Gut überlegt: Peter Stöger übernimmt das Traineramt bei der Austria.

© GEPA pictures/GEPA pictures/ Christian Ort

Sport Fußball
07/31/2020

Violette Doppelrolle: Warum Stöger sein Trainercomeback gibt

Austria-Sportvorstand Peter Stöger ist nun auch neuer Trainer. Warum er eine logische Wahl ist, und mit welchen Problemen er zu kämpfen hat.

von Alexander Strecha

Die Trainer-Entscheidung bei der Wiener Austria ist gefallen. Man hat zwei Wochen lang gesucht und ist intern fündig geworden: Peter Stöger schlüpft in der kommenden Saison in eine Doppelrolle als Sportvorstand und Trainer. "Wir haben uns  in den letzten 14 Tagen intensiv den Kopf zerbrochen, wir haben viele lange und intensive Gespräche geführt, und uns ist dann immer klarer geworden, wie komplex und schwierig die aktuelle Situation ist."

Vor allem die angespannte finanzielle Situation. Stöger: "Deswegen habe ich mich entschieden, in dieser schwierigen Phase, diese Position für ein Jahr zu übernehmen." Er wird zwei Assistenten haben, einer dürfte Alexander Bade sein, als zweiter sind Gino Lettieri und Austria-Urgestein Andreas Ogris im Gespräch.

Stöger ist eine logische Lösung aus verschiedenen Gründen, wie auch Präsident Frank Hensel findet: "Ich bin froh, dass Peter Stöger als international erfahrener Trainer diese Funktion übernimmt und stehe mit voller Überzeugung hinter dieser Entscheidung und denke, dass diese Lösung mit Peter Stöger als sportlichem Leiter und Trainer die beste für den gesamten Verein ist."

FUSSBALL TIPICO BUNDESLIGA / GRUNDDURCHGANG: RED BULL SALZBURG - FK AUSTRIA WIEN

Seitenwechsel

Stöger wollte sich ohnehin in seinem zweiten Jahr als AG-Vorstand mehr um sein Kerngebiet – den Sport – kümmern. Das hat er auch bei der internen Saisonanalyse  ganz klar zum Ausdruck gebracht. In seinem ersten Jahr hatte er sich bekanntlich unerwartet viel um die wirtschaftlichen Belange kümmern müssen.

Die Trainerentscheidung fiel auch vor dem Hintergrund, dass a) die Austria finanziell extrem limitiert ist und b) im Laufe der kommenden Saison ein Investor aus Katar einsteigen könnte. Der würde dann ein Mitspracherecht im sportlichen Bereich einfordern, vielleicht sogar einen Trainer als "Einstandsgeschenk" mitbringen.

Die finanziell und organisatorisch einfachste Variante war somit Peter Stöger als Trainer, Harald Suchard soll zwar weiterhin vollinhaltlich die Young Violets betreuen, aber vermehrt als Bindeglied zur ersten Mannschaft fungieren. Er soll die größten Talente der im Frühjahr so erfolgreichen zweiten Mannschaft gezielter an den Kader der Kampfmannschaft heranführen.

Kleiner Spielraum

Der finanzielle Spielraum ist klein. Nach dem Abgang von Christian Ilzer und dessen Trainerteam wurden insgesamt fünf Posten frei. AG-Vorstand Markus Kraetschmer: "Die Planung für die kommende Saison beinhaltet die Möglichkeit, dass ein strategischer Partner im Laufe der Saison gewonnen werden kann. Das Budget per se hat mit dem Investor nichts zu tun." 

Aber es wirkte sich eben auf die Laufzeit des Trainervertrages aus, Stögers Kontrakt läuft bis Sommer 2021. Noch ein Vorteil: Kommt der Investor samt Trainer, könnte Stöger – theoretisch – problemlos auf seine angestammte Position zurückkehren.

Große Probleme

Wäre die Austria mit dem Einstieg eines strategischen Partners alle finanziellen Sorgen los? Markus Kraetschmer bleibt auf der Bremse: "In der heiklen Phase mit Corona würde ich da vorsichtig sein. Man sieht ja bei Mattersburg und auch in Wattens mit Swarovski die Problematik. Auch unser Mitbewerber in Wien steht vor ähnlichen Problemen."

Aber mit einem potenten Investor ließen sich freilich die vorhandenen Pläne besser und vor allem schneller umsetzen. Kraetschmer hofft jedenfalls auf Besserung: "Ich bin überzeugt davon, dass Peter Stöger als Trainer und sportlicher Leiter nach englischem Modell eine sehr gute, wichtige und richtungsweisende Wahl ist."