Warum Rangnicks ÖFB-Team reif für die WM ist

Österreich hat Ghana 5:1 und Südkorea 1:0 geschlagen und gezeigt, dass man reif ist für die WM. Raum für Verbesserung gibt es aber.
Marcel Sabitzer ist in WM-Form

Noch zwei Monate, zwei Wochen und zwei Tage, dann ist es so weit und Österreich startet in Santa Clara gegen Jordanien in die WM. Was in den Tests gegen Ghana und Südkorea aufgefallen ist.

  • Personal

Wenn Ralf Rangnick auch bei der WM aus diesem Repertoire an Spielern wählen kann, wird er nicht unglücklich sein. Österreichs Teamchef hat nicht nur mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka zwei hochtalentierte Alternativen dazu bekommen, auch die Rückkehr von Sasa Kalajdzic lässt hoffen. Der Stürmer deutete am Dienstag in seinem 20-minütigen Einsatz gegen Südkorea an, dass er dazu in der Lage ist, das Offensivspiel zu bereichern, indem er Bälle behaupten und Mitspieler einsetzen kann.

Groß ist der Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung, weil hinter der Fitness von David Alaba ebenso ein Fragezeichen steht wie hinter jener von Maximilian Wöber. Weil Rangnick aber immer einen Linksfuß aufbieten will, hat Marco Friedl sein WM-Ticket schon so gut wie fix in der Tasche. Kapitän Alaba meint: „Die Qualität ist enorm bei uns. Jetzt haben wir noch neue Spieler dazugewonnen, wir sind in der Breite sehr gut aufgestellt.“

  • Effizienz

Wenn die Österreicher bei der Weltmeisterschaft so kaltschnäuzig sind, wenn sie vor das Tor kommen wie in diesen beiden Testspielen, dann werden sie weit kommen. Ein paar Zahlen untermauern das: Gegen Ghana brachten die Österreicher sieben von zehn Schüssen aufs Tor. Diese 70 Prozent an Schussgenauigkeit sind ein extrem hoher Wert, in der Ära Rangnick war er in zuvor 55 Spielen nur zwei Mal höher.

Dass von sieben Schüssen aufs Tor schließlich auch fünf im Netz landeten, war ebenso bemerkenswert. Dazu passt, dass Österreich gegen Südkorea mit dem ersten Schuss in Führung ging und die Partie letztlich dadurch gewann. Dass das ÖFB-Team gegen die Asiaten allerdings nur vier Schüsse abfeuerte, steht auf einem anderen Papier ...

  • Ballbesitzspiel

... und zwar auf diesem: Den Koreanern gelang es wie zuletzt nur wenigen Teams, die Österreicher von ihrem Tor fernzuhalten. Man kann davon ausgehen, dass sich etwa WM-Auftaktgegner Jordanien genau ansehen wird, wie die Koreaner dies gemacht haben. Auffällig war, wie gut die Fünferabwehrkette des Gegners organisiert war. Die Österreicher hatten zeitweise Probleme damit, diese Abwehr zu knacken.

In der zweiten Halbzeit, vor allem gleich beim Tor von Marcel Sabitzer in Minute 48, gelang das schon besser, weil man den Raum vor der Abwehr personell besser besetzte und dadurch in Folge den Druck erhöhen konnte. Aus dieser Partie können die Österreicher wichtige Erkenntnisse gewinnen. David Alaba macht sich jedenfalls keine Sorgen: „Wir haben die Spieler, die ein gutes Raumgefühl haben. Wir haben die Spieler, die diesen Raum belaufen, und wir haben auch die Spieler, die diese Pässe hinter diese Kette spielen können.“

  • Reife

Die erste Hälfte gegen Ghana war noch nicht das Gelbe vom Ei und die Partie gegen Südkorea stand ohnehin immer auf des Messers Schneide. Die Resultate sind bekannt und darauf zurückzuführen, dass dieses Team nicht mehr leicht aus der Ruhe zu bringen und entsprechend geduldig ist. Alle Rangnickschen Abläufe, sei es mit oder gegen den Ball, sind in Fleisch und Blut übergegangen. Bei der WM wird sich obendrein die Turniererfahrung vieler Spieler von den Europameisterschaften 2021 und 2024 positiv auswirken.

  • Teamgeist

Dass sich Österreichs Spieler gerne haben, ist nicht die neueste Erkenntnis, aber sie wurde bei dieser Zusammenkunft noch einmal untermauert. Wie das Team die „Neuzugänge“ Wanner und Chukwuemeka integriert hat, sodass es die beiden sofort mit guten Leistungen auch danken konnten, ist nicht selbstverständlich. Denn Fakt ist auch: Wegen der beiden wird wohl der eine oder andere, der bei der Qualifikation dabei war, am Ende zu Hause bleiben müssen. Fußball kann gleichermaßen schön wie schmerzhaft sein.

  • Resultate

„Für Siege gibt es keinen Ersatz“, hatte Rangnick vor den beiden Partien gesagt. Am Ende ist Fußball ein Ergebnissport, und in dieser Kategorie haben die Österreicher diesmal zahlenmäßig die 100 Prozent erreicht, was sich wiederum positiv auf die mentale Verfassung aller Beteiligten auswirken wird. Mit einem entsprechend guten Gefühl werden die Teamspieler in den nächsten sieben Wochen bei ihren Klubs ans Werk gehen, ehe sie Ende Mai wieder zusammentreffen, um den letzten WM-Feinschliff zu bekommen. Fazit: Würde die WM heute beginnen, wäre das für Österreich kein Problem. Das Team ist bereit.

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