Sport | Fußball
20.12.2012

Rapids neuer Lautsprecher setzt auf Kontinuität

Helmut Schulte wirbelt zum Start mit Worten und will auf bewährte Kräfte setzen.

Ach, du Schreck. Jetzt kommt noch ein Piefke in die Bundesliga. Wieder so ein deutscher Besserwisser." Helmut Schulte befürchtete, dass viele Rapid-Fans mit genau diesen Worten auf seine Bestellung zum Sportdirektor reagieren würden.

Donnerstagfrüh achtete der 55-Jährige bei der Präsentation besonders darauf, sich volksnah zu präsentieren, um rasch Teil der "Rapid-Familie" werden zu können. Der Fachmann mit Erfahrung als Bundesliga-Trainer, Sportdirektor, Nachwuchscoach und Chefscout präsentierte sich als amüsanter Lautsprecher. Mit einer launigen Mischung aus Fußball-Philosophie, Phrasen und klaren Ansagen legte der in Hamburg lebende Sauerländer sofort los. Rapids neuer starker Mann über:

seine Integration: "Steffen Hofmann ist mein Vorbild. Nur eine Frau aus Wien werde ich mir nicht suchen, weil ich glücklich verheiratet bin."

sein Wissen über Rapid: "Es ging alles so schnell. Ich habe erst in der Nacht begonnen, die 1000-Seiten-Chronik auswendig zu lernen."

sein Motto: "Eine Anspruchshaltung wie die Bayern, Tradition wie auf Schalke und das mit einem Budget wie bei St. Pauli."

sein Hearing: "Stefan Ebner hat mich vor rund zehn Tagen kontaktiert. Ich habe eine Stunde in Wien geredet. Vor dem Rückflug noch ein Gin Tonic getrunken und zu Hause gewartet, ob es was wird."

Präsident Edlinger: "Er ist nach Rudi Assauer in Gelsenkirchen und Corny Littmann bei St. Pauli der dritte Chef, der überall raucht. Egal, ob es erlaubt ist oder nicht."

Trainer Schöttel: "Ich bin der erste Unterstützer von Peter. Nur ein starker Trainer kann gut arbeiten. Ob ich bei Spielen neben ihm sitze, oder auf der Tribüne, entscheiden wir gemeinsam."

den Frust der Fans:"Ich war oft bei Klubs mit viel Emotion, das ist schöner. Leidenschaft ist wichtig, auch wenn sie Leiden schaffen kann."

die Zielsetzung:"Man darf nichts Unrealistisches verlangen, wenn die Finanzen nicht mehr hergeben. Aber ich weiß, dass es Rapids Anspruch ist, in der Tabelle von oben zu grüßen."

anstehende Transfers:" Peter Schöttel weiß jetzt noch viel besser, was nötig ist. Ich habe nur die Spiele gegen Charkiw, Innsbruck und Wiener Neustadt gesehen."

Schöttel unterbricht Urlaub

Peter Schöttel, der in die Causa Sportdirektor nicht eingebunden wurde, unterbrach seinen Urlaub, um Schulte kennenlernen zu können. "Mir gefällt, wie er sich präsentiert. Seine Klarheit wird uns guttun. Sportlich war jetzt doch 20 Monate lang alles auf mich fokussiert. Ich werde ab sofort nur noch Trainer sein und Helmut übernimmt die komplette Öffentlichkeitsarbeit", scherzte der Cheftrainer.

Allzu viel Details über sein künftiges Wirken ließ sich Schulte, der bis Anfang Jänner noch in Hamburg bleiben wird, aber noch nicht entlocken. Edlinger gefiel, dass der Neue "für Kontinuität von der U-6 bis zu den Profis steht. Für ihn spricht die immense Erfahrung, sein klares Denken und sein bestimmtes Auftreten." Schulte sprach von seiner "Personalhoheit", aber auch davon, dass er "die Entscheidungen gemeinsam treffen will".

Zukunftsfragen

Ob er davon profitierte, dass es mit dem ursprünglichen Favoriten Carsten Jancker keinen Vertragsabschluss gab, ist für Schulte nicht wichtig: "Ich habe am Mittwoch erfahren, dass ich es bin. Wenn nicht, wäre es auch kein Problem gewesen."

Edlinger hofft, dass Jancker Rapid als "Nachwuchs-Chef“ erhalten bleibt.

Schulte akzeptierte auch einen nur für ein Jahr laufenden Vertrag. "Wenn es wie geplant für beide Seiten passt, wird daraus ein unbefristeter Vertrag", erklärt Edlinger, dessen (wahrscheinlicher) Nachfolger Dietmar Hoscher ab November diese Entscheidung treffen kann.

Mit Schulte hat sich Rapid für frischen Wind von außen geöffnet, aber auch darauf geachtet, dass kein Orkan entsteht. Denn Kontinuität steht für Schulte klar über Veränderung: "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Schöttel, Ebner und Kuhn. Es ist gut, dass Rapid auch Leute hat, die schon so lange beim Verein sind."