Sport | Fußball 10.05.2018

Sturms titellose Zeit zu Ende - Bodenhaftung bleibt erhalten

Freudentaumel: Sturm-Trainer Heiko Vogel, Präsident Christian Jauk und Sportdirektor Günter Kreissl (vo. li.) © Bild: APA/ERWIN SCHERIAU / ERWIN SCHERIAU

Nach dem Cupsieg 2010 folgte 2011 der Meistertitel - ein gutes Omen für die Grazer?

Die Titeldurststrecke von Sturm Graz ist seit Mittwochabend zu Ende. Die Steirer zwangen Favorit Salzburg in Klagenfurt mit 1:0 nach Verlängerung in die Knie und belohnten sich mit ÖFB-Cup-Titel Nummer fünf, mit dem sie in der ewigen Bestenliste mit den "Bullen" gleichzogen. Auch beim zuvor jüngsten Cup-Triumph 2010 hatten sie in Klagenfurt darüber jubeln dürfen.

"Gute Phasen einer Saison oder irgendwelche Einzelerfolge werden schnell vergessen, aber Titel bleiben", jubelte Sport-Geschäftsführer Günter Kreissl. Die seien für einen Verein mit den Möglichkeiten von Sturm keinesfalls selbstverständlich. Er freue sich deshalb bereits auf das Jahr 2058, wenn die ganzen Helden von 2018 vom Club eingeladen werden. "Da komme ich dann am Stock", scherzte der Ex-Goalie.

Coach Heiko Vogel konnte gleich in seinem ersten halben Jahr in Graz über einen Titel jubeln. "Sturm hat danach gelechzt, endlich wieder einen Titel zu holen", freute sich Torschütze Stefan Hierländer. Das hat auch Vogel mitbekommen. "Für die Stadt Graz und für Sturm ist es ein schöner Tag, weil man Titel nicht jede Saison gewinnt. Komplett realisieren werde ich es erst in den nächsten Tagen", sagte der Deutsche.

Dank an Foda

Einen gewissen Teil des Erfolges muss man aber sicher dem beim Finale auf der Tribüne gewesenen Franco Foda zuschreiben, der die Grazer vor seinem Wechsel zum ÖFB-Teamchefposten in einem sensationellen Herbst zum Winterkönig geführt hatte. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft im Sommer hatte wiederum Sport-Geschäftsführer Kreissl ein gutes Händchen. Viele Bausteine haben zum überraschenden Triumph geführt.

Abheben wollten die Grazer aber auch im Moment des Erfolges nicht. Bodenständigkeit ist weiterhin oberstes Gebot, auch wenn der Blick in die Vergangenheit Mut macht: Nach dem Cupsieg 2010 folgte 2011 der bisher letzte von drei Meistertiteln. "Es wäre genau das Falsche, wenn wir jetzt die Bodenhaftung verlieren", betonte Kreissl. Salzburg sei einfach auch in Zukunft von der Papierform unerreichbar. "Es wird immer so bleiben, wenn sich nicht massiv was daran ändert, dass Red Bull nicht nur große Möglichkeiten hat, sondern auch einen sehr guten Job macht", schilderte der Ex-Tormann.

Coach Vogel sieht das genauso. "Es wäre jetzt ein bisschen utopisch, dass man sagt, wir sind der Hauptkonkurrent von Salzburg. Das ist Träumerei", erläuterte der Deutsche. Man werde auch kommende Saison wieder von Spiel zu Spiel schauen. "Wir wollen guten Fußball spielen, und wenn der erfolgreich ist, ist es schön", so Vogel. Kreissl wird die Mannschaft nicht unter Druck setzen. "Ich habe in meiner Zeit als Trainer oder Sportdirektor nie die großen Ziele ausgegeben, sondern mich auf die tägliche Arbeit fokussiert und sehe mich jetzt bestätigt darin", gab Sturms Sportchef Einblick.

Höhere Erwartungshaltung

Einfacher wird es für Sturm 2018/19 sicher nicht. Durch den Cupsieg ist das Standing der Grazer weiter gewachsen, zugleich die Erwartungshaltung gestiegen. "Nächstes Jahr wird eine schwierige Saison, weil wir auch anders gemessen werden nach diesem Titel", weiß Hierländer. Der wirkt sich dafür sicher in punkto Vertragsverhandlungen positiv aus. Sturm ist als Adresse noch einmal reizvoller geworden. An Kreissl liegt es nun, die Erfolgstruppe zusammenzuhalten.

Mit Hierländer konnte bereits eine wichtige Stütze verlängert werden. "Jeder Einzelne von uns spielt eine Riesensaison, ich hoffe, dass nach dem Hierli noch einige Unterschriften meiner Kollegen folgen werden", verlautete Peter Zulj. Der bis 2020 gebunden Offensivmotor hat sich mit einer Traumsaison, der ersten bei Sturm, selbst in den Blickpunkt und auch ins ÖFB-Team gespielt, ist aber vertraglich noch bis 2020 gebunden. Bleiben wird wohl auch Lukas Spendlhofer. Man werde in den nächsten Tagen die Optionsziehung finalisieren, kündigte Kreissl einen weiteren Abschluss an.

Er selbst bekam am Montag einen neuen unbefristeten Vertrag, mit vereinbartem Kündigungsverzicht bis 2020. In Klagenfurt wurde er aufgrund der guten Arbeit in den letzten beiden Jahren von den Fans mit Sprechchören bedacht. "Ich bedanke mich dafür, möchte aber, dass wir im Team die Erfolge feiern und dass bei den Fans kein Einzelner herausgehoben wird", so Kreissl. Er selbst sieht so etwas eher als Belastung. "Fußball ist ein Ergebnissport, da kann es in zwei Wochen schon wieder ganz anders ausschauen", kennt Kreissl das Geschäft.

Etwa wenn in den letzten drei Liga-Runden der zweite Platz und die damit verbundene Champions-League-Qualifikation doch noch verspielt werden würde. Dort waren die Grazer zuletzt 2011 angetreten und hatten nur knapp gegen BATE Borisow im Play-off den Kürzeren gezogen. Zuvor waren sie dreimal in der "Königsklasse" vertreten mit dem Highlight Zwischenrunde 2000/01. Der Weg dorthin ist im Nicht-Meister-Weg extrem steinig, wohl kaum zu schaffen.

( Agenturen , mod ) Erstellt am 10.05.2018