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Sport Fußball
10/27/2019

Salzburg gegen Rapid: Alles eine Frage der Mentalität

Beim Liga-Hit steht das neue Reizwort Mentalität im Fokus. Wird Rapid-Trainer Kühbauer missverstanden? Ein Experte klärt auf.

von Alexander Huber

Das Duell SalzburgRapid garantiert gute Unterhaltung. Und Diskussionen. Rund um das Spitzenspiel am Sonntag (17 Uhr) wird ein Wort sicher öfters zu hören sein: "Mentalität".

Bei Red Bull ist sie Teil der Fußball-DNA, eine offizielle Salzburg-Doku trägt den Titel "Mentalität ist alles". Bei Rapid fällt das Wort seit der Rückkehr von Didi Kühbauer öfters. Zuerst wurde sie vermisst, zuletzt wurde sie in Zusammenhang mit harten Fouls von Rapid gebracht.

Der Trainer selbst fühlt sich mittlerweile von seinen Kickern besser verstanden als in der Öffentlichkeit und meint: "Das Wort Mentalität wird missbraucht."

Mentalität mit Ausbildung

Wolfgang Seidl kann aufklären. Der Fürstenfelder ist akademischer Mentalcoach und betreut auch Fußballer.

"Mit der Mentalität ist meistens die Einstellung gemeint, aber das ist nur ein Teil des Themas", erklärt Seidl, der sich festlegt: "Salzburg ist in dieser Hinsicht der einzige total professionelle Verein."

Nachwuchs-Thema

Warum? "Mentale Fertigkeiten sind trainierbar. Man kann lernen, mit Druck umzugehen. Der Schlüssel dafür ist die individuelle Betreuung ab dem Nachwuchs." Und genau hier investiert Red Bull massiv.

Seidls Erlebnisse in der Fußball-Realität: "Der Coachingprozess ist intensiv und teuer, aber schwer messbar. Deswegen sagen viele: ,Dafür haben wir kein Geld.‘" Dabei wäre laut Seidl  im Fußball  im Vergleich zu anderen Sportarten "viel Geld da, aber der Umgang mit  den Ressourcen ist  oft traurig".

Umdenken bei Rapid

Bei Rapid wird mittlerweile einiges versucht. Mentaltrainer Alex Pfeifer betreut Spieler ab dem Nachwuchs (und hat laut Seidl deswegen zu viele Charaktere zu betreuen), bei Seelsorger  Christoph  Pelczar melden sich die auffallend vielen gläubigen Spieler und im Winter wurde ein deutscher Mentaltrainer eingeflogen.

Eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber nie, weil der Experte bei einem Bundesligisten unter Vertrag steht.

Druckausgleich

Wenn Kühbauer - der Mario Sonnleitner gegen den Serienmeister zum Profi-Comeback verhelfen könnte - über „Mentalität“ spricht, meint er Verschiedenes. So den Umgang von Spielern mit dem speziellen Druck bei Rapid, den er mit Sportdirektor Barisic besser einschätzen dürfte als das letzte Führungsduo Bickel/Djuricin.

Oder den generellen Zugang zum Beruf. Kapitän Stefan Schwab bestätigte im KURIER, dass „letzte Saison im Training nicht alle 100% gegeben haben“. Kühbauers Zwischenfazit nach einem Jahr: "Es sind jetzt die richtigen Typen da. Der stärkere Zusammenhalt ist jeden Tag zu spüren."

Diskussionen über Mentalität sind generell in Mode. Seit Wochen wird in Deutschland debattiert, ob Dortmund davon genug hat.

Emotionen statt Fakten

In Österreich verstellen wie bei den meisten Themen, die Rapid betreffen, die Emotionen den Blick auf die Fakten. Einerseits: Rapid läuft mehr als letzte Saison, dreht öfters Rückstände und liegt in der Fairness-Tabelle auf Rang vier. Außer den Grünen blieben in der Liga lediglich der WAC, Mattersburg und Tirol ohne Ausschluss.

Rapid ist also keine "Tretertruppe".

Andererseits: Gekracht hat es in den Topspielen. Und Kühbauer hat auch bestätigt, dass gegen die „Pressing-Mannschaften“ Salzburg, LASK und WAC anders, nämlich physischer gespielt wird.

Der entscheidende Unterschied: Während die Salzburger Spiel für Spiel am Limit agieren und das seit Jahren speziell trainieren, wirkt die „Mentalität“ von Rapid noch wie ein ungewohntes, von einem emotionalen Kühbauer eingefordertes Element, das in einzelnen Zweikämpfen an der Grenze zur Übermotivation entlangschrammt.

Seidl meint: „Besonders bei Rapid spielt sich viel im Kopf ab.“

Verletzen verboten

Kühbauer, der die „unglaubliche Qualität von Salzburg und den beeindruckenden Haaland“ lobt, will nur eines betonen: „Dass einer im Zweikampf zu spät kommt, kann passieren. Aber ich bin der Letzte, der dazu aufruft, jemanden zu verletzen.“ Badji musste sich für sein Foul an WAC-Verteidiger Rnic bereits während der Pause des Spiels die Kritik seines Trainers anhören.

Kühbauer: „Ich will auch kein heißes Blut. Diese Zeit ist vorbei. Und das ist gut so.“