Teamchef-Diskussion vor dem Schlusspfiff

Spiel auf Konter: Constantini ließ sich die Kritik seines Vorgesetzten nicht gefallen und schlug zurück.
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Der Vertrag von Dietmar Constantini wird wohl nicht verlängert. Er könnte sogar vorzeitig aufgelöst werden.

Das Band ist zerschnitten, die Gräben sind mittlerweile groß und tief. Es herrscht ein Zwist im Hause ÖFB, an der Spitze des Verbandes geht es rund.

Präsident Leo Windtner, derzeit in Kolumbien bei der U-20 verweilend, lieferte sich in den vergangenen Tagen einen verbalen Schlagabtausch mit seinem Teamchef Dietmar Constantini. Dessen Tage oder Wochen als oberster Fußball-Lehrer des Landes scheinen jedenfalls gezählt. Obwohl sie sich bei der Auslosung der WM-Qualifikation in Rio persönlich ausgetauscht hatten, fühlten sich Windtner wie Constantini bemüßigt, einander zusätzlich noch einiges über die Medien auszurichten.

Der eine, Windtner, empfiehlt dem anderen, Constantini, den Blick über den Tellerrand; der andere kontert auf die öffentlich getätigten Aussagen des einen mit dem Vorwurf des schlechten Stils. Eine heftige, wenngleich verständliche Kritik am unmittelbaren Vorgesetzten, die Folgen haben dürfte.

Bumerang

Man könnte meinen, den Teamchef ereile nun das Schicksal so mancher Spieler wie Ivanschitz, Garics, Ibertsberger oder Leitgeb, mit denen er in der Vergangenheit in ähnlicher Manier öffentlich Schlitten fuhr. Offiziell sagte Constantini: "Der Präsident kann sagen, was er denkt. Das muss ein Trainer akzeptieren."

Vor dem Länderspiel kommenden Mittwoch in Klagenfurt gegen die Slowakei herrscht dicke Luft im Verband. Leo Windtner, der sich selbst gerne in der Rolle des tatkräftigen Managers sieht, wird am Dienstag am Wörthersee erwartet. Um vielleicht die Wogen zu glätten? Am Abend wäre jedenfalls ausreichend Zeit für ein Vieraugengespräch.

Der Vertrag von Constantini als Teamchef läuft mit Jahresende aus. Eine Verlängerung ist mehr als unwahrscheinlich, der ÖFB befindet sich in einer Zwickmühle: Soll er den Teamchef bis zum Schluss gewähren lassen? Oder einem neuen Mann schon jetzt die Chance geben, in den ausständigen Länderspielen 2011 die Weichen für die WM-Qualifikation im kommenden Jahr zu stellen? Auch darüber soll die Aussprache vom Wörthersee eine Antwort bringen.

Der Schattenspieler

Spiel auf Konter: Constantini ließ sich die Kritik seines Vorgesetzten nicht gefallen und schlug zurück. Foto: apa Spiel auf Konter: Constantini ließ sich die Kritik seines Vorgesetzten nicht gefallen und schlug zurück.

Ursprünglich wollte sich Windtner mit Constantini nach den EM-Qualifikationsspielen gegen Deutschland und die Türkei an einen Tisch setzen und die Lage der Fußballnation besprechen. Dazu wird es vielleicht gar nicht mehr kommen.

Im Hintergrund gilt Sportdirektor Willi Ruttensteiner als Vertrauensperson für seinen oberösterreichischen Landsmann Windtner. Nach der Ablöse von Hans Krankl durfte er gemeinsam mit Andreas Herzog, derzeit U-21-Coach, bei zwei Matches im Oktober 2005 gegen England und Nordirland den Teamchef spielen. Kommt es gar zu einer Neuauflage?

Der Schlichter

Wenn sich zwei streiten, schlichtet der Dritte. Oder versucht es. ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig mahnt zur Besonnenheit, weil das Team momentan alles brauchen könne, nur keine Unruhe. "Ich bin selbst ein wenig überrascht worden. In der offiziellen Pressekonferenz waren Constantinis Aussagen nicht schlimm. Was nachher war, habe ich nicht mitbekommen." Ludwig ist sicher, dass ein Gespräch unter Männern alles klären wird. "Ich werde mir Wortspenden ersparen."

Bei Constantini ortete Ludwig keineswegs Gleichgültigkeit oder Resignation. Vielmehr war es eine Trotzreaktion auf die Äußerungen des Präsidenten. Ludwig: "Wir sollten die Angelegenheit auf eine sachliche Ebene heben."

Die Terminkonferenz für die WM-Qualifikation in Frankfurt wird sich auf Wunsch der Schweden von September auf November verschieben. Die Skandinavier wollen zunächst den Ausgang der noch laufenden EM-Qualifikation abwarten.

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(kurier) Erstellt am
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