Sport | Fußball
23.11.2017

Schieflage: Die UEFA nimmt den AC Milan ins Visier

Die Mailänder stecken nicht nur sportlich in der Krise, der Investor aus China steht unter Druck.

Jener Teil von Mailand, der sich gerne in die Farben Rot und Schwarz hüllt, liegt in der Modemetropole nicht gerade im Trend. Die Rossoneri haben gegenüber der Nerazzurri von Lokalrivale Inter klar das Nachsehen.

Der AC Milan hat dank des neuen chinesischen Eigentümers Yonghong Li im Sommer groß investiert. So viele Fenster konnte es in Mailand gar nicht geben, dass man nicht Geld aus ihnen werfen konnte. Um rund 250 Millionen Euro wurden neue Spieler gekauft, doch das zusammen gewürfelte Ganze ist auch im November noch keine echte Einheit, weshalb der Trainersessel von Vincenzo Montella längst wackelt.

Der Fehlstart

Aber nicht nur sportlich läuft es für Milan holprig, auch wirtschaftlich gerät man immer mehr in die Defensive. Denn neue Regelungen für Investitionen im Ausland können für Milan und seinen Besitzer Yonghong Li zu einem ernsten Problem werden. Aktuell reichen die Spekulationen über die Zukunft der Rossoneri von einem Besitzerwechsel bis zu einer Übernahme durch den chinesischen Staat.

Wie mehrere italienische Medien übereinstimmend seit einiger Zeit berichten, soll Li von der chinesischen Regierung dazu gezwungen werden, sein investiertes Geld nach China zurückzubringen. Zum einen sollen Investitionen im Ausland erschwert werden. Ein weiterer Effekt soll sein, dass man dadurch die heimische Wirtschaft stärken möchte.

Wie Medien in China berichten wären damit die beiden Fonds Huarong und Haixia davon betroffen sein. Wäre dies in der Tat der Fall, müsste Li eine finanzielle Lücke in der Höhe von 253 Millionen Euro begleichen. Der aktuelle Milan-Boss soll bereits nach neuen Partnern suchen, die ihr Geld in den italienischen Traditionsverein investieren wollen.

Detail am Rande: Sollte die oben zitierte Situation eintreffen und die finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden, könnte der Staat China Anspruch auf den AC Milan erheben. Aufatmen gibt es beim Stadtrivalen Inter Mailand. Zwar wird der Verein ebenfalls kräftig aus China unterstützt, soll jedoch von der kolportierten Regel nicht betroffen sein.

Der Zocker

Die italienischen Medien haben für den 48-jährigen Yonghong Li auch einen treffenden Begriff. Er ist der Broker. Hat Beteiligungen an Verpackungsfirmen und Phosphatminen, Immobilien, und ein geschätztes Vermögen zwischen 500 und 600 Millionen Dollar. Was nicht gerade armselig ist, aber doch viel zu wenig, um den AC Milan in einem Solo zu kaufen.

Dessen Preis hatte Berlusconi vor Jahren auf eine Milliarde Euro angesetzt. Er ging dann herunter auf 750 Millionen, erhielt letztlich 740. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass der chinesische Elektronikkonzern Suning im vergangenen Sommer nur etwa die Hälfte für die Kontrolle des Lokalrivalen Inter berappt hatte.

Li war zunächst mit zwei Kompagnons aus der Heimat angetreten, die sich aber nach einer gemeinsamen Anzahlung von 200 Millionen Euro zurückzogen – offiziell auf Geheiß der Regierung in Peking, die den Abfluss des chinesischen Kapitals in die dunklen Kassen des europäischen Vergnügungsbetriebs untersagt hatte.

Die Heuschrecken

Der Verkauf stand nach acht Monaten zäher Verhandlungen auf der Kippe, da sprudelte für Investor Li auf eine neue Geldquelle: Die Elliott Management Corporation sprang ein, ein Hedgefonds aus New York, der sich an der argentinischen Staatspleite satt gefressen hatte und dessen Geschäftsmodell die britische Zeitung Guardian auf die Formel brachte: "Es werden billige Schulden aufgekauft und wenn möglich mit Profit verkauft, oder der Schuldner wird verklagt." Diesen Herren gehört jetzt also im Grunde der AC Milan. Lieber Heuschrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Mittlerweile wurde auch die UEFA auf das Milan-Wirr-Warr aufmerksam. Informationen über den Businessplan wurden angefordert. Die UEFA-Regeln zum Financial Fair Play bedrohen alle Clubs, die mehr ausgeben als einnehmen, mit möglichen Sanktionen bis hin zum Europacup-Ausschluss. Allerdings darf ein Defizit einkalkuliert werden, um Investitionen zu ermöglichen.