Okoties Leben in Peking: Alltag mit Hand und Fuß

Die liebe Familie: Vanessa, Tiamo Romero und Rubin Okotie
Der Teamstürmer außer Dienst über seine neue Karriere.

Jeden Tag nach dem Aufstehen folgt unweigerlich der Blick auf das Handy und die eigens heruntergeladene App: Ist heute in Peking Smog-Alarm – oder nicht?

"Das einzig Negative hier ist, dass wir wirklich immer wieder Tage mit starkem Smog haben", gibt China-Legionär Rubin Okotie zu. Man spürt die schlechte Luft zwar nicht im Rachen, weiß aber, dass man sie mit jedem Atemzug inhaliert. Kein gutes Gefühl. "Sind die Werte so hoch, dann bleiben wir oft zu Hause. Da haben wir Geräte, die die Luft filtern."

Während des G-20-Gipfels der größten Wirtschaftsmächte der Welt Anfang September aber herrschte in Peking Sonnenschein und beste Luft – die Regierung hatte angeordnet, sämtliche Fabriken für ein paar Tage zu schließen. "In dieser Zeit hatte Peking bessere Luftwerte als Wien. Normalerweise ist die Luftverschmutzung drei Mal so hoch."

Okoties Leben in Peking: Alltag mit Hand und Fuß
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Ansonsten fühlt sich der 29-Jährige in China sehr wohl, auch seine Frau Vanessa und Sohn Tiamo Romero haben sich mittlerweile eingelebt. "Meinem Sohn gefällt es sehr gut hier, weil es so viele Spielplätze gibt und ich für ihn mehr Zeit habe."

Auf seinen beruflichen Spielplatz musste Okotie zuletzt wegen einer Muskelverletzung fünf Wochen lang verzichten. Nun ist er wieder fit, rechtzeitig zum Finale der zweiten chinesischen Liga. Mit dem Beijing Enterprises Group FC liegt er zwei Runden vor dem Ende auf Platz sechs, der angestrebte Aufstieg in die höchste Spielklasse wurde schon zu den Akten gelegt. In der nächsten Saison versucht es der Klub erneut, Okotie sowieso, läuft sein Vertrag doch bis Ende 2018. "Wir möchten auch so lange hier bleiben."

Kaltstart

Dabei feierte er einen Einstand nach Maß in Asien und traf gleich im ersten Spiel. Doch dann machte sich bemerkbar, dass Okotie nach seinem Abgang von 1860 München keine Vorbereitung in den Beinen hatte und daher nie länger als eine Halbzeit voll spielen konnte. Der zwickende Muskel zwang ihn zu einer Pause, der Klub verlor drei Spiele in Folge, was den Aufstieg ins Abseits stellte.

Das Niveau der Liga lässt sich mit Europa schwer vergleichen. Bei jedem Klub sind drei Ausländer zugelassen. "Die meisten sind richtig gut. Der Rest der Kader besteht aus Chinesen, die sich alle auf einem sehr ähnlichen Niveau befinden. Sie laufen und kämpfen, technisch und taktisch sind sie weniger gut ausgebildet als die Europäer."

Nach der misslungenen EURO folgte für Okotie der Wechsel nach Peking. Viele schüttelten ungläubig den Kopf. Okotie bringt es auf den Punkt: "Ich habe immer gesagt, dass der Faktor Geld eine entscheidende Rolle gespielt hat. Diesmal hat der Kopf entschieden. Ich habe mir davor eine Plus/Minus-Liste geschrieben."

In seiner gesamten Karriere ging Okotie stets nach seinem Gefühl und entschied aus dem Bauch heraus. Obwohl er seit seinem 22. Lebensjahr wusste, dass es aufgrund des Knorpelschadens in seinem Knie jederzeit vorbei sein könnte mit der Profi-Karriere. "Ich bin oft ein Risiko eingegangen." Nicht so mit seinem Transfer nach Peking. "Diese Entscheidung war absolut richtig."

Auch in Hinblick auf das Nationalteam? "Es war mir klar, dass ich mit diesem Schritt eher nicht mehr dabei sein werde. Aber beendet ist meine Teamkarriere nicht, ich habe ja auch nicht meinen Rücktritt erklärt."

In weiter Ferne

Das Nationalteam ist im Hinterkopf, die WM in Russland nicht einmal dort. "Es macht keinen Sinn, daran zu denken. Bis dahin passiert noch viel." Die Länderspiele gegen Wales und Serbien verfolgt er nicht im Fernsehen. "Erstens wegen der Zeitverschiebung von sechs Stunden, zweitens wegen der TV-Sender, die nicht übertragen."

Derzeit genießt Okotie sein Leben in Asien, wo im Alltag schon der Einkauf im Supermarkt zur Herausforderung wird. "Die Chinesen sprechen kaum Englisch, ich kein Chinesisch. Da sprechen wir mit Händen und Füßen." Oder er nimmt das Handy zu Hilfe: "Mit einem Übersetzungsprogramm kommt man dann doch weiter", sagt er und lacht. Die Verbotene Stadt hat er schon gesehen, demnächst möchte Familie Okotie auch die Chinesische Mauer begutachten. "Peking ist eine Riesenstadt. Es gibt hier wirklich viele schöne Dinge zu sehen."

Ende Oktober endet die Meisterschaft, danach kehren die Okoties vorübergehend nach Wien zurück. "Wir haben Urlaub bis Mitte Jänner, bis die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt. Meine Frau und mein Sohn werden dann fünf Monate in Österreich sein." Daher suchen sie eine Bleibe in Wien. Auch für später.

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