Routinier: Marc Janko hat sich mittlerweile an die Vielfliegerei gewöhnt und weiß sich die Zeit zu vertreiben.

© APA/ROBERT JAEGER

Teamstürmer
10/13/2014

Marc Janko: "Mit der Kritik kann ich leben"

Während seine Kollegen im Prater spielten, saß er im Flieger nach Dubai.

von Alexander Strecha

Er sah richtig frisch aus der Adidas-Wäsch’. Dafür, dass er schon um 3 Uhr Nachts aufgestanden war. Absichtlich. "Weil ich mich schon an die Zeitverschiebung gewöhnen wollte." Marc Janko tickt seit gestern wieder nach der australischen Uhr. Um 15.30 Uhr hob er in Schwechat in Richtung Dubai ab, von dort ging es direkt nach Sydney. Reisezeit: 20 Stunden. Zunächst hätte er erst am Montag fliegen sollen, dann wurde aber ein Platz auf der Sonntags-Maschine frei. "Den Verein freut es, wenn ich früher da bin. " Am Wochenende soll er schon in der 2. Runde der Liga mit von der Partie sein.

Gestern musste er seinen Nationalteam-Kollegen im Flieger die Daumen drücken. "Leider kann ich mir das Länderspiel im Internet nicht ansehen. Erst in Dubai bin ich wieder online und kann mich informieren." Janko war gestern der große Abwesende beim EM-Qualifikations-Duell mit Montenegro im Wiener Prater. Janko war nach seiner Roten Karte, die er im Moldawien-Spiel gesehen hatte, gesperrt. "Es war eine Kurzschluss-Reaktion."

Gespaltene Geister

Der oft Kritisierte kann mittlerweile mit dem Gegenwind, der ihm oft entgegenbläst, gut umgehen. "Ich denke, dass immer noch 70 Prozent mir gegenüber positiv eingestellt sind. Das merke ich auf Facebook. Aber natürlich gibt es auch einige Hass-Tiraden. Mittlerweile kann ich mit der Kritik gut umgehen und leben." Spricht’s, wirkt dabei tiefenentspannt und zieht einen Vergleich mit einem der besten Sportler: "Michael Jordan war der beste Basketballer der Geschichte. Und auch bei ihm gab es immer wieder Leute, die etwas an ihm kritisierten. Wenn schon er es nicht allen recht machen konnte, wie soll mir das dann gelingen?" Viel wichtiger ist ihm ohnehin das Vertrauen von Teamchef Marcel Koller. "Weil sich bei den Fans die Stimmung recht schnell nach nur einem Spiel wieder drehen kann. Nach der Schweden-Partie meinten wieder viele, dass meine Zeit vorbei sei."

Die Reise-Strapazen haben ihm nichts an, worüber er selbst den Kopf schüttelt. "Als Kind war mir der Weg von Wien nach Linz im Auto viel zu lang. Dann ging ich nach Salzburg, später nach Holland und Portugal. Die Distanzen wurden immer größer. Und jetzt fliege ich 20 bis 23 Stunden und habe damit kein Problem."

Im Traumland

Auch deshalb nicht, weil ihn Sydney erwartet, für ihn mittlerweile "die schönste Stadt, die ich gesehen habe. Weil sie von allem etwas hat." Janko lebt nur drei Gehminuten von den Sehenswürdigkeiten Harbour Bridge und Opernhaus entfernt, kulinarisch genießt er das Viertel The Rocks mit seinen Backsteinbauten. "Wir haben auch einen Lieblings-Asiaten, der sensationellen Fisch zubereitet." Mit seinem Verein begibt er sich ab und zu auch an den berühmtesten Strand der Stadt, Bondi Beach. "Zur Regeneration gehen wir dort schwimmen." Allerdings nur an sicheren Strand-Abschnitten. "Vor Kurzem wurde ein Fußballer von einem Hai attackiert und verlor dabei ein Bein und einen Arm."

Vor seinem Abflug kehrte Janko gedanklich in seine Heimat zurück und bestellte im Airport-Café eine Sachertorte und eine Melange. "Diese beiden Dinge werde ich jetzt für die nächsten paar Wochen nicht haben." Vielleicht bis zum nächsten Spiel Mitte November gegen Russland, sofern er spielberechtigt ist.

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