen anderer Gefangener. Daher verlegte ihn die Gefängnispolizei zu 20 sportbegeisterten Häftlingen.

Neue Heimat

Molokojedow, der nach Chile gekommen war, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen, wartete zwischen mit Jesus-Konterfeis bemalten Wänden auf seine Freilassung. Zu dem Akt kam sogar der stellvertretende Justizminister Juan Piña. „Ich möchte nur Fußball spielen“, sagte er, als er vor einer Woche das Gefängnis verlassen konnte. Seine Haftstrafe war um fünf Monate verkürzt worden.

In seine russische Heimat zurückkehren möchte Molokojedow nicht. „Ich spreche jeden Tag mit meiner Familie über Skype, aber ich möchte nicht heimkehren. Ich spiele gerne Fußball, das motiviert mich. Jetzt habe ich die echte Chance, das hier zu tun, und deshalb möchte ich in Chile bleiben.“