Sport | Fußball
07.04.2018

Sturm-Sportdirektor Kreissl: "Wir wollen einfach anders sein"

Günter Kreissl spricht vor dem Duell mit der Wiener Austria über Philosophie, den Trainer und pokernde Spieler.

Es soll ein Fußballfest werden in Graz, wenn Sturm heute (16.00 Uhr, live Sky Sport Austria, KURIER.at-Liveticker) die Austria empfängt. Frühlingshafte Temperaturen, Sonnenschein, guter Besuch, ein gutes Spiel und ein Sieg von Sturm. So stellt sich das Sturm-Sportdirektor Günter Kreissl, einst Tormann bei der Austria, vor. Die Grazer wollen sich den zweiten Platz in der Liga sichern und in der nächsten Saison auf jeden Fall international vertreten sein.

KURIER: Gibt es noch die Sturm-Jagd auf Meister Salzburg?

Günter Kreissl: Nein, Salzburg spielt eine gute Saison. Eine Jagd kann ich nur ausrufen, wenn die Dinge noch in meiner Hand liegen. Das ist nicht der Fall, weil der Abstand schon groß ist. Aber wir wollen bis zum Schluss jedes Spiel gewinnen. Auch daheim gegen die Austria.

Auch unter Trainer Heiko Vogel läuft es letztlich rund.

Sportlich bin ich auch sehr zufrieden. Es könnten aber andere Dinge etwas besser laufen.

Welche denn?

Wir spielen statistisch bisher die zweitbeste Saison in der Klubgeschichte. Es irritiert mich, dass ich davon nicht so viel spüre im Rundherum, bei den Medien, beim Zuschauerzuspruch. Und es zeichnet sich ab, dass der Erfolg auch zu einer Bürde wird.

Wie darf man das verstehen?

Viele wittern das große Geld, es wird derzeit massiv gepokert. Mir fehlt bei manchen Spielern etwas die Verbundenheit zum Verein. Jetzt kann man sagen, das ist eben Teil des Geschäfts. Es liegt aber an jedem Einzelunternehmer selbst, ob er das so leben will oder nicht. Wir bei Sturm wollen einfach anders sein. Die Spieler sollen sich bei uns wohl fühlen. Wir verbessern laufend den Verein, investierten in die Infrastruktur mit zwei Rasenplätzen, den Trainerstab, den eigenen Nachwuchs, in die medizinische Abteilung mit den neusten Geräten.

Und dann wollen Spieler mehr verdienen. Ist das nicht verständlich?

Wenn sie kommen würden und sagen, dass sie beim Klub X in der 2. deutschen Liga das Doppelte bekommen, dann wäre die Sache ja klar. Aber so ist es nicht, die Angebote gibt es ja nicht. Es wird von Spielern oder Managern oft nur um 1000 Euro mehr gepokert. Auf diesen Betrag könnte man auch verzichten, wenn man sich bei einem Klub wohl fühlt und dort wertgeschätzt wird. Vielleicht bin ich aber zu sehr Fußball-Romantiker, um das zu akzeptieren. Und dann überlegt man sich schon, ob man wirklich anders sein will, denn diese Enttäuschung kostet natürlich Energien.

Wie haben Sie die Kritik nach dem holprigen Start unter Trainer Vogel empfunden? War sie gerechtfertigt?

Ich habe damals klar angesprochen, was schlecht war – die ersten zwei Spiele. Sofort gab es einen medialen Wirbelsturm, da mussten wir uns abgrenzen. Danach ist es aber sehr gut gelaufen, wir haben viel gewonnen. Ich habe auch deswegen die Ruhe bewahren können, weil ich gesehen habe, welch gute Arbeit geleistet wird.

Mussten Sie durch den Wechsel von Foda zu Vogel die Philosophie ändern?

Nicht viel. Es gibt Eckpfeiler, die wichtig sind. Wir setzen auf junge Spieler aus dem Nachwuchs, vermehrt auf Schnelligkeit, das ist dem modernen Fußball geschuldet. Und wir wollten einen Trainer, der offen und variabel ist. Heiko Vogel bringt davon sehr viel mit, er hat Lösungen, weil er schon viel erlebt hat.