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30.10.2017

Offiziell: Franco Foda ist neuer ÖFB-Teamchef

Franco Foda übernimmt die Rolle des ÖFB-Teamchefs. Die interne Abstimmung fiel einstimmig zugunsten des Deutschen aus.

Der ÖFB hat am Montag bestätigt, dass Franco Foda neuer Teamchef wird. Der Deutsche wird für die Dauer des Trainingslagers von Sturm Graz beurlaubt und auch beim Freundschaftsspiel gegen Uruguay am 14. November auf der Trainerbank sitzen, bleibt aber bis Jahresende Trainer des SK Sturm. Der 51-Jährige erhielt beim ÖFB einen Vertrag bis zum Ende der EM-Qualifikation 2019. Sollte die Turnier-Teilnahme geschafft werden, würde sich der Kontrakt automatisch bis Sommer 2020 verlängern.

Der neue ÖFB-Trainer Franco Foda im Portrait!

Am Ende eines langen Tages sprach ÖFB-Präsident Leo Windtner aus, was die Spatzen schon tagelang von den Dächern gepfiffen hatten. Nicht der Fink, auch nicht ein Herzog wurden ÖFB-Teamchef, sondern Franco Foda, noch Trainer von Sturm Graz. Das verkündete Windtner um 18.30 Uhr am Ufer der Donau. „Nach einer soliden Auswahl wählte das Präsidium einstimmig Franco Foda“, so die offizielle Version.

Der Deutsche erhält einen Vertrag von 1. Jänner 2018 bis zum 31. Dezember 2019. Bei einer Qualifikation für die EM 2020 verlängert sich der Kontrakt automatisch bis zum Ende des Turniers. Foda wird Imre Szabics und Thomas Kristl als seine Assistenten zum ÖFB mitnehmen. Für das Trainingslager in Marbella ab 6. November sowie das Länderspiel am 14. November in Wien gegen Uruguay wird Foda von seinem Klub Sturm Graz freigestellt. „Foda soll mit dem Team dort anschließen, wo Koller die Mannschaft übergibt“, wünscht sich Windtner.

Die Auserwählten

Zu Beginn des Tages standen noch Foda, Fink und Herzog zur Auswahl. Da der Austria-Coach im ersten Wahlgang aber keine Stimme erhielt, wurde die Suche nach dem ÖFB-Teamchef zu einem Zweikampf zwischen alten Bekannten. Hier Foda, der schon 2011 Kandidat gewesen war und letztlich gegen Marcel Koller den Kürzeren gezogen hatte. Dort Herzog, der ewige Kandidat, der auch diesmal nur die Prinzenrolle einnehmen musste. Dementsprechend enttäuscht soll er reagiert haben.

Denn bei der nächsten Abstimmung hatte er keine Chance mehr, weil sich auch die Bundesliga (Rinner, Fuchs und Kraetschmer) einstimmig mit drei Stimmen für Foda aussprach. Dazu kamen Präsident Windtner und fünf Landesverbands-Präsidenten. KURIER-Informationen zufolge sollen nur Hübel (Salzburg), Sedlacek (Wien), Milletich (Burgenland) und Geisler (Tirol) für den Rekord-Nationalteamspieler votiert haben. Laut Windtner ergab sich im finalen Durchgang aber doch noch eine Einstimmigkeit im Präsidium.

Viele Gespräche

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel skizzierte die Entscheidungsfindung vom 7. Oktober weg bis zum gestrigen Tag. Die erste Kandidaten-Liste wurde auf acht Namen reduziert, gesprochen wurde auch mit Rene Weiler (will Vereinstrainer bleiben), Markus Weinzierl (Ablöseprobleme mit Schalke), Niko Kovac (Frankfurt-Trainer), Peter Stöger (Köln-Trainer) und Adi Hütter (Bern-Coach). „Stöger hat uns als Thema am längsten beschäftigt, es war eine Hängepartie, ich habe am Ende fast täglich mit ihm telefoniert. Fakt ist aber, dass er immer noch Köln-Trainer ist.“

Warum die Wahl letztlich auf Foda gefallen ist, konnte Präsident Windtner nicht schlüssig erklären. Stöger war jedenfalls der Wunschkandidat. Schöttel glaubt jedoch zu 100 Prozent an Foda. „Ich traue ihm zu, dass er mit dieser Mannschaft in den nächsten Jahren erfolgreich arbeiten wird. Er ist konsequent, beinhart in seinem Weg.“ Schöttel weiß, wovon er spricht, hat er als Trainer doch oft gegen Fodas Sturm gespielt. „Es war interessant zu sehen, dass Foda in den letzten Monaten oft sehr flexibel reagiert hat.“

Noch nie hatte ein Teamchef eine so lange Vorlaufzeit, denn ernst wird es erst im September 2018 mit Beginn der Nations League.

