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Bundesliga
10/26/2013

Wacker Innsbruck machte es WAC leicht

Nach der 1:2-Heimniederlage wird die Arbeit von Innsbruck-Coach Kirchler in Frage gestellt.

von Christoph Geiler

Irgendwann über den Sommer wurde in Innsbruck die Abwehrarbeit eingestellt. Warum auch das Heil in der Defensive suchen, wenn der Chefcoach den Fans Unterhaltung bieten will? Wieso die Abwehrkräfte stärken, wenn der Angriffsfußball oberstes Gebot ist? Zumindest das darf sich Roland Kirchler auf seine Trainerfahnen heften: Fade Nullnummern hat der FC Wacker unter ihm praktisch nicht mehr im Repertoire. Die Null, so scheint es, die ist dem ehemaligen Offensivmann Kirchler, nichtig. Diese durchaus mutige, aber grundlegend naive Strategie hat nur einen Haken: Es sind fast immer die Gegner, die am Ende mehr Tore schießen, als die Innsbrucker.

Das war auch diesmal beim Gastspiel der Wolfsberger im Tivolistadion nicht anders. Die Kärntner prolongierten mit dem 2:1-Auswärtssieg eine verheerende Innsbrucker Negativserie, die das eigentliche Dilemma der Kirchler-Elf offenbart. In den vergangenen 19 Ligaspielen hat der FC Wacker noch immer zumindest einen Gegentreffer kassiert. Meist, wie auch gegen den WAC, waren es sogar mehrere.

Dabei durften bzw. mussten die Tiroler auch diesmal wieder die Assistpunkte für sich verbuchen. Denn es waren die Innsbrucker Abwehrspieler, die mit haarsträubenden Aktionen und Fehlern den Gegner regelrecht zum Toreschießen einluden. Das erste Blackout leistete sich Bergmann bereits nach einer Minute, nachdem er den Ball leichtfertig verstolpert hatte, brauchte Topcagic die Kugel nur mehr an Innsbruck-Goalie Schober vorbei schieben – 0:1 (2.). Beim 0:2 leistete sich gleich die gesamte Hintermannschaft einen verhängnisvollen Sekundenschlaf: Nach einer Flanke von Standfest durfte der nicht wirklich als Kopfballungeheuer bekannte Kerhe den Ball unbedrängt mit der Stirn ins Tor bugsieren – 0:2 (36.).

Nach der x-ten desolaten Performance in Folge pfiffen die Besucher auf den VIP-Plätzen gnadenlos auf die gezeigte Leistung der Innsbrucker, und die hartgesottenen Wacker-Fans auf der Nordtribüne forderten überhaupt gleich lautstark: „Zeigt uns eure grünschwarzen Herzen.“

Doch mehr als der Anschlusstreffer durch einen Volley von Wallner (68.) sollte den Tirolern nicht mehr gelingen.

Dabei waren die Kärntner diesmal keineswegs übermächtig, im Gegenteil: eine solide Leistung genügte den Gästen, um die Erfolgsserie in der Ära Didi Kühbauer fortzusetzen. Ja, es sollte sich nicht einmal rächen, dass die Wolfsberger im Finish mit ihren Konterchancen äußerst fahrlässig und ungeschickt umgingen. Kerhe rettete in der Schlussminute bei einem Hinterseer-Schuss auf der Linie – damit ist Wolfsberg unter dem Neo-Coach Kühbauer in sechs Ligaspielen noch ungeschlagen.

Bei den Innsbruckern, die in dieser Saison daheim immer noch dem ersten Sieg hinterher laufen und seit der zweiten Runde (2:1 in der Südstadt) nicht mehr gewonnen haben, hängt derweil der Haussegen schiefer denn je. Und erstmals wird auch die Arbeit von Roland Kirchler hinterfragt. Der Mann, der in der Vorsaison die Innsbrucker aus aussichtsloser Lage noch zum Liga-Erhalt geführt hatte, und als Messias gefeiert wurde, hat seinen Zauber längst verloren. „Siller, Vucur, Jaio, Milosevic, diese Spieler hat alle er geholt. Das ist eindeutig die Mannschaft von Roland Kirchler. Er muss jetzt sagen, was los ist“, meinte ein Vorstandsmitglied nach der neuerlichen Pleite.

Wacker Innsbruck - WAC 1:2

Innsbruck, Tivoli Stadion Tirol, 4.921, SR Schörgenhofer

Tore:
0:1 ( 2.) Topcagic
0:2 (36.) Kerhe
1:2 (68.) Wallner

Innsbruck: Schober - Bergmann, Siller, Vucur, Hauser - Piesinger (46. Brauneis) - Schütz, Hinterseer, Löffler (63. Jevtic), Kuen (85. Abraham) - Wallner

WAC: Dobnik - Standfest, Sollbauer, Rnic, Suppan (86. Gotal) - Polverino - Kerhe, Liendl, De Paula (72. Hüttenbrenner), Baldauf - Topcagic (67. Falk)

Gelbe Karten: Hinterseer, Kuen bzw. Polverino

Tabelle

Schön langsam geht mir der Schmäh aus

Roland Kirchler (Innsbruck-Trainer auf "Sky"): "Da frage ich mich, warum ich eine Spielerbesprechung mache. Ich kann die Mannschaft aufstellen, wie ich will. Schön langsam geht mir der Schmäh aus. Ich bin aber nicht sauer, weil ich gesehen habe, mit welchem Herz die Mannschaft in der zweiten Hälfte gespielt hat."

Manuel Kehre (WAC-Torschütze auf "Sky"): "Seit dem Sieg gegen die Admira funktioniert es. Kühbauer (Trainer, Anm.) hat nichts verändert, er hat appelliert an unsere Mentalität, dass wir wieder Gas geben. Dass wir 100 Prozent geben, was wir nicht immer gemacht haben, so wies ausschaut."

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