Europa League
10/02/2014

Astra Giurgiu: Rumäniens unbekannter Stern

Wer steckt hinter dem Höhenflug von Salzburgs Gruppengegner?

von Stephan Blumenschein

Astra wer? Auch in Salzburg war das Rätselraten nach der Auslosung der Europa League groß. Wer ist neben den bekannten Größen Celtic Glasgow und Dinamo Zagreb der dritte Gruppengegner Astra Giurgiu, auf den Österreichs Meister heute auswärts trifft (21.05 Uhr MESZ, live ORFeins, Sky)?

Es ist kein Wunder, dass der rumänische Cupsieger eine große Unbekannte ist: Astra Giurgiu gibt es auch erst seit zwei Jahren. Oder besser gesagt: Astra gibt es in der 61.000 Einwohner zählenden Stadt an der bulgarischen Grenze erst seit September 2012. Über neun Jahrzehnte war der Verein in Ploiești beheimatet, dem Zentrum der rumänischen Erdölindustrie. 1998 gelang erstmals der Aufstieg in die höchste rumänische Liga. Fünf Jahre lang spielte Astra dort, dann kam es zur Fusion mit dem wesentlich bekannteren Stadtrivalen Petrolul.

Aber die Ehe dauerte nur zwei Jahre, 2005 begann Astra als wieder eigenständiger Verein in der zweiten Liga, kehrte nach einem Zwischenstopp in der dritten Liga 2009 wieder in die Liga 1 zurück. Dort spielt Salzburgs Gegner seit 2012 als Astra Giurgiu, 130 Kilometer von der alten Heimat entfernt.

One-Man-Show

Für den Umzug vom Norden in den Süden von Bukarest ist ein Mann verantwortlich: Ioan Niculae. Für den Multi-Millionär ist Astra sein Spielzeug. Er entscheidet seit 1996 alles. Und eben auch, wo der Verein seine Spiele austrägt. Nach Giurgiu zog Astra um, weil die Zuschauerzahlen in Ploiești zu oft weit unter 1000 lagen. Aber auch in Giurgiu kommen im Schnitt nur 3000 Zuschauer zu den Heimspielen.

Niculae ist berühmt-berüchtigt für seine markigen Sprüche und seine eigenartige Personalpolitik. Da kann es schon vorkommen, dass Trainer während einer TV-Show entlassen oder eingestellt werden, Spieler öffentlich bloßgestellt und Schiedsrichter beschimpft werden. Wegen solcher Schimpftiraden gegen einen Unparteiischen ist er gerade erst mit einer halbjährigen Funktionssperre belegt worden.

Aufstieg und Fall

Dass Vereine Spielball einzelner sind, ist in Rumänien freilich die Normalität. Dubiose Präsidenten und noch dubiosere Unternehmen leiten die Geschicke bei vielen Klubs der Liga 1. Viele sind aus dem Nichts gekommen, aber genau so schnell wieder im Nichts verschwunden.

Bekanntestes Beispiel ist Unirea Urziceni: 2006 war der Verein erstmals in die Topliga aufgestiegen, drei Jahre später wurde der Klub aus der Kleinstadt mit 16.000 Einwohnern Meister, spielte in der Saison 2009/2010 in der Champions League und holte dort immerhin acht Punkte. Seit 2011 gibt es Unirea Urziceni nicht mehr. Der Verein wurde aufgelöst, nachdem trotz Millioneneinnahmen im Europacup die finanziellen Probleme zugenommen hatten und die Fusion mit einem Verein aus dem 70 Kilometer entfernten Chiajna vom Verband untersagt worden war.

Auch bei Salzburgs Gegner gibt es offenbar finanzielle Probleme, obwohl das Vermögen von Klubboss Niculae auf 950 Millionen Euro geschätzt wird. Europa-League-Veranstalter UEFA hält jedenfalls die Prämien von Astra zurück, weil es Außenstände in beträchtlicher Höhe geben soll.
13 Legionäre stehen im Astra-Kader, bekanntester Name ist noch Ex-Schalke-Spieler Vasileios Pliatsikas. Die Rumänen, die im Play-off immerhin Lyon ausgeschaltet haben, stehen gegen Salzburg unter Zugzwang: Nach dem 1:5 im ersten Gruppenspiel in Zagreb hilft Astra heute nur ein Sieg weiter.

Der Boss von Astra

Ioan Niculae wurde am 19. Juli 1954 geboren. Der 60-Jährige ist laut dem Magazin Forbes der reichste Rumäne, sein Vermögen wird auf 950 Millionen Euro taxiert. Niculae gehört die InterAgro Group (größter Agrar- und Düngemittelkonzern des Landes). Mit seiner Firma verwaltet Niculae 50.000 Hektar landwirtschaftlicher Felder. Dazu ist er Mehrheitseigner einer Versicherung, einer Raffinerie und eines Tabakunternehmens.

2013 ließ er sich nach 31 Jahren scheiden, ein Gerichtsverfahren ist anhängig. Seit 1996 ist der dreifache Vater Besitzer von Astra.

Für Salzburg kann es in Rumänien nur besser werden

Valentino Lazaro war noch nicht einmal geboren, als Salzburg zuletzt in Rumänien gespielt hat: Am 23. August 1995 setzte es in der Champions-League-Qualifikation eine 0:1-Niederlage bei Steaua Bukarest. Es war der erste von mittlerweile neun erfolglosen Versuchen, sich nach 1994 zum zweiten Mal für Europas Eliteliga zu qualifizieren.

Das heutige Europa-League-Spiel bei Astra Giurgiu nach dem gestrigen Flug nach Bukarest ist die dritte Partie in Rumänien. Die Premiere endete mit einem Debakel – 1:4 unterlag Salzburg im UEFA-Cup 1971 bei UT Arad, im ersten Europacup-Spiel überhaupt. Es kann also nur besser werden in der Kleinstadt an der Donau. Bei Salzburg wird der gegen Rapid gesperrte Hinteregger fix dabei sein. Ob einer der Angeschlagenen spielen wird, ist offen. Ulmer, Schwegler und Ankersen konnten aber im gestrigen Vormittagstraining voll mitmachen.

In 28 Spielen gegen rumänische Teams gab es erst sechs österreichische Siege.

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