Salzburg präsentiert Sportchef: Mann "kann auch aus der Haut fahren"
Marcus Mann mit Stefan Reiter
Seit zwei Wochen ist der Deal offiziell, seit knapp einer Woche ist er in Amt und Würden, beim Trainingsauftakt am 3. Jänner hat er sich der Mannschaft vorgestellt - jetzt kennt ihn auch die Öffentlichkeit. Rechtzeitig vor dem Testspiel-Hit gegen die Bayern hat Salzburg am Dreikönigstag seinen neuen Sportchef vorgestellt. Er hört auf den Namen Marcus Mann, ist 41 Jahre jung, kommt vom deutschen Zweitligisten Hannover und hat viel vor.
Bei seiner Präsentation sprach Mann über ...
... seinen Wechsel von Hannover zu Salzburg: Ich war wirklich sehr gerne in Hannover, da musste schon einiges passieren, dass ich den Verein verlasse. Aber mit jedem Gespräch ist die Überzeugung größer geworden und die Entscheidung gereift. Ich bin am Samstag angekommen und konnte mir ein erstes Bild machen. Salzburg ist ein sehr ambitionierter Verein und ich bin froh, hier ein tolles Projekt mitgestalten zu dürfen.
... die Verfassung der Mannschaft: Die Stimmung ist gut, das Tempo im Training war gut - das werte ich als positives Signal. Salzburg war zwei Jahre nicht Meister, natürlich sind die Ambitionen andere. Es war nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht. Ich will mich jetzt noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber der momentane Punkteschnitt wird nicht reichen.
... Loyalität: Ich war immer sehr lange bei meinen Vereinen und bin überzeugt, dass das auch hier so sein wird. Ich war in Saarbrücken über vier Jahre und in Hannover auch. Also passt mein Vertrag hier ja ganz gut. Dinge greifen nicht immer gleich, es geht nicht alles von heute auf morgen. Ich freue mich auf die Arbeit hier.
... Kaderplanung und Chefkoch-Qualitäten: Es ist nicht der optimale Zeitpunkt, mit der Kaderplanung im Winter anzufangen. Meine Handschrift wird man auch nicht nach einem Transferfenster erkennen können, schon gar nicht im Winter. Der totale Umbruch ist nicht angedacht, wir werden aber an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Der Kader ist groß, mit 26 Feldspielern einen Ticken zu groß. Im Trainingslager hat aber jeder die Möglichkeit, sich zu beweisen. In Deutschland wurde ich einmal als Chefkoch bezeichnet, weil ich am Transfermarkt angeblich alle abkoche. Der Transfermarkt gehört zu meinen Hauptaufgaben. Ich glaube, es ist sinnvoll, wenn ich das gut kann. Ich mache mir keine Sorgen, dass ich keine guten Argumente finde, Spieler hierher zu lotsen. Man muss nur schauen, welche Spieler den Sprung in die große Fußballwelt über Salzburg geschafft haben.
... die Zukunft von Trainer Thomas Letsch: Ich weiß über die Vergangenheit nicht jedes Detail. Aber Thomas Letsch hat mein volles Vertrauen und meine volle Unterstützung. Klar ist aber auch, dass wir uns verbessern müssen.
... Jürgen Klopps Rolle beim Transfer und Red-Bull-Fußball: Ja, ich habe mit Jürgen Klopp gesprochen. Ich glaube, man wäre nicht gut beraten, wenn man mit Jürgen Klopp nicht über Fußball spricht, wenn es die Möglichkeit gibt. Die entscheidenden Gespräche waren aber die mit den Verantwortlichen in Salzburg. Den Red-Bull-Fußball kenne ich natürlich von Leipzig, aber auch von Salzburg. Viel Intensität im Spiel - das war als Spieler gar nicht mein Ding. Aber das ist der moderne Ansatz, ohne geht es heute nicht.
... Johannes Moser und andere U17-Helden von Red Bull: Bei Johannes Moser war die Überlegung da, ihn jetzt mit ins Trainingslager zu nehmen, dann kam eine Verletzung dazwischen. Er ist aber definitiv auch auf unserem Schirm für die Profi-Mannschaft. Wir haben bei der U17-WM gesehen, dass wir tolle Talente haben, die gilt es weiter zu fördern. Die Spieler haben es selbst in der Hand, die Tür steht ihnen offen. In Sachen Alter wollen wir im Kader ein gesundes Mittelmaß finden.
... seine Art: Ich gebe viel Vertrauen, schaue nicht jeden Tag über die Schulter. Ich habe viel Geduld, die ist aber auch endlich, ich erwarte mir schon etwas. Wenn es nicht läuft, wenn es notwendig ist, kann ich aber schon auch aus der Haut fahren und deutliche Worte finden.
... seine Familie: Meine Familie bleibt in der Nähe von Stuttgart, da war sie auch, als ich in Hannover war. Die zwei größeren meiner drei Kinder gehen in die Schule, meine Frau arbeitet wieder. Das hat sich so bewährt. Ich werde mir hier in Salzburg eine Wohnung suchen, meine Familie wird mich so oft wie möglich besuchen, oder ich sie. Das Modell hat sich bewährt. Und wenn ich zu Hause bin, stehe ich eh mehr im Weg herum, als ich helfe.
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