Wiener Derbys sollte es auch künftig vier Mal pro Jahr geben.

© APA/HANS PUNZ

Fußball
05/11/2016

Reform: Die neue Liga nimmt Konturen an

Aufsichtsrat Stefan Reiter erklärt, wie eine Profiliga mit zwölf Klubs sportlich attraktiv sein könnte.

von Andreas Heidenreich

Es ist das Thema, das die Wogen hochgehen lässt im österreichischen Fußball, seit Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer im Interview mit dem KURIER am 29. April betonte: "Österreich verträgt wirtschaftlich nur 12 Profi-Klubs, maximal 14."

Seither wird diskutiert, gestritten und demnächst wohl auch beschlossen. Mit einer Zweidrittelmehrheit können die 19 Klubs aus den obersten beiden Ligen (Red-Bull-Klub Liefering ist nicht stimmberechtigt) am 31. Mai im Rahmen einer Außerordentlichen Hauptversammlung die beiden Zehnerligen mit Beginn der Saison 2017/’18 begraben. Weil das Wort der Klubs aus der obersten Liga mehr Gewicht hat, würden etwa neun Stimmen aus der Tipico-Bundesliga und drei aus der Sky Go Ersten Liga reichen.

Am Montag tagte jedenfalls der achtköpfige Aufsichtsrat. In dem sitzt Ried-Manager Stefan Reiter, ein klarer Befürworter einer Reform, sowie Erwin Fuchs. Der Kapfenberg-Präsident sprach sich als Reform-Gegner aus und kritisierte, wie mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen wurde. "Ich war nicht eingebunden, obwohl ich Vorsitzender der Erste Liga bin. Das war der Versuch eines Drüberfahrens", beschwerte sich der Steirer.

Reiter sagt jedoch: "Das Konzept ist lange fertig und wurde von der Liga im Auftrag des Aufsichtsrates erarbeitet. Unsere Analyse hat ergeben, dass eine Profiliga mit 12 Klubs die beste Lösung wäre. Toll wäre eine 18er-Profiliga. Das ist aber derzeit nicht möglich. Langfristig muss das das Ziel sein." Für den Ried-Manager spräche also nichts gegen eine spätere Aufstockung, sofern in einigen Jahren mehrere Klubs die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Anforderungen erfüllen sollten.

Der Modus

Doch das ist Zukunftsmusik. Konkrete Ideen für die 12er-Liga gibt es bereits. So soll die Liga nach 22 Runden in zwei Sechsergruppen mit je zehn weiteren Spielen geteilt werden. In der oberen Gruppe gäbe es weitere Spitzenspiele wie etwa zwei Wiener Derbys, sofern diese Klubs den Sprung in die Top 6 schaffen.

Fehlt noch ein Anreiz für die untere Gruppe. Doch auch dafür gibt es Ansätze. "Etwa, dass am Ende dieser Phase der Erste der unteren Gruppe ein Play-off mit dem 4., 5. und 6. der oberen Gruppe um einen vierten Europacup-Platz spielt." Derzeit gibt es drei plus den Cupsieger. Für die Klubs 8 bis 10 sowie für die ersten drei wäre die Saison nach 32 statt wie bisher 36 Spielen zu Ende. Die Europacup-Teilnehmer würden damit entlastet.

Möglichkeiten gibt es mehrere. Bevor es jedoch am 31. Mai zu einer Abstimmung kommt, werden am 19. Mai bei einer Klubkonferenz den Vereinen die Varianten präsentiert werden. Hinter den Kulissen gibt es indes schon jetzt heiße Diskussionen. So dürfte neben Kapfenbergs Erwin Fuchs auch Lustenau-Präsident Hubert Nagel nach Verbündeten suchen, um die Reform zu verhindern. Vielleicht aus Angst, man würde den Sprung in die Profiliga nicht schaffen und künftig in einer semiprofessionellen zweiten Liga mit 16 Klubs inklusive der Amateurteams einiger Profiklubs spielen.

Entlastung der Kleinen

Diese zweite Liga ist Teil des Konzepts. Reiter: "Ich will niemanden anpatzen, aber es gibt einige Vereine in der Ersten Liga, die ums Überleben kämpfen. Und diese muss man stützen." Klubs der zweiten Liga dürften freilich weiterhin vollen Profibetrieb betreiben. Wollen sie das nicht, würde dies eine starke finanzielle Entlastung bedeuten. "Wenn ich nur noch die Hälfte des Kaders, minus eins, als Profi anstelle, dann falle ich aus dem Wartungserlass und kann als Verein weiterspielen", erklärt Reiter. Mit etwa neun Profis und elf Amateuren in einem 20-Mann-Kader würde einem Klub also die kostspielige Umwandlung in eine GmbH oder AG erspart bleiben.

Der aktuelle fixe Spieltermin von Freitag (und Dienstag) um 18.30 Uhr müsste allerdings aufgehoben und die Spiele auf Samstag oder Sonntag verlegt werden. Damit ergäbe sich jedoch die Möglichkeit einer Ausbildung, eines Studiums oder eines Teilzeitjobs für junge Spieler, die nicht oder erst auf dem Weg zum Profi sind.

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