Rapid-Entscheidung mit Harald Lechner: Der Mann für die heiklen Pfiffe
Schiedsrichter Harald Lechner
Für diese Aufgabe wird auf die größtmögliche Routine gesetzt: Harald Lechner pfeift am Sonntag den Schlager Rapid – Salzburg und ist damit bei der Entscheidung dabei, ob die Hütteldorfer nach Runde 22 in den Top 6 bleiben oder erstmals seit 2019 die Meistergruppe verpassen.
„Die Brisanz ist natürlich auch unter uns Schiedsrichtern ein Thema“, erklärt Lechner im KURIER-Gespräch, der 2023 mit dem damals 236. Bundesliga-Einsatz Fritz Stuchlik als Österreichs Nummer 1 abgelöst hat.
Die Besetzung von Harald Lechner ist aber auch nach mittlerweile 271 Partien des 43-Jährigen in der obersten Spielklasse aus zwei Gründen brisant.
1. Rapid wurde beim ersten Matchball auf die Top 6 ein Strafstoß vorenthalten, wie der VAR-Report feststellte.
Trainer Hoff Thorup hatte bereits direkt nach dem 1:1 in Altach vom „klarsten Elfer der Saison“ gesprochen. Der richtige Einwand von VAR Kijas war von Schiedsrichter Ciochirca abgeblockt worden.
„Ein Wahnsinn“, kritisierte Sportchef Katzer im KURIER und meinte, dass Rapid diese Saison bereits zum dritten Mal entscheidend benachteiligt worden wäre.
2. Lechner gilt als Wiener, der nun ein Wiener Team pfeift, aber nicht in einem Derby.
Warum das erlaubt ist?
Das liegt an Corona.
Während der Pandemie 2020 entschied die Bundesliga (auch wegen Reiseeinschränkungen im Lockdown), dass die Herkunft der Referees bei Besetzungen keine Rolle mehr spielt.
Abschied von Bundesländer-Regel
„Wir haben sowieso immer nur Grün gegen Weiß gesehen, nicht Wien gegen Salzburg, weil kein Schiedsrichter in Bundesländern denkt“, sagt Lechner.
Tatsächlich waren die Vereine zufrieden, der Bundesländer-Paragraf kam nie wieder zurück.
Bundesländer-Wechsel
Und selbst wenn: Der gebürtige Wiener Lechner wohnt seit vielen Jahren knapp außerhalb der Stadtgrenze und entschied sich mittlerweile, zu „seinem“ NÖ-Verband zu wechseln.
Lechner, nun also offiziell Niederösterreicher, kann gut damit leben, dass im Westen Wiens besonders genau auf ihn, sein Team und VAR Hameter geachtet werden wird: „Ich übernehme gerne Verantwortung, bin entscheidungsfreudig und sehe diese Besetzung auch als Auszeichnung.“
Der ÖBB-Manager leitete sowohl 2025 (Sturm – WAC) wie auch 2024 (Sturm – Klagenfurt) die entscheidende Partie um den Meistertitel. Auch das damalige Abstiegsduell WSG – Admira pfiff Lechner so, dass (nur) der Sport im Mittelpunkt stand.
„Das ist mein oberstes Ziel: Ich will bei Rapid – Salzburg kein Thema sein.“
Frage der Routine
Eine besondere Vorbereitung wird es nicht geben: „Die Einstellung muss immer gleich sein – so, dass ich die bestmögliche Leistung bringe.“
Unter den Kickern ist Lechner beliebt, weil er „mit sich reden lässt“. Mittlerweile hilft auch die große Routine: „Ich muss nicht schneller als der Ball sein, aber wissen, wohin er wahrscheinlich geht.“
Die größte Stärke? „Meine Berechenbarkeit – bei all meinen Fehlern.“
Einige davon, etwa ein falscher Derby-Elfmeter für die Austria 2016, hätte der VAR für Lechner ausbessern können (wenn dieser bereits eingeführt gewesen wäre).
Oder müssen, so wie 2023 den entscheidenden LASK-Elfmeter bei der Stadioneröffnung der Linzer.
Der VAR sollte dem Schiedsrichter helfen.
Lechner: „Solche Fehler bleiben dir wie Kratzer im Auto. Aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der VAR insgesamt für mehr Gerechtigkeit im Fußball sorgt.“
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