Sport | Fußball
28.11.2018

Vor Salzburg - Leipzig: „Das hat für mich Derby-Charakter“

Der 36-jährige Ex-Teamspieler Roman Wallner wechselte 2012 als erster Fußballer von Salzburg zu Leipzig.

Roman Wallner kann’s einfach nicht lassen. 36 Jahre ist der Stürmer mittlerweile alt, den Torriecher hat der frühere Teamspieler auch beim SV Grödig in der Regionalliga West nicht verloren. Und schon gar nicht den Spaß am Fußball. Wallner, der Unersättliche, blickt mittlerweile auf eine an Ereignissen, Höhen und Tiefen reiche Karriere zurück.

Wenn am Donnerstag (18.55 Uhr/live Puls4, DAZN) Red Bull Salzburg in der Europa League RB Leipzig zum brisanten Duell in die Bullen-Arena bittet, dann steht auch Roman Wallner wieder ein wenig im Mittelpunkt, weil ihm in der Geschichte der beiden Vereine ein Kapitel gewidmet ist – als erster Kicker, der für beide Klubs gespielt hat.

KURIER: Herr Wallner, können Sie sich dieses Spieler ihrer Ex-Arbeitgeber entgehen lassen?

Roman Wallner: Ich habe schon vor, mir das Spiel im Stadion anzusehen. Ich wohne ja in Salzburg-Rif, habe nicht allzu weit und bin daher ab und zu bei den Heimspielen von Salzburg. Ich war auch schon im Frühjahr beim Europacup-Hit gegen Dortmund und in dieser Saison gegen Trondheim.

Sie sind der Experte schlechthin für das Spiel. Wer gewinnt?

Das Match hat für mich fast Derby-Charakter, weil beide Teams unbedingt zeigen wollen, dass sie besser als der andere sind. Daher gibt es für mich fast keinen Favoriten. Vielleicht hat Salzburg einen kleinen Vorteil, weil sie daheim spielen und schon seit längerer Zeit sehr gut in Form sind. Aber auch Leipzig ist wieder gut drauf. Es wird auf alle Fälle besonders spannend.

Haben Sie noch Kontakt zu Spielern beider Lager?

Um ehrlich zu sein, wenig. In Salzburg mit Christoph Leitgeb, in Leipzig mit dem Österreicher Niklas Hoheneder, mit dem ich damals gespielt habe und der noch in der Stadt lebt. Alle anderen vom damaligen Team sind mittlerweile weggegangen wie Kaiser oder Coltorti, mit denen ich noch gespielt habe. Ein oder zwei Physiotherapeuten sind noch da, vielleicht gibt es am Donnerstag ein Wiedersehen.

Erzählen Sie ein wenig von Ihrer Leipziger Zeit.

Ich bin im Jänner 2012 nach Leipzig gewechselt, Coach Peter Pacult wollte mich unbedingt. Ich habe

es als Chance gesehen, in Deutschland Fuß zu fassen, was mir davor in Hannover ja nicht gelungen war. Ich wollte weiter rauf mit Leipzig.

Und plötzlich war der Doppelpass im Sommer 2012 wieder zu Ende. Warum?

In Leipzig gab es mit Ralf Rangnick einen Umbruch, es kamen neue Leute, neue Vorstellungen, dabei hatten manche eben keinen Platz mehr. Und so war ich nur ein halbes Jahr in Leipzig, wobei ich sehr gerne länger geblieben wäre, da es mir dort

extrem getaugt hat.

War damals schon ersichtlich, dass der Leipziger Weg so weit hinauf führen würde?

Die Entwicklung der letzten Jahre ist schon beeindruckend. Im Prinzip ist alles so gelaufen, wie es sich die Verantwortlichen vorgestellt haben. Für mich war es nur eine Frage der Zeit, da ja die Mittel vorhanden waren. Auch die Stadt hat das Fußball-Projekt aufgewertet mit dem neuen Stadion und einigen Immobilien. Die Leute wollten wieder Profi-Fußball in Leipzig sehen. In meiner Erinnerung waren 80 Prozent dafür und froh über RB Leipzig. Abgesehen davon hatten die Leipziger damals die Österreicher sehr gerne.

Und wie beurteilen Sie die Entwicklung von Red Bull Salzburg?

Es ist viel Kontinuität in den Verein gekommen, auch mit Christoph Freund. Die Spieler werden in Salzburg besser, sodass man sie teuer verkaufen konnte. Auch andere Vereine in Österreich profitieren davon. In Österreich ist Salzburg das Maß aller Dinge, wird wahrscheinlich auch auf Jahre die Nummer eins bleiben, weil einfach immer wieder viele gute Spieler nachkommen.

Sie sind mit Grödig in der Winterpause. Ist Ihnen langweilig?

Ganz im Gegenteil, ich nütze die Zeit,um mich als A-Lizenz-Trainer weiterzubilden. So war ich zuletzt bei Markus Schopp in Hartberg hospitieren und habe gesehen, wie gut er arbeitet. Zudem trainiere ich im Rahmen eines Schulsport-Systems 15- und 16-Jährige jeden Dienstag und Donnerstag. Aber die Situation ist doch etwas neu für mich, weil die Liga seit Mitte November pausiert und erst Ende März weitergeht. In der Zwischenzeit geht sich ja ein Kreuzbandriss aus (lacht).