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29.11.2018

Vor Salzburg - Leipzig: Warum Gijón keine Option sein darf

Europa League: Ein Nicht-Angriffspakt zwischen Salzburg und Leipzig würde mehr zerstören als den Klubs helfen.

Gijón 1982 – kein anderes Fußballspiel zwischen Österreich und Deutschland sorgte für so große Aufregung wie das Gruppenspiel bei der WM in Spanien. Die Deutschen siegten nach einem Nicht-Angriffspakt, der weltweit für Empörung sorgte. Das 1:0 brachte beide Teams in die Zwischenrunde, Algerien musste heimreisen.

Heute kommt es in der Europa League neuerlich zu einem Duell Österreich gegen Deutschland. Red Bull Salzburg empfängt RB Leipzig im zweiten Gruppenspiel jener Klubs, die es in dieser Form nur gibt, weil ein Getränkekonzern sein Geld in den Fußball investiert (18.55 Uhr, live Puls4, RTL Nitro, DAZN).

Fußball-Fieber: Salzburg empfängt Leipzig

Die Konstellation in Gruppe B bringt es nun mit sich, dass ein Ergebnis wie vor 36 Jahren Salzburg weniger schaden als Leipzig weiterhelfen würde. Wegen der gemeinsamen Vergangenheit der Klubs wird über eine Ergebnis-Absprache spekuliert. Das wird von den Verantwortlichen aber natürlich ins Reich der Fabeln verwiesen.

Besonders Salzburg kann sich eine Wiederholung von Gijón aber gar nicht leisten – aus vielen Gründen:

Die Ausgangslage: Ein Remis reicht Österreichs Meister auf jeden Fall zum Weiterkommen und für den Gruppensieg. Die Reise nach Glasgow zu Celtic in zwei Wochen wäre dann also nur noch ein netter Betriebsausflug in der Adventzeit. Geht die Partie gegen Leipzig hingegen verloren, ist das anders, sofern Celtic das Parallelspiel in Trondheim gewinnen sollte. Bei einem 0:1 könnte sich Salzburg im letzten Gruppenspiel zwar eine Niederlage mit zwei Toren Differenz leisten, aber fällt diese heute gegen RBL höher aus, dann würde das Spiel im gefürchteten Celtic Park fix zur Zitterpartie, die sich die Salzburger sicherlich ersparen wollen - das alles natürlich unter der Voraussetzung, dass Leipzig am 13. Dezember mit einem Heimsieg gegen Rosenborg den Aufstieg fixiert.

Die Reputation: Das Projekt Red Bull wird nicht nur in Österreich kritisch beäugt – seit dem Einstieg des Getränkekonzerns in den Fußball vor mittlerweile mehr als 13 Jahren. Sollte das heutige Spiel nicht sportlich korrekt ablaufen, würde das nur den Kritikern Recht geben. Beide Klubs können es sich nicht leisten, aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Die Rivalität: Wie es in einer Familie halt so ist, ist auch im Red-Bull-Fußballkonzern nicht immer alles eitel Wonne. Eine Rivalität war immer da – und das nicht nur, wenn es um die Vergabe der Red-Bull-Gelder ging. Die sportliche Rivalität zeigte sich auch beim Hinspiel: Selten hat ein Salzburger Team so überschwänglich gejubelt wie nach dem späten Tor zum 3:2 in Leipzig.

Das Geld: Seit Red Bull nur noch Sponsor ist, sind die Salzburger auch auf andere Einnahmequellen angewiesen – wie etwa die Prämien im Europacup. Ein Sieg gegen Leipzig bringt 570.000 Euro, ein Remis 190.000 Euro, der Aufstieg 500.000 Euro und der Gruppensieg eine Million Euro. Deutlich mehr als zwei Millionen Euro würde ein Erfolg gegen den deutschen Red-Bull-Klub also bringen.

Die UEFA: Erst nach einer intensiven Prüfung durch den Bewerbsveranstalter wurde 2017 die gleichzeitige Teilnahme der beiden Red-Bull-Klubs am Europacup erlaubt. Allerdings stehen beide Klubs weiterhin unter Beobachtung der strengen Wettbewerbshüter, die sich wohl auch das heutige Spiel ganz genau anschauen werden.

Das Länderranking: Weil sich Ajax Amsterdam für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert hat, hat Österreich den wichtigen elften Platz wieder an die Niederlande verloren. Dieser garantiert einen Champions-League-Fixplatz, sofern sich der Titelverteidiger über die nationale Liga ebenfalls qualifiziert. Salzburg sollte also im Eigeninteresse punkten, um die Chance auf einen fixen Champions-League-Gruppenplatz für das Jahr 2020 zu wahren.

Die Fans: Erstmals in dieser Saison ist die Red-Bull-Arena ausverkauft. Aber die 29.520 Zuschauer wollen sicher kein abgekartetes Spiel sehen. Salzburg hat mit starken Leistungen in den letzten Monaten wieder viele Zuschauer zurückgewonnen. Und diese würde die Mannschaft wohl wieder vergraulen, sollte sie nicht mit vollem Einsatz in das heutige Prestigeduell gehen.

Die Serien: In allen Bewerben daheim seit zwei Jahren ungeschlagen, 15 Europacup-Partien in der Red-Bull-Arena unbesiegt und in dieser Saison noch keines von immerhin 26 Pflichtspielen verloren – Salzburg kann stolz sein auf seine Erfolgsserien, die man wohl nicht mit einer Niederlage gerade gegen Leipzig beenden will.