Grenzgänger im ÖFB: Wer vor Wanner und Chukwuemeka kam
Paul Wanner und Carney Chukwuemeka
Der eine glänzte in 27 deutschen Nachwuchsländerspielen, dem anderen wurden als bestem englischen Jugendspieler Vorschusslorbeeren umgehängt. Noch im März aber werden Paul Wanner, 20, und Carney Chukwuemeka, 22, das österreichische Nationaltrikot tragen. Was nicht bedeutet, dass sie WM-Fixstarter sind, zumal Ralf Rangnick auf ihren Mittelfeld-Positionen über bewährtes Personal verfügt.
Der vom FC Bayern ausgebildete Wanner (jetzt Eindhoven-Legionär) konnte Ja zu A sagen, zumal seine Mama Vorarlbergerin ist. Der in Wien geborene Chukwuemeka (aktuell im Dortmund-Kader) besaß mit Nigeria eine weitere Option. So wie einst David Alaba.
Mittlerweile bekommen quer durch die globalisierte Kickerbranche Einheimische nicht nur in den Klubs, sondern auch in Nationalteams durch Grenzgänger immer mehr Konkurrenz. Wobei gerade Spieler mit Migrationshintergrund Kreativität auszeichnet. Siehe Barcelonas Wunderkind Lamine Yamal, dessen Eltern quer durch die afrikanische Wüste Richtung iberische Halbinsel marschiert waren. Siehe Jamal Musiala, Serge Gnabry, Leroy Sané, die deutsche Länderspiele bereichern. Siehe angefangen von Kilian Mappé Frankreichs halbes Nationalteam.
Anders als jetzt Wanner war dem heutigen Rapid-Geschäftsführer Steffen Hofmann wegen dessen Vergangenheit als deutscher Jugendnationalspieler das Antreten für Österreich bei der Heim-EM 2008 trotz einer Zusage vom damaligen FIFA-Präsident Joseph Blatter untersagt worden. Erst nach der EM hob die FIFA diese Verbotsregel auf.
Der erste Deutsche im ÖFB-Trikot, Bernd Krauss, hatte indes, zumal nie in deutschen Auswahlen gewesen, bei der WM ’82 für Rot-Weiß-Rot spielen dürfen. Der Ex-Rapidler nahm längst wieder die deutscher Staatsbürgerschaft an.
Weitere „Pioniere“
Als erster Niederländer traf Frenkie Schinkels 1992 just beim 1:2 gegen seine Landsleute für Österreich. Noch als End-Fünfziger schnürte er im NÖ-Unterhaus die Stoppelschuhe.
Der erste Kroate im ÖFB-Trikot, Ivica Vastic, imponierte nicht nur wegen seiner 14 in 50 Länderspielen erzielten Tore. Weniger spektakulär verlief danach seine Trainerkarriere. Sohn Toni begnügt sich in der NÖ-Gebietsliga mit der Torjäger-Rolle bei Gablitz.
Zum ersten türkisch-stämmigen ÖFB-Teamspieler wurde Volkan Kahraman, als ihn Hans Krankl in Weißrussland 83 EM-Quali-Minuten lang anstelle von Andreas Herzog Regie führen ließ. Das 2:0 besorgte danach der im Finish eingetauschte Muhammet Akagündüz, der danach weitere neun Male für Österreich stürmte.
Kahraman ist 2023 im Zuge einer Eifersuchtstragödie vom damaligen Sponsor des Wiener Ligaklubs Ostbahn in Wien 11 auf offener Straße erschossen und in der Heimat seiner Eltern beigesetzt worden.
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