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31.01.2019

Kühbauer: "Diesen Wahnsinn machen wir nicht mit"

Stürmersuche? Testspiel-Pleite? Für Kühbauer gibt's Wichtigeres. Er versprüht im KURIER-Interview Tatendrang.

Didi Kühbauer passt eigentlich gar nicht zur Lage bei Rapid. Der Chefcoach strotzt beim Trainingslager in Belek vor Energie und versprüht einen Optimismus, der authentisch wirkt.

Druck auf Fredy Bickel für eine rasche Entscheidung in der Stürmer-Frage gibt es vom 47-jährigen Burgenländer nicht. Zumal der Sportdirektor ohnehin überzeugt ist, dass ab heute Abend – wenn in den großen Ligen das Transferfenster schließt – die bisher überzogenen Preise purzeln werden. In Österreich bleibt der Transfermarkt heuer noch bis zum 6. Februar geöffnet.

KURIER: Rapid kämpft immer noch um die Verpflichtung eines neuen Stürmers. Worauf achten Sie bei der Suche nach Zugängen besonders?

Didi Kühbauer: Ich will Mentalität und wissen, was ich auf jeden Fall kriege. Dazu hätte ich gerne, dass mich der Spieler später positiv überraschen kann. Aber eine gewisse Leistung muss garantiert sein.

Gute Spieler mit Leistungsgarantie kosten, vor allem Stürmer. Die Admira verlangt für Sasa Kalajdzic mehr als 1,5 Millionen Euro Ablöse.

Es ist wirklich schwierig, aber damit muss ich leben. Bisher habe ich als Trainer ja auch kaum Ablösen ausgegeben. Anscheinend kann man mittlerweile alles verlangen, weil irgendein Verein wird es zahlen. Diesen Wahnsinn machen wir nicht mit. Nur damit einer da ist, sage ich nicht ja. Auch wenn es nicht um mein eigenes Geld geht.

Dass andere Vereine die Lage von Rapid ausnutzen wollen, kommt nicht überraschend ...

... das stimmt. Aber ich bin nicht dafür, dass Rapid unglaubliche Summen ausgibt. Es soll in so einem Rahmen sein, dass sich am Ende beide Seiten noch in die Augen schauen können.

Bickel sagt, dass er bei der Suche auf die Meinung des Trainerteams setzt. Wie läuft das ab? Gab’s Kampfabstimmungen?

Nein. Wir waren bei unserer Stürmerliste unabhängig voneinander alle einig. Acht Augen sehen mehr als zwei. Natürlich habe ich die Letztentscheidung und Verantwortung, aber ich bin nicht so blöd, dass ich glaube, ich weiß es besser. Ich glaube an mein Trainerteam.

Im Sommer droht ein gröberer Umbruch. Wie gehen Sie vor?

Wir schauen jetzt, was in den nächsten Monaten abschließbar ist. Dann wollen wir auch frühzeitig Spieler holen. Zu möglichen Abgängen: Wir schenken nichts her, aber wenn es sich der Spieler verbessern kann und der Verkauf genug einbringt, stelle ich mich nicht dagegen. Ich bin kein Verhinderer.

Es warten mit Inter und Salzburg zwei stärkere Teams, danach geht’s höchstwahrscheinlich ins untere Play-off mit defensiven Gegnern, gegen die Rapid das Spiel machen muss. Wie bereiten Sie die Spieler auf diese Unterschiede vor?

Indem wir versuchen, einen guten Mix zu finden. Wenn wir Räume kriegen, präsentieren wir uns ja wie im Europacup gut. Gegen defensive Gegner müssen wir cleverer spielen. Jetzt hat jeder die Chance, sich zu präsentieren. Ob der 30 oder 20 ist, ist egal. In der ersten Elf steht der, der im Training vorne ist.

Sind Sie nach dem 2:5 im Test gegen Odense beunruhigt?

Wir sind in alte Muster zurückgefallen, haben schlecht verteidigt, ohne Zugriff. Das wurde in der Videoanalyse besprochen. Weder das 2:5, noch die Stürmersuche werden bei uns Unruhe reinbringen.

Warum?

Weil die tägliche Arbeit in der Vorbereitung in Ordnung ist, wenn ich diese erste Hälfte ausklammere. Ich vertraue meinen Spielern.

Die Spieler berichten, dass sie sich fitter fühlen als im Herbst. Sehen Sie das auch so?

Im Herbst haben wir den Rhythmuswechsel von Europacup auf Liga nicht geschafft. Ich habe gesagt, dass die Trainingssteuerung verändert werden muss. Das wird tagtäglich kontrolliert. Die Belastung ist höher geworden, von nix kommt nix. Es musste intensiver trainiert werden, auch um giftiger spielen zu können.

Neben dem Offensivspiel wird viel beim Spiel gegen den Ball geübt. Was steckt dahinter?

Wenn wir zu riskant gespielt haben, hat bei Ballverlust oft die Absicherung gefehlt. Natürlich müssen wir mehr Tore erzielen, aber in der Retourbewegung darf nicht zu viel Platz gelassen werden. Da weiß Grahovac ganz genau, was zu tun ist. Beim System richte ich mich wie immer in meiner Trainerkarriere nach den Spielern im Kader. Ich spiele das, was ihnen am meisten liegt und am ehesten Erfolg garantiert.

Hätten Sie es aus Ihrer Sicht verdient, auch einmal bei einem Verein zu arbeiten, bei dem alles funktioniert?

Ich bringe auf jeden Fall alles ein, was ich habe. Im Frühjahr muss es besser werden und ab Sommer will ich, dass Rapid dort mitspielt, wo der Verein hingehört.

Trotz der Probleme wirken Sie positiv und gelöst. Warum?

Ich weiß, dass die Leute mich anders erwarten. Aber ich laufe nicht mit dem faden Aug’ herum. Es wäre schlimm, wenn ich negativ wäre. Vielleicht ist nicht alles, was im Herbst passiert ist, im Frühjahr noch auszubessern. Aber ich bin positiv.

Und wann werden Sie böse?

So etwas passiert aus der Emotion heraus und zwar dann, wenn etwas hergeschenkt wird. Das haben wir zur Genüge getan. Die Zeit des Herschenkens muss vorbei sein. Ich will nicht immer etwas erklären müssen, woran wir selbst schuld sind. Ich möchte dastehen und erzählen, was wir gut gemacht haben. Wir wollen wieder über Siege reden – und so wird es auch kommen.