Anstoß: Gipfeltreffen

© Stephan Boroviczeny

Sport Fußball
09/17/2012

Rapid auf der Gratwanderung

Alles balletti: Noch eine Verfehlung, und man ist für lange Zeit weg vom internationalen Fenster.

von Bernhard Hanisch

Es ist absurd, dass sich Rapid-Trainer Peter Schöttel zwischendurch Gedanken machen musste, welches Heimspiel sich denn als Geisterspiel besser eignen würde. Nicht gegen Trondheim, weil die Norweger mit Rückendeckung leichter zu biegen wären? Leverkusen, weil die Stille auch bei den Deutschen Irritationen hervorrufen könnte? Rapid – als einzig verbliebener österreichischer Vertreter im Europacup ohnehin schon mit einer Bürde belegt – muss sich jetzt mit Problemen herumschlagen, die sich eine ganze Mannschaft, deren Trainer, sowie der Großteil der Anhänger mit Sicherheit nicht verdient haben.

Noch mehr Macht jenen Fans, die ohnehin schon die Höhe des Klubbudgets erheblich beeinflussen? Mehr Mitspracherecht für Leute, die via Facebook seitenweise "gegen Polizei und Stadionverbote" motzen, gleichzeitig mit ihrer gewaltbereiten Einstellung einen grundsätzlich vernünftigen Protest "gegen den Kommerz im Fußball" ins Lächerliche ziehen?

Oder sollte man doch den Hintergrund jener "Fankultur" verstehen lernen, wonach sich Schwachsinnige aus Wien und Athen verbrüdern, um Anhängern aus Thessaloniki gemeinsam die Fresse zu polieren? Drauf gepfiffen.

Da wäre es vielleicht noch besser gewesen, Rapid-Präsident Rudolf Edlinger hätte einmal das Beispiel seines deutschen Amtskollegen aus Hannover, Martin Kind, aufgegriffen. Dieser reagierte unmissverständlich auf Beschimpfungen gegen Emanuel Pogatetz: "Teile unserer Fans sind weder Bundesliga- noch Europacup-tauglich. Das sind Arschlöcher." Menschlich nachvollziehbar diese Erkenntnis, wenn auch nicht lösungsorientiert.

Rapid begibt sich auf eine Gratwanderung. Noch eine Verfehlung, und man ist für lange Zeit weg vom internationalen Fenster. Eine Drohung, die auf einen Selbstreinigungsprozess auf den Rängen hoffen lässt. Denn dort darf man sich nämlich kein einziges Arschloch mehr leisten.

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