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Interview
05/10/2021

ÖFB-Verteidiger Dragovic: "Auch wenn ich nur ein Bein habe"

Österreichs routiniertester Teamspieler über seinen verschossenen Elfer bei der EM 2016, seine Liebe zum Nationalteam und zu Roter Stern Belgrad.

von Andreas Heidenreich

Durch einen verschossenen Elfmeter gegen Island wurde Aleksandar Dragovic bei der EM 2016 für viele zum Buhmann. Fünf Jahre später ist der Verteidiger mit 89 Länderspielen der routinierteste Österreicher bei der bevorstehenden Europameisterschaft, die für Österreich am 13. Juni in Bukarest gegen Nordmazedonien beginnt. Der 30-Jährige über Nervosität, Vorfreude und seine Zukunft.

KURIER: Wie oft denken Sie noch an den verschossenen Elfmeter gegen Island?

Aleksandar Dragovic: Selten. Ab und zu ist es im Hinterkopf. Hätte ich getroffen, wäre es 1:1 gestanden, vielleicht hätte das auch nicht gereicht. Das ist das Einzige, was ich noch positiv daran sehe. Aber es war schmerzhaft und hat mich sehr zurückgeworfen.

Gibt es Ihnen zusätzlich Motivation für Ihre zweite nun bevorstehende EM?

Ja, klar. Wir haben es alle verkackt, ich natürlich noch mehr mit der Roten Karte gegen Ungarn und dem Elfmeter. Aber wir müssen jetzt keine großen Töne spucken. Wir waren schon einmal dabei, das ist ein Riesenvorteil, Nordmazedonien noch nicht.

Wieso ist das ein Vorteil?

Beim ersten Mal ist es immer ein Druck, den man sich selber macht, und Nervosität. Das müssen wir abstellen. Der Trainer wird uns wie immer gut vorbereiten. Dann liegt es an uns. Gegen Dänemark hat man zuletzt gesehen, was rauskommt, wenn nicht jeder auf 100 Prozent kommt. In Bezug auf die EM war es wohl eine Watschn zur richtigen Zeit.

Welche sind die Haupterkenntnisse aus 2016, was darf sich nicht wiederholen?

Die Nervosität. So habe ich es erlebt, dass wir alle sehr nervös und angespannt waren, weit kommen wollten, weil wir so eine gute Quali gespielt haben. Das war der größte Faktor. Wenn wir das ablegen, bin ich mir sicher, dass wir ein besseres Gesicht zeigen.

Wie hat sich diese Nervosität genau bemerkbar gemacht?

Schon am Tag vor dem Spiel, man schläft nicht mehr richtig gut ein, denkt sich: Hoffentlich mach’ ich keinen Fehler. Riesendruck kam auch durch die öffentliche Erwartungshaltung und die vielen österreichischen Fans, die vor Ort waren. Da war jeder angespannt.

Die Erwartungshaltung dürfte mit den jüngsten Länderspielen gesunken sein. Ist das jetzt ein Vorteil?

Na ja. Beim ersten Gegner Nordmazedonien denkt wieder jeder: Das wird einfach. Aber die haben Deutschland besiegt, wir haben uns schon im Rückspiel gegen sie in der EM-Quali schwergetan. Es gibt heutzutage keine schlechten Gegner mehr. Es entscheiden Details.

Sie sprechen von Druck und Erwartungen. Spüren Sie auch Vorfreude?

Klar. Wir haben zwei Jahre darauf hingearbeitet. Mit einem schlechten Start gegen Polen und Israel. Da haben wir auch auf die Fresse bekommen. Zu Recht. Aber natürlich freuen wir uns.

Wie steht es um den berühmten Teamgeist?

Wir verstehen uns super. Die Ergebnisse waren die meiste Zeit okay, auch wenn wir nicht immer gut gespielt haben. Vielleicht hat es deshalb so gewirkt, als wäre der Teamgeist schlecht. Ist er nicht. Charakterlich sind wir eine super Mannschaft. Daran wird es nicht liegen.

Wie sehen Sie Ihre eigene Rolle im Team als Spieler mit den meisten Länderspielen?

Ich hab’ bewiesen, dass ich auch mit wenig Spielpraxis Leistung bringen kann. Ich werde immer fürs Nationalteam da sein, auch wenn ich nur ein Bein habe. Ich habe alles durchwandert, von den Nachwuchsteams bis hin zum A-Team, bin hier geboren und in die Schule gegangen. Und jetzt versuche ich, Jüngeren zu helfen, auf ein höheres Niveau zu kommen.

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Sie sind heuer 30 geworden. Was soll noch kommen in Ihrer Karriere?

Talent bin ich keins mehr. Wenn ich Ibrahimovic sehe, wie er mit 39 noch spielt, sage ich: Ich werde auch so lange spielen, wie meine Beine mich tragen. Priorität hat, dass ich bald wieder Woche für Woche auf dem Platz stehe, was die letzten Jahre bei Leverkusen nicht der Fall war.

Sie werden Leverkusen verlassen. Wohin soll’s gehen?

Das Gesamtpaket muss passen, allen voran das Sportliche, aber auch das Wirtschaftliche. Mein Ziel ist, vor der EM Klarheit zu haben. Dort will ich mich auf das Wesentliche konzentrieren.

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Spekulationen drehen sich um Roter Stern Belgrad. Käme die serbische Liga nicht eine Spur zu früh für Sie?

Ich spiele seit vier Jahren nicht regelmäßig, und deshalb bin ich seit vier Jahren unglücklich. Das kann ich offen und ehrlich sagen. Roter Stern hat sich stark entwickelt, spielt immer international, mit Glück sogar Champions League. Wer die Liga schlechtredet, kann das gerne tun. Der hat aber auch keine Ahnung, was ich die letzten Jahre durchlebt habe. Wie oft ich sauer, enttäuscht und unleidlich war. Das Wichtigste ist, dass ich Woche für Woche spiele. Anhand dessen treffe ich meine Entscheidung, und deshalb ist Roter Stern Belgrad eine Option für mich.

Und weil es familiär bedingt zum Lieblingsklub wurde?

Klar. Mein Opa hat mich schon zu den Derbys gegen Partizan mitgenommen, als ich als Kind in Serbien im Urlaub war. Durch die fanatischen Fans war es immer ein Traum, einmal für diesen Klub zu spielen. Aber es bleibt auch ein Ziel, noch einmal für Austria Wien zu spielen.

Ist Ihr Opa schon nervös?

Er hat 1991 einen Monatslohn geopfert, um beim Finale des Meistercups gegen Marseille in Bari dabei sein zu können. Da wird man dann als Enkel hineingeboren. Wie gesagt: Roter Stern ist eine von mehreren Optionen. Sollte es dazu kommen, wird beim Opa wohl die eine oder andere Träne fließen.

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