APA13281896-2 - 18062013 - MARIA ENZERSDORF - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT SI - Trainer Toni Polster am Dienstag, 18. Juni 2013, während einer Trainingseinheit des FC Admira in der Südstadt in Maria Enzersdorf. APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER

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Interview
07/14/2013

Polster: „Ich muss mich für nichts genieren“

Der Neuling in der Bundesliga über die Admira, das lange Warten und sein Leben als Promi.

von Philipp Albrechtsberger

Von der Legende zum Neuling: So lassen sich die letzten Wochen im Leben von Toni Polster zusammenfassen. Der 49-Jährige ist der älteste und zugleich der unerfahrenste Trainer der Bundesliga. Der frühere Italien-, Spanien- und Deutschland-Legionär hat es in die Südstadt geschafft. Das darf durchaus als Aufstieg verstanden werden. Mit der Admira startete er am Freitag im Cup in Seekirchen (2:0) in seine neue Karriere.

KURIER: Herr Polster, wie fühlt es sich an, Bundesliga-Trainer zu sein?
Toni Polster:
Darauf habe ich seit meiner Trainerprüfung hingearbeitet. Die Vorfreude ist gewaltig, obwohl ich weiß, dass es ein sehr schwieriges Jahr für uns werden wird.

Wie haben Sie mit den Spielern die vorige, schlechte Saison (Platz 9) aufgearbeitet?
Man muss es ansprechen. Man muss aber im Ton vorsichtiger sein als mit einer Mannschaft, die das Siegen gewohnt ist. Die Spieler waren verunsichert, auch die Neuzugänge: Domoraud ist mit Mattersburg abgestiegen, Zwierschitz hat mit St. Pölten wenig gewonnen.

Stichwort Neuzugänge: Die Admira muss sparen. Das klingt nach einer schwierigen Ausgangslage für ein Trainerdebüt.
Das war mir bewusst, als ich unterschrieben habe. Wir müssen uns noch gezielter als Ausbildungsverein definieren. Es besteht zudem das Risiko, dass wir im Winter wieder wichtige Spieler verlieren. Sollte das so sein, haben wir zumindest nicht allzu viel schlecht gemacht.

Der Verein erhofft sich durch Ihre Verpflichtung auch einen Publikumszuspruch.
Realistisch ist das nicht. Ich bin nicht der erste namhafte Trainer in der Südstadt. Das Wichtigste sind immer noch die Spieler. Jeder Trainer, der sich wichtiger nimmt als seine Spieler, wird irgendwann scheitern.

Hatten Sie Zweifel, dass es mit der Bundesliga vielleicht doch nichts mehr wird?
Es gab diese Momente. Weil man es als Trainer nicht beeinflussen kann. Als Spieler hab’ ich gewusst: Wenn ich zwanzig Tore schieße, werden die Angebote kommen. Ich finde nicht, dass ich in der Vergangenheit unbedingt unerfolgreich war. Auch wenn das nur im Amateurbetrieb war: Meister mit den LASK Juniors, zwei Mal Meister mit Wiener Viktoria. Trotzdem kann ich nicht sagen, dass sich die Angebote gehäuft haben.

Woran lag’s?
Als Hauptargument galt, dass mir die Erfahrung fehlt. Da kann ich nur lachen. Ich war zwanzig Jahre Profi und das in den besten Ligen der Welt.

Ist ein guter Fußballer automatisch auch ein guter Trainer?
Nicht zwingend. Es kommt ja nicht nur auf das Fußballerische an.

Sondern?
Du musst eine Gruppe mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aus sehr unterschiedlichen Schichten kommen, führen und zu allen dieselbe Vertrauensbasis aufbauen können. Und dazu noch ein abwechslungsreiches Trainingsprogramm anbieten können. Das muss nicht jeder Fußballer können. Ich trau’ mir das zu.

Was dürfen die Spieler von Ihnen erwarten?
Ehrlichkeit und Respekt. Das ist die Basis.

Sie gelten als Schmähbruder. Wie weit darf beim Trainer Polster der Spaß gehen?
Ich halte das schon für einen wichtigen Pfeiler. Sport soll ja auch unterhalten.

Sie haben in Köln mit den Thekenschlampen gesungen, waren ein Dancing Star. Ihre Hemmschwelle scheint niedrig ...
Hemmschwelle hört sich so negativ an. Ich war ja nicht Schlamm-Catchen oder bin mit dem Lugner durch Österreich gezogen. Alles, was ich gemacht habe, konnte ich moralisch vertreten. Ich muss mich für nichts genieren. In den letzten vier Jahren war es mir aber ein Anliegen, als Trainer wahrgenommen zu werden. Ich hab’ mehr Anfragen abgelehnt als angenommen. Benefizveranstaltungen ausgenommen, weil ich finde, dass man auch etwas zurückgeben muss.

Wie sehen Sie die österreichische Bundesliga?
Unsere Liga wird in der Welt kaum noch wahrgenommen. Früher haben wir im Europacup noch eine größere Rolle gespielt. Nun ist das höchste der Gefühle die Gruppenphase der Europa League. Die Champions League ist sehr weit weg.

Aber das Nationalteam muss Ihnen doch Freude bereiten?
Das Nationalteam hat eine Chance auf eine Endrunde, aber der Weg ist noch weit. Was die Entwicklung betrifft, ist die Mannschaft unter Teamchef Marcel Koller auf einem guten Weg. Ob das reicht, ist eine andere Frage. Irgendwann sollte jetzt aber wieder einmal eine Qualifikation herausschauen.

Admira Wacker

Nach dem freiwilligen Abgang von Trainer Dietmar Kühbauer weht ein frischer Wind durch die Südstadt, doch die Brise ist frisch. Der Klub ist chronisch unterfinanziert, was die Möglichkeiten begrenzt. Qualität ist dank der guten Akademie weiterhin vorhanden, doch schon im Winter droht der nächste Aderlass.

KURIER-Prognose Platz 8

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