Sport | Fußball
02.10.2018

Peter Haring, ein Burgenländer beim schottischen Leader

Der 25-Jährige führt mit Heart of Midlothian überraschend die schottische Liga an.

Donnerstag ist Schottland-Tag in der Europa League. Salzburg empfängt Celtic Glasgow (18.55 Uhr, live DAZN), und Rapid spielt bei den Glasgow Rangers (21 Uhr, live Puls4 und DAZN). Der schottische Klub der Stunde ist aber Heart of Midlothian. Der Verein aus Edinburgh, für den Thomas Flögel einst erfolgreich gespielt hatte, ist nach sieben Runden ungeschlagen, liegt mit 19 Punkten an der Spitze. Celtic ist mit 13 Punkten Fünfter, die Rangers sind mit elf Punkten Sechster.

Seit Sommer ist ein Österreicher bei den „Hearts“. Peter Haring, 25, ist im zentralen Mittelfeld gesetzt, hat schon fünf Tore (drei in der Meisterschaft, zwei im Ligacup) erzielt.

KURIER: Haben Sie Ihr fußballerisches Glück gefunden?

Peter Haring: Das hat mit Glück nichts zu tun, das habe ich mir in den letzten Jahren hart erarbeitet.

Sie spielen mit 25 Jahren erstmals in einer höchsten Liga und das bei einem Sensationsteam.

Ein bisschen Glück gehört schon dazu, dass es von Anfang an so läuft und dass ich in den ersten Spielen gleich drei Tore geschossen habe.

Sie sind ein Späterstarter, schon im Nachwuchs ging es nicht nur nach oben.

Mit 14 Jahren kam ich zum Nachwuchs von Rapid. Wegen Wachstumsproblemen hat man mir gesagt, dass es nicht für die U17 reicht. Da war ich natürlich traurig, habe dann

in der burgenländischen Landesliga gespielt. Da wurde Rapid wieder auf mich aufmerksam, und ich wurde zu den Amateuren geholt. Als dann Trainer Barisic zu den Profis aufgestiegen ist, durfte ich dort mittrainieren. Ich war auf keinem schlechten Weg. Dann hatte ich zur schlechtesten Zeit eine Operation und fast ein Jahr Pause.

Haben Sie noch Schmerzen?

Jetzt habe ich keine Probleme. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die Operation noch früher zu machen. Ich hatte eine Fehlstellung, weshalb mir die Kniescheibe oft rausgesprungen ist.

Danach spielten sie in der zweiten Bundesliga.

Lustenau war danach ein wichtiger und richtiger Schritt mit zwei guten Jahren. Ried war dann sportlich nicht so toll. Weil der Aufstieg verpasst wurde, konnte ich aus meinem Vertrag aussteigen.

Wie kamen Sie auf Schottland?

Ich wollte den nächsten Schritt machen und in die Bundesliga. Dann kam die Anfrage von den Hearts. Ich bin gleich für einen Tag hingeflogen, habe mit Trainer Craig Levein geredet. Ich habe gewusst, dass das ein Traditionsklub aus Edinburgh ist, aber da habe ich gesehen, wie groß der Klub ist.

Wie groß ist der Klub?

Wir sind vom Flughafen gleich zum Trainingsgelände. Das ist ein Sportkomplex auf dem Uni-Campus, wo es auch eine Indoor-Kunstrasenhalle gibt. Das Stadion ist typisch britisch. Und die Aussicht jede zweite Woche vor knapp 20.000 Zuschauern zu spielen und das eine oder andere Mal gegen Klubs wie die Celtics oder die Rangers – das hat mich überzeugt.

Und jetzt stehen Sie in der Tabelle ganz oben.

Bei den Hearts hat sich niemand so einen Start erwartet. Die Mannschaft war letzte Saison Sechster. Im Sommer sind fast 20 neue Spieler gekommen. Es war nicht zu erwarten, dass das so schnell zusammenwächst. Wir kennen uns erst seit drei Monaten, aber wir sind schon eine Einheit mit ein paar coolen Typen. Das Selbstvertrauen ist sehr hoch, der Spaß natürlich auch. Zurzeit ist es richtig geil.

Wie lebt es sich als Tabellenführer in Schottland?

Ich habe eine Wohnung fast im Zentrum von Edinburgh. Nach dem tollen Start werde ich ab und zu schon von den Fans erkannt und angesprochen. In der Länderspielpause war ich das erste Mal auf Heimaturlaub. Die Heimreise aus Vorarlberg hat auch nicht länger gedauert. Nur dass ich da im Zug gesessen bin und jetzt das Flugzeug nehme.

Welche Rolle spielen Sie?

Der Trainer plante mit mir als Innenverteidiger, hat aber gewusst, dass ich auch im defensiven Mittelfeld spielen kann. Mir selbst macht es auf der Sechser-Position im Mittelfeld am meisten Spaß.

Ist die schottische Liga so schlecht wie die Bundesliga?

Was heißt schlecht? Ich finde, dass die österreichische Liga besser ist als ihr Image. Die schottische Liga ist ähnlich von den Leistungen und der Struktur. Der Unterschied ist, dass in Schottland der Fanzuspruch größer ist, die Stadien besser gefüllt.

Folgt nur ein Jahr nach dem Debüt in einer höchsten Liga bald der Erstauftritt im Europacup?

Da sind noch viele Spiele dazwischen. Aber der Anspruch der Hearts ist es, wieder die dritte Kraft im schottischen Fußball zu werden. Damit wäre zumindest die Qualifikation für die Europa League sicher.

Apropos Europa League. Wie stehen die Chancen der österreichischen Klubs gegen jene aus Glasgow?

Celtic Glasgow hat eine starke Mannschaft, kann an einem schlechten Tag aber verlieren – wie gegen uns. So wie die Salzburger in Leipzig aufgetreten sind, sind sie für mich nicht nur Favorit gegen Celtic, sondern darüber hinaus Anwärter auf den Gruppensieg. Die Rangers wiederum haben im Sommer viel verändert und unter anderem Kyle Lafferty geholt, der letztes Jahr Topscorer bei den Hearts war. Der Start in die Saison war bisher nicht so optimal, trotzdem sind sie immer noch ein Topteam.