Adaptierungen sind zu erwarten

Und doch dürfte sich für die ÖFB-Teamspieler einiges verändern. Während Koller bemüht war, ein Nationalteam-Camp als "Wohlfühloase" zu gestalten, ist Foda für einen weniger zimperlichen Umgang mit seinen Kickern bekannt. Vor allem für jene Profis, denen ein eher schwieriger Charakter nachgesagt wird, könnten härtere Zeiten mit weniger Freiheiten anbrechen.

Adaptierungen sind wohl auch bei Taktik und System zu erwarten. Unter Koller versuchte die ÖFB-Auswahl zumeist, mit viel Pressing dominant aufzutreten. Foda kann sich auch für eine eher reaktive Spielweise erwärmen, was ihm in der Vergangenheit des öfteren Kritik einbrachte. Allerdings legte er bei Sturm gerade in dieser Saison, etwa durch das oftmalige Zurückgreifen auf eine Dreierkette, eine ungewohnte Flexibilität an den Tag.

Legenden-Team von Osim

Mit seiner Arbeitsweise ist der zweifache Familienvater bisher gut gefahren. 2010 führte Foda Sturm Graz zum Cup-Titel, ein Jahr später holte der 51-Jährige mit den "Blackys" trotz der finanziellen Übermacht von Red Bull Salzburg, Rapid und Austria sogar die Meisterschaft. 2009 und 2011 qualifizierte sich der in Mainz geborene Sohn eines Italieners und einer Deutschen mit den Steirern für die Gruppenphase der Europa League.

Damit war der Neo-Teamchef an praktisch allen Erfolgen in der Clubgeschichte von Sturm beteiligt. Als Spieler und Mitglied der legendären Mannschaft von Coach Ivan Osim gewann der ehemalige Defensivspezialist mit den Grazern zweimal die Meisterschaft (1998, 1999), einmal den Cup (1999) und schaffte es dreimal in die Champions League (1998, 1999, 2000). Davor holte der zweifache DFB-Internationale mit dem 1. FC Kaiserslautern (1990) und Bayer Leverkusen (1993) den deutschen Pokal. Seine einzige Trainertätigkeit abseits von Sturm führte ihn 2012 nach Kaiserslautern. Mit den "Roten Teufeln" verpasste er 2013 erst im Play-off den Aufstieg in die deutsche Bundesliga, im darauffolgenden August wurde er entlassen.

Franco Foda

Geboren: 23. April 1966 in Mainz als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters

Familienstand: verheiratet, zwei Söhne

Stationen als Spieler

Position als Spieler: Verteidiger

  • Mainz (1973-1981)
  • 1. FC Kaiserslautern (1981-1984)
  • Arminia Bielefeld (1984-1985)
  • 1. FC Saarbrücken (1985-1987)
  • Kaiserslautern (1987-1990)
  • Bayer Leverkusen (1990-1994)
  • VfB Stuttgart (1994-1996)
  • FC Basel (1996-1997)
  • Sturm Graz (Sommer 1997 bis Karriereende Sommer 2001)

Erfolge als Spieler:

  • Deutscher Cup-Sieger mit 1. FC Kaiserslautern (1990) und Bayer Leverkusen (1993)
  • Zwei österreichische Meistertitel mit Sturm Graz (1998, 1999)
  • Österreichischer Cup-Sieger mit Sturm Graz (1999)
  • Zweimal österreichischer Supercup-Sieger mit Sturm Graz (1998,1999)
  • Champions-League-Gruppensieg und Aufstieg in die Zwischenrunde mit Sturm Graz (2000/01)
  • Drei Champions-League-Teilnahmen mit Sturm Graz (1998/99, 1999/2000, 2000/01)
  • Zwei Länderspiele für Deutschland (ein Remis, eine Niederlage)

Erfolge als Trainer:

  • Österreichischer Meister mit Sturm Graz (2011)
  • Österreichischer Cup-Sieger mit Sturm Graz (2010)
  • Zwei Europa-League-Teilnahmen mit Sturm Graz (2009/10, 2011/12)
  • Platz drei mit Kaiserslautern in 2. deutscher Liga (Aufstieg im Play-off verpasst/2013)

Bisherige Trainer-Tätigkeiten:

  • Saison 2001/02 bis September 2002: Trainer Sturm Graz Amateure
  • September 2002: interimistischer Trainer Sturm Graz, Nachfolger von Langzeit-Coach Ivan Osim
  • November 2002 - Mai 2003: Cheftrainer Sturm Graz
  • Juni 2003 - 31. Mai 2006: Trainer Sturm Graz Amateure
  • 1. Juni 2006 - 12. April 2012: Cheftrainer Sturm Graz
  • 1. Juli 2012 - 29. August 2013: Cheftrainer 1. FC Kaiserslautern
  • 30. September 2014 - 31. Dezember 2017: Cheftrainer Sturm Graz
  • Ab 1. Jänner 2018: ÖFB-Teamchef (zuvor schon im Testspiel gegen Uruguay am 14. November)