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Fußball
04/24/2019

Wacker und Grumser: Ein großes Missverständnis

Trainerdefekt statt Trainereffekt: Der Wechsel zum 39-Jährigen wird für Wacker im Abstiegskampf immer mehr zum Bumerang.

von Christoph Geiler

Wenn die Spieler von Wacker Innsbruck wirklich beherzigen, was ihr Trainer und Sportdirektor seit Wochen predigen, dann müssten sie sich inzwischen längst alle in den Armen liegen und nur mehr innig kuscheln. "Wir müssen noch enger zusammenrücken", fordern Thomas Grumser und Alfred Hörtnagl gebetsmühlenartig nach jedem Match, in dem die Innsbrucker Mannschaft gerade wieder in all ihre Bestandteile zerfallen ist. Und natürlich waren diese Durchhalteparolen im Tivolistadion auch nach der 0:4-Heimpleite gegen Altach zu vernehmen.

Für manche Innsbrucker Spieler muss diese Aufforderung der sportlichen Führung nach mehr Zusammenhalt wie ein blanker Hohn klingen. Denn es gibt genug Kicker im Kader des Aufsteigers, von denen Trainer Grumser augenscheinlich entrückt ist. Matthias Maak, unter Karl Daxbacher noch unumstrittener Abwehrchef, spielt unter dem neuen Coach genauso keine Rolle mehr wie Martin Harrer, der mit vier Saisontoren der zweitbeste Innsbrucker Scorer ist.

Auch andere erfahrene Spieler wie Ilkay Durmus oder Stefan Rakowitz stehen im Abseits. Und weil Grumser gegen Altach auch Topscorer Zlatko Dedic auf die Bank setzte, standen zu Beginn elf Spieler auf dem Platz, die in der laufenden Saison noch kein Tor erzielt hatten. Als ob Wacker Innsbruck mit dem Abstiegskampf nicht schon genug Troubles hat, schaffte sich der Nachfolger von Karl Daxbacher mit seinen Personalentscheidungen zusätzliche Probleme.

Zumal sich der Erfolg nicht und nicht einstellen will. Das Zwischenfazit nach sieben Runden mit Thomas Grumser fällt desaströs aus: Ein Sieg steht sechs Niederlagen gegenüber, in denen die Innsbrucker 16 Gegentreffer erhalten haben. Und wenn man sich die Partien gegen Rapid, die Admira oder Salzburg in Erinnerung ruft, dann hätten es noch deutlich mehr Gegentore sein können.

Nach Karl Daxbacher, der rasch eingesehen hatte, dass eine defensivere Grundausrichtung mit diesem limitierten Kader noch am ehesten zum Erfolg führen kann, will Nachfolger Thomas Grumser der Mannschaft einen komplett anderen Spielstil verordnen. Mit aller Gewalt, koste es, was es wolle. Dass ihm die passenden Spieler fehlen, um "höher verteidigen" zu können, hat der Coach in seinem Eifer offenbar übersehen. Dass durch die neue Ausrichtung und die ständigen personellen Rochaden - Grumser setzte in den sieben Partien 22 Feldspieler ein - die Ordnung komplett verloren ging und Wacker sich vorne wie hinten nun phasenweise bereits wie ein künftiger Zweitligist präsentiert, ist hingegen augenscheinlich.

Darüber können auch die ersten 45 Minuten gegen Altach nicht hinweg täuschen, die für Mittelfeldmann Brian Henning sogar "die beste Halbzeit in dieser Saison" war. " Ich glaube, dass wir, wenn wir so Auftreten, wie in der ersten Halbzeit, das Glück auch erzwingen können", betonte Trainer Grumser nach dem Match im Sky-Interview. Wenn sich die Innsbrucker aber so präsentieren wie zwischen Minute 63 und 75, dann dürfte der Abstieg besiegelt sein. Ein vermeidbares Gegentor reichte, um Wacker völlig aus der Bahn zu werfen. Innerhalb von zwölf Minuten kassierten die Innsbrucker vier Treffer, "weil wir komplett kopflos agieren", wie Kapitän Roman Kerschbaum zugeben musste.

Im Kampf um den Klassenerhalt stützt man sich beim Schlusslicht vor allem auf eines: Dass es mit Hartberg (2:4 gegen Rapid) eine Mannschaft gibt, die, zumindest was die jüngsten Ergebnisse betrifft, noch schlechter drauf ist, als die Innsbrucker. Am Samstag in einer Woche kommen die Steirer zum wahrscheinlich richtungsweisenden Kellerderby ins Tivolistadion.

Alle Innsbrucker Hoffnung auf dieses Spiel zu setzen ist freilich ein Spiel mit dem Feuer. "Wir machen jetzt eines sicher nicht: Dass wir total die Ruhe verlieren und die Nerven wegschmeißen", meinte Alfred Hörtnagl nach dem 0:4 gegen Altach. Viel anderes bleibt ihm freilich auch nicht übrig. Mit dem Trainerwechsel von Daxbacher zu Grumser, den er zur Überraschung vieler gleich mit einen Zweieinhalb-Jahres-Vertrag ausstattete, hat er seinen letzten Trumpf im Abstiegskampf schon ausgespielt.

Wobei sich immer mehr abzeichnet, dass der Sportdirektor bei der Wahl des Trainers nach dem Flop Maurizio Jacobacci nun mit Grumser zum zweiten Mal auf die falsche Karte gesetzt hat.

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