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Winheims Tagebuch
12/25/2021

Hasenhüttl und die Premier League: Besser kurz Hatschi als Long-Covid

Trotz explodierender Corona-Zahlen spielt man in England weiter Fußball. Wie Hasenhüttl versucht das Virus auszutricksen.

von Wolfgang Winheim

Obwohl in London der Notstand ausgerufen wurde – die komplette erstmalige Absage des englischen Weihnachtsfußballs soll mit allen Mitteln verhindert, der Boxing Day trotz dramatischer Omikron-Zahlen durchgeboxt werden. Weil es die wichtigste Zeit für die Premier League sei, sagt Ralph Hasenhüttl. Weil weltweit mehr Menschen denn je TV–Zeugen sind. Weil die Premier League als einzige Liga zu dieser ungewöhnlichen Zeit spielt. Hasenhüttl, 54, ist in der stärksten Liga als einziger österreichischer Trainer engagiert.

Zum Auswärtsspiel am Stefanitag gegen Rapid-Bezwinger West Ham lässt Hasenhüttl die Spieler auf drei Busse verteilt nach London reisen. Was der Steirer mit dem FC Southampton Covid-bedingt als Erster einführte, wird von Englands Top-Klubs inzwischen kopiert.

Zur Vorbereitung auf den Boxing Day kamen Hasenhüttls Profis bereits in der Trainingskluft angefahren. Kein Umziehen am Trainingsplatz. Kein Duschen danach. Lunchpakete wurden jedem einzeln in seinem Privat-Pkw serviert. Verschwitzt fuhr man danach heim. Wohl wissend, eine Verkühlung zu riskieren. Motto: Besser kurz Hatschi als Long-Covid.

Premier League - Watford v Southampton

"Hielt mich für unverwundbar"

Verschnupft reagierte Liverpool-Coach Jürgen Klopp, als er noch vor der Absage des Leeds-Spiels hörte, dass es Profis gibt, die auf eine Impfung husten. Und dass die Impfquote niedriger sei als in allen anderen Ligen Europas. Klopp: „Ist ein Spieler überhaupt nicht geimpft, ist er eine ständige Bedrohung für uns alle.“ Eine Meinung, die Hasenhüttl teilt, die auf seine Spieler allerdings nicht zutrifft: „99 Prozent bei uns sind geimpft.“

Die wenigen Impfskeptiker im Kader bekehrte Hasenhüttl mit der Schilderung von seinem dramatischen Spitalsaufenthalt im Sommer 2012 . Als Covid der Allgemeinheit noch kein Begriff war und den Steirer das (von Mäusen verbreitete) Hanta-Virus erwischte. „Auch ich hielt mich damals für topfit und unverwundbar.“ Lang rätselten die Ärzte, lang musste der Ex-Teamspieler kämpfen. Ihm drohte das Ende der Trainerkarriere, die später in Ingolstadts Aufstieg in die Bundesliga und danach im Vizemeistertitel von Aufsteiger RB Leipzig gipfeln sollte.

In Southampton hält er gegen finanziell übermächtige Gegner schon seit drei Jahren durch, und der Verein auch nach Pleiten bedingungslos zu ihm. Er weiß es zu schätzen. Er kann sich aktuell nicht vorstellen, nach 2024, nach Vertragsende in Southampton, noch woanders Trainer zu sein.

Hasenhüttl schwärmt von den Menschen in der südenglischen Hafenstadt, wo 1912 die Titanic ausgelaufen war. Und wo jetzt trotz Corona und zuletzt glücklosen Spielen nie Untergangsstimmung herrscht.

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