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Sport Fußball
05/12/2012

Ricardo Moniz, Facetten eines Fanatikers

Ricardo Moniz kann als erster Salzburg-Trainer das Double holen. Trotzdem ist und bleibt er nicht unumstritten.

von Stephan Blumenschein

Alexander Walke hat tagtäglich mit einem Menschen zu tun, den die meisten nur aus den Medien kennen. "Ricardo Moniz ist ein Fanatiker. Für ihn gibt es nichts außer Fußball. Das macht ihn einzigartig", sagt Salzburgs Torhüter, der in seiner mehr als zehnjährigen Profi-Laufbahn schon mit vielen Trainertypen zusammengearbeitet hat. "Aber noch nie mit so einem."

Moniz ist ein Mensch der vielen Facetten. Der Salzburger Trainer ist auf jeden Fall ein Typ, der schwer zu berechnen ist. Da unterscheidet er sich von Huub Stevens. Bei seinem Vorgänger wusste man, woran man war, was geht, was nicht geht – als Spieler, aber auch als Journalist. Da gab es einen Plan, eine Meinung, einen Auftritt.

Beim gebürtigen Rotterdamer kann das schon differieren. In der Öffentlichkeit ist Moniz immer freundlich. So einfältig kann eine Frage gar nicht sein, dass er sich nicht bemüht, darauf eine treffende Antwort zu geben. Ihn aus der Reserve zu locken, ist schwer.

Tiraden

Im Training ist das anders: Wie ein Irrwisch zischt er über den Platz, gibt seine Kommandos – und das nicht gerade durch die Blume. "What a Fuck!" ist unzählige Male zu hören – immer dann, wenn seine technisch komplexen Übungen, mit denen er zum Beispiel bei Tottenham und dem HSV punkten konnte, von den Salzburger Spielern fehlerhaft ausgeführt werden.

Eines eint seine internen und externen Auftritte: Es ist nicht immer leicht, seinen Ausführungen zu folgen. Moniz kann Deutsch, aber nicht so gut, um komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären. Dafür fehlt ihm der Wortschatz. Immer wieder kreiert er – unbewusst – Begriffe, die für Verwirrung bei den Zuhörern sorgen.

"Mein Leben ist Fußball", sagt Moniz. Monatelang schlief er nahe Salzburg in einer Pension irgendwo im Nirgendwo. Leben tut er sowieso im Red-Bull-Trainingszentrum. Dort ist er täglich – so lange es halt möglich ist. Seine Berufseinstellung ist vorbildlich. Bei jedem Training macht er selbst mit, jede Übung zeigt er vor – da unterscheidet er sich vom Großteil seiner Trainerkollegen. "Ich muss so fit wie die Spieler sein", sagt Moniz. Deshalb liegt er auch oft vor den Spielern auf der Massagebank. Aber es kann auch vorkommen, dass er einen Spieler selbst massiert. In den Niederlanden hat er eine entsprechende Ausbildung absolviert.

Moniz genießt in der Fußballwelt hohes Ansehen – als Spartentrainer. Bei Tottenham und dem HSV hat er mit vielen Stars zusammengearbeitet, die seine Arbeit loben. Doch dort war er nur als Individualtrainer oder nur ganz kurz als Interims-Chefcoach im Amt. Auch in Salzburg war zunächst alles eitel Wonne: Die Mannschaft spielte im April und Mai 2011 groß auf, nachdem man von den Fesseln der Ära Stevens befreit worden war. Doch der Alltag holte Moniz und seine Spieler ziemlich schnell ein.

Bevorzugung

Der Niederländer machte Dinge, die man als Cheftrainer nicht machen sollte – er hielt die Zügel locker, wohl zu locker. Die südamerikanische Fraktion nutzte dies schamlos aus. Strafen gab es erst spät, doch nachhaltig waren auch diese nicht. "Ich stehe auf schwierige Typen", sagt Moniz.

Dazu wirkte sich sein eigentlich positiver Fanatismus für Fußball negativ aus. Moniz beschäftigte sich mit jeder Kleinigkeit, vergaß auf das Ganze. Er reagierte auf jeden Fehler, probierte sofort Neues aus. Das verunsicherte viele Spieler und mündete in einer Misserfolgsserie von sieben sieglosen Liga-Spielen im Spätherbst 2011.

Nach den blamablen Auftritten in der Europa League gegen Charkiw Anfang März schien es nicht mehr weiterzugehen. Die Spieler setzten einen in der Ära Red Bull einmaligen Schritt, suchten das Gespräch mit der Konzernspitze.

Seitdem ist der Auftritt anders, hat sich eine Hierarchie in der Mannschaft gebildet, die vieles in Eigenregie regelt – auch auf dem Platz. "Es soll Mannschaften geben, die ohne Trainer Meister werden", sagte Red-Bull-Boss Didi Mateschitz vielleicht deshalb vor Kurzem den Salzburger Nachrichten.

Nach elf Spielen ohne Niederlage hat man am Sonntag den ersten Matchball. Ein Punkt reicht in Wiener Neustadt, um Meister zu werden. "Ich habe nichts geschafft, die Mannschaft hat das geschafft", sagt der Meistertrainer in spe.

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