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Sport Fußball
05/10/2012

Rehhagel: Ein Wunderwuzzi mit 73 Jahren

Otto Rehhagel will ein kleines Wunder schaffen und Hertha BSC Berlin in der ersten deutschen Bundesliga halten.

Falls Otto Rehhagel in der Verlängerung der Verlängerung seiner außergewöhnlichen Trainerlaufbahn Hertha BSC in der Bundesliga hält, werden ihn auch die Berliner Fans lieben.

"Daran denke ich gar nicht. Ich denke nur daran, was die Jungs zu tun oder zu lassen haben", erklärte der 73 Jahre alte Rehhagel vor seinem letzten Heimspiel als Hertha-Coach am Donnerstag (20.30 Uhr). Der Abschied ist selbst für Rehhagel, der im Fußball so ziemlich alles schon erlebt hat, verrückt – und das gleich in mehrerer Hinsicht.

Abwärtstrend

Mitte Februar war Rehhagel als dritter Trainer in dieser Saison vorgestellt worden. Aufstiegs­coach Markus Babbel war im Winter gefeuert worden. Sein Nachfolger Michael Skibbe musste nach nur fünf Spielen gehen. Dann kam Otto. Hertha hatte zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den man letztendlich nur halten konnte, weil Köln nach einer Niederlage gegen die Bayern direkt abgestiegen ist.

Rehhagel kann in seinen Bundesligaspielen Nummer 832 und 833 jenen Verein vor dem Absturz bewahren, für den er zum Bundesligastart am 24. August 1963 im Berliner Olympiastadion beim 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg als rechter Verteidiger aufgelaufen war. Gegner ist Zweitligist Fortuna Düsseldorf, für den er einst selbst als Chefcoach auf der Bank saß. Mit der Fortuna hatte Rehhagel 1980 seinen ersten Trainer-Titel geholt – den Cupsieg.

Mit 33 Jahren war der gebürtige Essener beim 1. FC Saarbrücken in der damaligen Regionalliga Südwest ins Trainergeschäft eingestiegen. Drei Meisterschaften, drei Pokalsiege, einen Europacup-Triumph und einen EM-Titel später wird nun ausgerechnet in der ungeliebten Relegation der (wohl) endgültige Abschluss kommen. "Ich hatte immer eine sehr gute Beziehung zu Berlin, das wird immer so bleiben", sagte Rehhagel.

War er nach seinem dreijährigen Hertha-Engagement als Profi später immer wieder als Gast nach Berlin gekommen, so lernte er jetzt quasi im Schnelldurchlauf kennen, wie die deutsche Hauptstadt im Jahr 2012 tickt. Er persönlich habe "nichts zu verlieren", und seine Pläne seien "immer richtig", hatte er in der ersten Phase seiner dreimonatigen Anstellung wissen lassen. Gepaart mit der anhaltenden sportlichen Krise kam das nicht gut an. Rehhagel schottete sein Personal von der Öffentlichkeit ab, was die Sympathiewerte auch nicht gerade erhöhte.

Finale

Doch in der Wagenburg, im Kreis seiner "Jungen", gab sich Rehhagel eher väterlich. Rehhagel blieb auch in Berlin Rehhagel: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz, alles andere interessiert mich nicht." Mit dem Sieg gegen Hoffenheim, erst dem dritten als Hertha-Coach in zwölf Spielen, rettete sich der Klub in die Relegation. Dort kann Rehhagel zum Berliner Helden werden. Der erste Schritt dazu soll am Donnerstag im Olympiastadion gelingen.

Fortuna: Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Am Donnerstag und am Dienstag spielen Hertha und Düsseldorf um einen Platz in der obersten Spielklasse. Für Otto Rehhagel geht es gegen seinen ehemaligen Musterschüler Norbert Meier, mit dem er neun seiner insgesamt 14 prägenden Jahre bei Werder Bremen zusammengearbeitet hatte.

Mit dem jetzigen Düsseldorf-Coach Meier ist "König Otto" 1988 erstmals Meistertrainer geworden. "Dass er noch einmal in Deutschland auf die Trainerbank zurückkehrt, hätte ich auch nicht gedacht", sagte Meier zu Rehhagels Rückkehr in die deutsche Bundesliga nach zwölf Jahren. Der mittlerweile 53-jährige Meier darf seinen ehemaligen Chef inzwischen duzen. "Ich war auf seiner Hochzeit, da habe ich ihm das Du angeboten", erinnerte sich Rehhagel.

Für Hertha-Sportchef Michael Preetz ist vor allem das Rückspiel in Düsseldorf etwas Besonderes, wurde er dort doch am 17. August 1967 geboren und spielte neun Jahre lang für die Fortuna.

Düsseldorf peilt nach 15 Jahren Abwesenheit wieder den Aufstieg ins deutsche Oberhaus an. Robert Almer kann wegen einer Oberschenkelverletzung aber nur zuschauen und hoffen, dass er nächstes Jahr das Tor in der ersten deutschen Bundesliga hüten kann.

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