Sport | Fußball
05.03.2013

Schöttel sucht seinen „Fight Club“

Mit mehr Kampfgeist sollen die 2013 noch sieglosen Rapidler ihre Krise beenden.

Andy Marek gab den Einpeitscher und stimmte die Jubelgesänge an. Die Masse tobte, die Schals wurden dabei in die Luft gestreckt.

Nein, Andy Marek kann nicht in Wolfsberg gewesen sein, bei der Blamage der elf Rapidler mit der dritten Niederlage in Folge gegen neun Mann des Aufsteigers. Der Verbindungsmann zwischen Verein und Fans ließ ausnahmsweise eine Rapid-Partie aus und spielte den Zeremonienmeister bei der Siegesfeier von NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll.

Am Montag flog Marek zu einer Merchandising-Messe nach London. Er bekam deshalb nur am Rande mit, für wie viel entladenen Unmut das 1:2 und die Serie von fünf sieglosen Spielen in der Hütteldorfer Geschäftsstelle gesorgt haben. Im Internet stimmen Fans gar schon über einen Rauswurf von Trainer Schöttel ab.

Dazu wird es in absehbarer Zeit nicht kommen. Präsident Edlinger und Sportdirektor Schulte setzten erst vor einem Monat mit der Vertragsverlängerung des Trainers auf Kontinuität, um eben auch Krisen überstehen zu können. Mit einer Kehrtwende wäre alles Gesagte unglaubwürdig. Außerdem könnte sich Rapid eine Beurlaubung 28 Monate vor dem Vertragsende nicht leisten.

Schulte stärkt Trainer

Schulte wird deshalb im KURIER-Gespräch deutlich: „Ich mache keine Staatsaffäre aus dieser Ergebniskrise. Der Trainer, die Spieler – alle scheiße? Das stimmt doch nicht.“ Der Deutsche, der noch auf seinen Premierensieg wartet, sagt: „Ich habe kein Verständnis für die Kritik am Trainer, nur für die an der Leistung. Wir werden das analysieren, dann muss es gegen Mattersburg eine Reaktion geben.“ Auch Schöttel nimmt die Spieler, die heute noch frei haben, in die Pflicht. Besonders lange fiel die Analyse des „Selbstfallers“ aus.

Vorwürfe wie „nachlässig, zu langsam im Kopf, nicht konsequent genug, ohne letzten Willen“ fielen. Nach dem Training sprach Schöttel lange mit seinem Kapitän Steffen Hofmann. Klar ist, dass die plausiblen Erklärungen aus dem Herbst (viele Verletzte, Doppelbelastung) wegfallen, während die Austria weiter siegt. Der Abstand zum Erzrivalen (20 Punkte) ist bereits so groß wie der zum Letzten. Da hilft es nicht, dass Rapid letzte Saison und sogar im Meisterjahr 2008 nach 24 Runden weniger Punkte hatte.

Keine Lösungen

Es bleiben die Fragen, warum es gegen defensiv kompakte Gegner kaum Lösungen gibt. Und wie es nur eine Woche nach dem Kraftakt in Salzburg zu so einem Rückfall kommen konnte.

Schöttel will nach acht Gegentoren in vier Partien sowie drei verspielten Führungen einen Schritt zurück machen und auf Kampf setzen: „Einige erfüllen ihre Defensivaufgaben nicht. Nur mit schön spielen geht’s nicht. Wir müssen jetzt gewinnen, da brauche ich echte Fighter.“

Das beim WAC ausgetauschte Trio Alar, Boskovic und Gerson muss wohl ums Leiberl raufen. Allein mit Ergebnis-Fußball werden die Massen in Hütteldorf aber auch nicht zufriedengestellt. Positiv für Rapid ist nur, dass der Europacup schwer verspielt werden kann: Sturm und Ried konnten 2013 kaum Boden gutmachen. Oder wie es Guido Burgstaller auf den Punkt bringt: „Wir müssen nur froh sein, dass die auch so einen Blödsinn z’sammspielen.“