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24.03.2012

Vastics brisantes Duell mit dem Ex

Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Sturm Graz hofft Austria-Trainer Ivica Vastic auf die Trendwende.

Die alte Liebe lässt Ivica Vastic weder rosten noch rasten. Ausgerechnet Sturm Graz ist am Samstag in der Generali-Arena zu Gast und könnte dafür sorgen, dass der Sessel des Austria-Trainers gehörig ins Wanken gerät. Denn liefert die Austria eine ähnlich schwache Leistung wie zuletzt gegen Wr. Neustadt und Mattersburg ab und holt zudem keinen Punkt, dann scheint ein Aufstand der Fans vorprogrammiert, die schon zuletzt ihrem Frust mit "Vastic raus"-Rufen freien Lauf ließen.

Nach dem 0:2 in Mattersburg gab es hinter den Kulissen eine Krisensitzung in der Führungsetage. Im Austria-Umfeld fällt immer wieder der Name Franco Foda als möglicher Trainer ab dem Sommer. Sportchef Thomas Parits hat dafür kein Verständnis: "Das kommentiere ich nicht."

Ebenso soll es eine Denkvariante mit Dietmar Constantini als bewährtem Feuerwehrmann geben, falls die nächsten Spiele gegen die starken Gegner Sturm, Salzburg, Ried und Rapid schiefgehen. Der Ex-Teamchef war schon in der Vergangenheit zwei Mal am Verteilerkreis eingesprungen. Und das mit Erfolg. Noch hat Vastic jedenfalls eine Schonfrist, an einem Plan B wird in Favoriten aber gebastelt.

Wiedergutmachung

Vastic selbst weiß, was gegen Sturm auf dem Spiel steht. "Wir haben bei den Fans einiges gutzumachen. Jetzt müssen wir endlich umsetzen, was wir unter der Woche besprechen." Zum Beispiel befreit aufspielen, sich etwas in der Offensive zutrauen, die Tor­abschlüsse suchen. Leichter gesagt als getan. Denn woher soll das Team das Selbstvertrauen nehmen? "In der Liga sieht man, dass es generell für jede Mannschaft schwierig ist, Chancen zu kreieren. Da geht es nicht nur uns so."

Einer, der gewöhnlich Chancen verwertet, muss unter Vastic weiterhin zuschauen: Roland Linz, der bisher in keinem Frühjahrsspiel im Kader stand. "Nach wie vor habe ich nicht das Gefühl, dass er sich im Training für mehr aufdrängt", sagt der Trainer. Zudem musste Linz zuletzt wegen einer Verletzung pausieren.

Abseits

Dennoch beschäftigt das Thema Linz den ganzen Verein. Zuerst unter Daxbacher, jetzt unter Vastic, der überzeugt ist: "Die Rufe nach ihm sind für mich nicht nachvollziehbar. Ich glaube nicht, dass er uns momentan helfen kann." Bei seiner Antritts-Pressekonferenz im Dezember klang das noch ganz anders: "Einen Torjäger wie den Roland Linz kann ein Team immer brauchen."

Parits, der den Torjäger einst verpflichtet hatte, ist mit dem Thema freilich alles andere als glücklich und übt sich in beide Seiten in Diplomatie. So besprach er am Donnerstag mit Linz-Manager Skender Fani die aktuelle Situation, ohne dabei aber seinem Trainer in den Rücken zu fallen.

Luxusproblem

Fakt ist aber auch, dass mit Linz ein hochbezahlter Profi auf der Tribüne hockt und sein nicht geringes Fixum einstreicht. Immerhin erspart sich die Austria dabei die Punkteprämien, die jedoch bei den letzten Resultaten ohnehin nicht ins Gewicht gefallen sind. Linz selbst denkt nicht daran, Wien zu verlassen ("Das ist meine Stadt") und wartet auf seine Chance. "Ich bin überzeugt, dass ich sie noch bekomme."

Fakt ist aber auch, dass die Trainingsleistungen von Roland Linz überschaubar waren, sind und wohl bleiben werden. Die Austria wird sich die Frage stellen müssen: Braucht sie Linz oder nicht? Die Rufe nach dem Torschützenkönig der vergangenen Saison wurden vielleicht auch deshalb so laut, weil Neuzugang Roman Kienast bisher nicht wie erhofft getroffen hat, zumal auch er unter den bescheidenen Offensivbemühungen des Mittelfelds leidet.

Der von Sturm gekommene Kienast trifft am Samstag auf seine Ex-Kollegen. "Natürlich ist das nicht ein Spiel wie jedes andere." Vor allem mit Imre Szabics hält er nach wie vor Kontakt, "wir telefonieren einmal die Woche." Nur am Samstag wird in den 90 Minuten Funkstille herrschen. Zu viel steht auf dem Spiel.

Ivica Vastic: Große Zeit bei Sturm Graz

Werdegang
Der gebürtige Kroate Ivica Vastic startete seine Karriere bei RNK Split, wechselte 1991 nach Österreich zur Vienna und spielte anschließend bei St. Pölten und Admira. Nach einem halben Jahr in Duisburg landete der heute 42-Jährige im Sommer 1994 bei Sturm in Graz, wo er seine beste Zeit erlebte. Mit den von Ivica Osim trainierten Grazern wurde der Stürmer 1998 und 1999 österreichischer Meister, drei Mal Cupsieger und zog in der Saison 2000/2001 in die zweite Gruppenphase der Champions League ein. Nach einem Jahr in Japan kam Vastic 2003 zur Austria (ein Cupsieg) und 2005 zum LASK, wo er 2009 seine aktive Laufbahn beendete.

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