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Sport Fußball
01/19/2020

Vor Duell mit Bayern: Klinsmann zwischen Sein und Schein

Der Ex-Teamchef darf gegen seinen Ex-Klub Bayern auf die Hertha-Bank. Zuletzt gab es Fragezeichen um die Lizenz.

von Günther Pavlovics

Jürgen Klinsmann ist am 27. November vom Aufsichtsrat zum Trainer von Hertha BSC aufgestiegen. Klinsmann filmte bei seinem Debüt die Stimmung der Fans auf den Rängen. Auf der Hülle seines Handys war das Logo eines deutschen Sportausrüsters zu erkennen, der mit dem US-Ausrüster seines Berliner Klubs verfeindet ist. Die Hülle war ein Geschenk seiner Ehefrau Debbie.

Dem Handywirbel folgte der Trainerscheintrubel. Bild berichtete am Mittwoch, dass Klinsmanns Trainerlizenz formell seit 2013 abgelaufen ist und ihm bis zu 60 Stunden Fortbildungen für die Erneuerung fehlen. Der 55-Jährige war von 2004 bis 2006 Teamchef in Deutschland und von 2011 bis 2016 in den USA, zudem trainierte der Schwabe auch die Bayern. Aber er braucht eine gültige Trainerlizenz inklusive Fortbildungen. „Die liegt in meinem Häuschen in Kalifornien in irgendeiner Schublade“, sagte er. Diesmal war Ehefrau Debbie aber nicht zur Stelle, um die Unterlagen zu suchen.

Suche in Kalifornien

Es wurde ein Bekannter zum Haus geschickt, um dort Papiere zu fotografieren und weiterzuleiten. Zudem wurden Unterlagen vom US-Verband angefordert. Am Samstag wurden von Verband und Liga die Unterlagen als „Fortbildungen in erforderlichem Umfang anerkannt“.

Am Sonntag sitzt er also rechtens auf der Hertha-Bank – gegen die Bayern. Ein großes Hallo wird es vermutlich nicht geben. Die Verbindung zwischen Stürmer Klinsmann und den Bayern verlief 1995 bis 1997 friktionsfrei. Die zweite Liaison, die als Trainer, endete im April 2009 nach nur zehn Monaten – als großes Missverständnis. Auf seiner ersten Station als Vereinstrainer wollte Klinsmann seinem Ruf als Reformer gerecht werden. Bayern sollte flexibler und offensiver spielen.

Er ordnete eine Abwehr neu, die in der Saison zuvor die beste in der Liga war, und sorgte mit seinen Rochaden für Verunsicherung und Irritationen. Da stellte er Innenverteidiger Martin Demichelis ohne Not ins Mittelfeld. Mark van Bommel beförderte er erst zum Kapitän, dann auf die Bank. Es folgten eine Herbstkrise, viele Gespräche mit den Chefs – und schließlich eine Abkehr von der ganz großen Reform.

Das Resultat war aber ein kurzes Hoch, in dem, so wurde kolportiert, noch immer sichtbare taktische Defizite innerhalb der Mannschaft korrigiert wurden. Einen Tag nach einer Niederlage gegen Schalke war sein Engagement in München beendet – und am 27. April folgte Jupp Heynckes, 64, als Trainer.

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