Rangnick-Assistent: "Bei Ralf musst du deine Meinung erklären können“
Stefan Oesen
Seit 2020 ist Stefan Oesen beim ÖFB. Nach Stationen bei Salzburgs Kooperationsklub FC Liefering und Rapid, wo er Didi Kühbauer als Assistent zuarbeitete, war der 41-jährige Salzburger zunächst Spielanalyst. Seit 2024 ist er einer von drei Co-Trainern des Teamchefs und als solcher für die Standardsituationen verantwortlich.
Zwischen den Partien gegen Jordanien und Argentinien gewährte Oesen in Santa Barbara verschiedene Einblicke.
Wie findet man die ideale Aufstellung?
Im Trainerbüro gibt es ein Whiteboard mit den Namen der Spieler als Magnet. „Die picken die ganze Trainingswoche schon oben“, sagt Oesen. Auf manchen Positionen seien eben zwei Namen. „Bis zum Spiel tauschen Positionen und der eine oder andere Magnet kommt weg.“
Jeder der Co-Trainer hat eine Spielphase als Verantwortungsbereich. Während Lars Kornetka das Spiel gegen den Ball verantwortet („Pressing“), gilt Onur Cinel als Experte für den eigenen Ballbesitz. „Einer von uns stellt dann sein Konzept für seine Spielphase vor und erklärt, warum welcher Spieler dazu passen würde.“
Am Ende sei es so, dass sich Ralf Rangnick mit diesen Meinungen dann „hinarbeitet“, zu seiner Aufstellung, bei der er selbst als Teamchef natürlich das letzte Wort hat. Ob es da auch intensive Diskussionen gibt? Oesen: „Das ist überraschend harmonisch.“ Obwohl es um so viel geht, bei einer WM? „Ja, da könnte man tatsächlich glauben, dass auch einmal gestritten wird.“ Das sei aber nicht der Fall.
Es gebe jedenfalls kein Denkverbot. „Es darf jeder alles sagen, und es wird dir nie drübergefahren über deine Meinung. Aber beim Ralf musst du deine Meinung halt auch erklären können.“ Eine Meinung in den Raum werfen und sie nicht erklären können, sei zu wenig. Oesen: „Stell dir vor, wir würden in einer Welt leben, wo nur noch alle mitreden, die sich etwas dazu gedacht haben. Da wären manche richtig ruhig.“
Steht die Startelf wieder drei Tage vor dem Spiel?
Nein, diesmal wird sich das Trainerteam später festlegen. Oesen erklärt: „Bis zum Test gegen Tunesien haben wir stark an den Prinzipien gearbeitet, dann gab es zwei Tage frei.“ In Santa Barbara wurde zunächst weiter an den Basics gefeilt, ehe man sich vergangenen Samstag auf die Startelf für das Jordanien-Spiel festgelegt hat.
„Ab da haben wir intensiv trainiert, um noch mehr Sequenzen hinein zu bringen. Jetzt ist es die klassische Vorbereitung, wie wir es im Nationalteam kennen. Wann man sich zur Aufstellung deklariert, ist nicht so wichtig.“ Zudem muss abgewartet werden, welche Spieler womöglich angeschlagen sind.
Freut man sich mehr auf die kommenden Partien, weil es Österreich entgegenkommt, wenn der Gegner selbst das Spiel machen will?
„Würde ich nicht sagen, weil wir uns sehr auf Jordanien gefreut haben. Es war ja das erste WM-Spiel, also etwas ganz Besonderes.“ Man habe gewusst, dass man gegen Jordanien viel Ballbesitz haben werde“, so Oesen. 60 Prozent waren es letztlich. „Eigentlich hätte ich noch mehr erwartet, aber die Jordanier waren richtig giftig und haben es uns schwer gemacht, ruhigen Ballbesitz zu haben.“ Gegen Argentinien wird sich der Ballbesitz in Richtung des Gegners verschieben.
Arbeitet das Trainerteam rund um die Uhr?
Trainer seien nicht nur dazu da, Gegner zu analysieren und einen Plan auszuarbeiten, so Oesen. „Am Ende soltest du im Training ja auch eine Energie am Platz hineinbringen.“ Und zwar nicht nur, wenn alle Stars am Platz stehen, sondern etwa auch im Spielersatztraining am Tag nach dem jeweiligen Spiel mit den Reservisten. „Die zwölf Spieler, die da trainieren, haben es sich genauso verdient, dass wir Energie hineinbringen und das Training so behandeln, als wäre es genauso wichtig wie jedes andere.“
Deshalb sei es wichtig, sich nicht selbst zu geißeln. „Wenn man glaubt, man muss 24/7 im Büro sitzen und sieht die Sonne nicht, dann wird sich das über eineinhalb Monate nicht ausgehen, dass du Energiegeber bist.“ Nachsatz: „Wenn ich jetzt einmal zwei Stunden am Pool liege, habe ich auch kein schlechtes Gewissen.“
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