Rapid-Präsident Michael Krammer

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Europa League
09/30/2015

Krammer: "Minsk kann ein Meilenstein sein"

Auf Rapid warten entscheidende Spiele – und Vertragsverhandlungen.

von Alexander Huber

Zoran Barisic ist bekennender Trainingsanzug-Fan. Heute, beim Abflug nach Minsk zum zweiten Gruppenspiel in der Europa League gegen Dinamo (kurier.at tickert live), muss der Rapid-Trainer Kompromisse eingehen und sich erstmals von seiner eleganten Seite zeigen: Die Hütteldorfer haben vereinbart, dass sowohl das Trainerteam als auch die Spieler bei Auslandsreisen die neuen Rapid-Anzüge tragen werden.

Gleich bleibt, dass (wie gegen Ajax und Donezk) der gesamte Kader nach Weißrussland fliegen wird. Louis Schaub wird neben dem Anzug Fußballschuhe mitnehmen. Der Heilungsprozess läuft so gut, dass er schon morgen in Baryssau gegen Minsk, aber spätestens am Sonntag gegen Salzburg sein Comeback geben könnte.

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Woche der Wahrheit

Ein klassischer Anzugträger fehlt erstmals im Europacup: Michael Krammer ist aufgrund seiner Projekte im Hauptberuf als Mobilfunk-Manager verhindert. Parallel dazu bereitet der Rapid-Präsident entscheidende Gespräche vor: Nach dem Sonntags-Hit gegen Salzburg stehen Verhandlungen über die geplanten Verlängerungen mit Barisic und Sportdirektor Andreas Müller an.

Minsk, Salzburg und die Zukunft der wichtigsten Angestellten – eine Woche der Wahrheit? "Beim Salzburg-Spiel darf man nicht vergessen, wie lange die Meisterschaft noch geht", meint Krammer. "Aber Minsk kann ein Meilenstein sein. Mit sechs Punkten aus zwei Spielen wäre der erstmalige Europa-League-Aufstieg wesentlich nähergerückt."

Zum neuen Vertrag für Barisic (der aktuelle Kontrakt endet mit Saisonende) meint Krammer: "Er weiß, was wir wollen. Wir wissen, was er will. In der Länderspielpause haben wir Zeit für Details. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zusammenfinden." Fix ist, dass der bisher äußerst günstige Vertrag des früheren Amateure-Trainers aufgebessert werden soll. Barisic sagt zu den ersten Verhandlungsrunden: "Es war sehr positiv. Ich glaube an einen erfolgreichen Abschluss."

Komplizierter ist die Causa Müller. Nach den ersten Verhandlungen mit Krammer sprach der Deutsche von "positiven Gesprächen", aber auch davon, dass er sich "Bedenkzeit erbeten" habe. Der Vertrag läuft zwar noch bis Ende 2016, doch Rapid drückt aufs Tempo. Zu gut ist noch der Abgang von Helmut Schulte 2013 in Erinnerung. Der Müller-Vorgänger sagte damals: "Nach Herrn Hoscher und Herrn Kirisits war Krammer schon der dritte, der mir als kommender Rapid-Präsident vorgestellt wurde. Und er war der erste, bei dem ich mir sicher war, dass es in die richtige Richtung gehen wird." Deshalb hatte Schulte noch vor der Wahl von Krammer Verhandlungen mit Düsseldorf aufgenommen und der Fortuna dann auch zugesagt.

Zwei Jahre später fällt wiederum Müllers erfolgreiche Arbeit in seiner Heimat auf. Zumindest die Medien-Anfragen aus Deutschland häufen sich. Bevor noch ein Angebot eines Klubs eintrudelt, wollen die Hütteldorfer verlängern – spätestens bis Weihnachten.

"Unser Vorteil ist, dass Müller sowohl die Zukunftsstrategie als auch das persönliche Wohlfühlen im Verein wichtiger sind als ein großer Gehaltsscheck", rechnet Krammer vor. Auch Stefan Schwab betont den menschlichen Faktor: "Wir Spieler sind alle begeistert von Müller. Und ich glaube, dass es ihm bei uns auch gut gefällt."

In der Länderspielpause steht die nächste, vermutlich entscheidende Verhandlung mit Krammer an. Müller klingt so ähnlich wie Marcel Koller vor der Verlängerung als Teamchef: "Wir haben einiges in die richtige Bahn gebracht, aber ich spüre, dass in den nächsten Jahren noch mehr möglich wäre."