Mit harten Bandagen: Stefan Ilsanker und seine Leipziger Bullen-Kollegen kämpfen nach wie vor mit viel Gegenwind – nicht nur auf dem Rasen der zweiten Bundesliga.

© /Red Bull / GEPA / Sven Sonntag

Deutschland
08/28/2015

RB Leipzig: Angefeindet und vielfach kritisiert

Der Red-Bull-Klub in Deutschland hat auch nach sechs Jahren mit vielfältigen Problemen zu kämpfen.

von Stephan Blumenschein

Es gibt noch einiges aufzuholen bei RasenBallsport Leipzig. In der sogenannten Markenmeisterschaft des deutschen Fußballs belegte der Red-Bull-Klub nur den 36. und letzten Platz – hinter Heidenheim, Sandhausen und dem FSV Frankfurt. Überlegener Meister wurde Borussia Dortmund.

In diese jährliche Studie der TU Braunschweig fließen Indikatoren wie "Bekanntsheitgrad", und "Einstellung zur Marke" ein. Aber auch die "Sympathiewerte" werden gemessen. Auch in dieser Einzelwertung sind die Leipziger Letzter – hinter den Bayern.

Vor sechs Jahren ist der Salzburger Getränkekonzern in den deutschen Fußball eingestiegen. Von Beginn an gab es Gegenwind von Traditionalisten, die durch Red Bull die Werte des deutschen Vereinsfußballs in Gefahr sahen und noch immer sehen. Aus dem Wind ist längst ein Orkan geworden, dessen Ende nicht absehbar ist.

Kommerz-Kritik

RB Leipzig steht als Synonym für die Globalisierung und Kommerzialisierung des Fußballs, obwohl der Weltsport Nummer eins längst globalisiert und kommerzialisiert ist und auch außerhalb der sächsischen Metropole Millionengehälter an oft durchschnittliche Fußballer bezahlt werden.

In Deutschland sind längst Grenzen überschritten worden, als die Ablehnung in Hass umgeschlagen ist. Wie etwa vor zwei Wochen im DFB-Pokal in Osnabrück, das bei 1:0 abgebrochen werden musste, nachdem der Schiedsrichter durch ein aus dem Osnabrücker Fanblock geworfenes Feuerzeug verletzt worden war.

Es war der negative Höhepunkt einer Skandalpartie. "Bei Eckbällen sind wir beworfen und im Spielertunnel provoziert worden. Auswechselspieler sind bespuckt worden, die Stimmung war extrem aufgeheizt", erzählte Leipzig-Kapitän Dominik Kaiser nach dem Spiel, das letztlich mit 2:0 für die Leipziger strafverifiziert worden ist.

Auch die Leipziger Konkurrenten sind nicht ganz unschuldig an der aufgeheizten Stimmung gegen das Red-Bull-Team. Provokationen gehörten in den letzten Wochen zum Alltagsgeschäft.

Kurz vor dem direkten Zweitliga-Duell am vergangenen Sonntag entfernte der FC St. Pauli das Logo der Leipziger von der Klub-Homepage. "Wir behalten uns das Recht vor, in unseren eigenen Publikationen unsere Sicht der Dinge kund zu tun. Egal, ob Lob oder Kritik", richtete der Kiez-Klub über die Hamburger Morgenpost aus.

Auch das Auswärtsspiel am kommenden Freitag bei Union Berlin steht unter dem Zeichen "Kult versus Kommerz". Die Fans der Ostberliner haben angekündigt, die ersten 15 Minuten des Spieles aus Protest gegen die Leipziger zu schweigen.

RB-Leipzig-Trainer Ralf Rangnick interessiert das nicht: "Das perlt an meiner Mannschaft ab. Wir konzentrieren uns allein auf unser Spiel und darauf, wie wir es gewinnen können."

Der Ex-Salzburg-Sportchef hat derzeit auch andere, sportliche Probleme. Zwar wurden die Auswärtsspiele bei FSV Frankfurt und Eintracht Braunschweig gewonnen. In der Leipziger Red-Bull-Arena klappt es aber beim Aufstiegsfavoriten nicht so wie gewünscht.

Rangnick-Kritik

Auf ein Remis gegen Fürth folgten eine 0:1-Niederlage vor über 40.000 Zuschauern gegen St. Pauli – und ein verbaler Rundumschlag von Rangnick. Die Offensivspieler Selke und Forsberg, die zusammen fast zehn Millionen Euro gekostet haben ("Sie hätten Händchen halten können, sie standen da wie Pat und Patachon") wurden ebenso kritisiert wie Teamspieler Marcel Sabitzer. "Er wechselte nach Rechtsaußen, obwohl dort Georg Teigl zehn Meter dahinter war", monierte der mächtigste Red-Bull-Fußballfunktionär.

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