Sport | Fußball
07.06.2018

Peter Zulj: Rechtzeitig die Kurve gekratzt

Peter Zulj wurde innerhalb eines Jahres vom Absteiger zum Aufsteiger des Jahres.

Teamchef Franco Foda plauderte aus dem Nähkästchen. Er erzählte von der Pause im Spiel gegen Deutschland. Da ging er auf Mittelfeldspieler Peter Zulj zu und erkundigte sich nach dessen Wohlbefinden. Der Spieler blies demonstrativ durch, Foda musste schmunzeln. „Ich habe ihm gesagt, dass er sich hier auf allerhöchstem Niveau befindet.“

Und einen guten Rat gab er ihm mit in die zweite Hälfte. „Er ist immer wieder zu direkt auf Niklas Süle aufgelaufen.“ Das ist jener deutsche Einbauschrank, der im Brotberuf Innenverteidiger ist. Zulj zog in den Zweikämpfen meist den Kürzeren. „Ich habe ihm geraten, dass er sich mehr in den Zwischenräumen aufhalten soll.“ Zulj hörte auf seinen Teamchef und kam in der Folge viel besser zur Geltung. „Peter kann sich in einem Spiel immer steigern“, lobte Foda seinen Schützling, den er zunächst bei Sturm förderte, und jetzt setzt er auch im Nationalteam auf dessen Qualitäten.

Vor einem Jahr war Zulj noch mit Ried aus der Bundesliga abgestiegen, 2018 stand er bei den Siegen gegen Russland und Deutschland nicht nur in der Startelf, er rechtfertigte seine Berücksichtigung mit starken Auftritten. Er selbst behauptet von sich, manches kapiert zu haben. Dass zum Beispiel der Lebenswandel abseits des Platzes die Leistung auf dem Feld durchaus beeinflussen kann. Professioneller sei seine Einstellung geworden. Foda: „Er weiß, wo er hin will.“ Mit dem als schwierig geltenden Kicker hatte er auch als Sturm-Trainer keine Probleme. „Wichtig ist, dass man einen Draht zum Spieler findet und versteht, wie er tickt.“

Furchtlos

Seinen Platz in der Nationalmannschaft hat Zulj jedenfalls schnell gefunden, gut möglich, dass er sich am Sonntag auch mit Brasilien und Superstar Neymar messen darf. „Angst habe ich keine, das ist im Fußball nie gut“, meint der Oberösterreicher. „Ich bringe meine Fähigkeiten ganz gut ein“, lautete seine Bilanz. Gegen Deutschland trat er nicht auf, als würde er erst sein drittes Länderspiel absolvieren. „Wir arbeiten als Mannschaft richtig gut zusammen“, betonte Zulj nach dem Erfolg gegen den Weltmeister. „Aber es war dennoch nur ein Testspiel. Wenn es ein Wettbewerbsspiel gewesen wäre, wäre es mir lie-ber.“ Geht sein Aufstieg, den der Volksmund wohl kometenhaft nennen würde, in diesem Tempo weiter, dann wird er wohl nicht mehr lange Mittelfeldspieler in Diensten von Sturm Graz sein.

Wunsch-Liga

Eine Wunschliga hat der erst 24-Jährige bereits: „Deutschland ist mein Ziel. Ich möchte zu meinem Bruder in die deutsche Liga.“ Robert Zulj ist dort Reservist bei 1899 Hoffenheim. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Peter würde aber auch Angebote aus anderen Topligen nicht ausschlagen. Nach dem Brasilien-Spiel und dem anschließenden Urlaub soll es eine Lösung geben.

Ein starker Auftritt am Sonntag in Wien wäre die ideale Bewerbung für den nächsten Schritt.