Sport | Fußball
10.11.2017

ÖFB-Teamcamp: "Es ist richtig Feuer drinnen"

Durch den Umbruch erhalten einige junge Spieler ein Chance – Neo-Teamchef Franco Foda hat die Auswahl.

"Wenn ich um 22 Uhr durch das Hotel gehe, dann sehe ich kaum noch Mitspieler", zeigt sich Aleksandar Dragovic im Teamtrainingslager in Andalusien durchaus erstaunt. "Weil sie alle schon am Zimmer sind und im Bett liegen, so kaputt sind sie." Das Training unter dem neuen Teamchef Franco Foda hat es jedenfalls in sich. "Die Intensität ist sehr hoch, jeder gibt Vollgas. Vielleicht liegt es daran, dass der Trainer neu ist. Aber es ist richtig Feuer drinnen", meint ein begeisterter Marko Arnautovic.

Guido Burgstaller erkennt Unterschiede zu Vorgänger Marcel Koller. "Foda hat andere Trainingsinhalte." Auch die Übungen sind teilweise adaptiert und für einige daher neu. "Ich glaube, wir werden nicht so ein aggressives Pressing veranstalten wie unter Koller. Wir sollen geordneter von hinten raus spielen", erläutert Dragovic seine Eindrücke. Ein bestens gelaunter Arnautovic kann noch einen Unterschied nennen: "Der eine spricht Hochdeutsch, der andere hat Schweizerdeutsch gesprochen. Aber keine Sorge, wir verstehen beides."

Neue Kräfte

Franco Foda operiert bisher nach der Methode von Zuckerbrot und Peitsche. Am Mittwoch ließ er die Spieler an der langen Leine und gab ihnen den Nachmittag frei. Fast alle nützten dies für einen Spaziergang in Puerto Banus. Dafür bat der Deutsche am Donnerstag wieder zu zwei schweißtreibenden Einheiten. "Es ist intensiv, aber gut intensiv", betonte Teamkapitän Julian Baumgartlinger nach dem vormittäglichen Training mit gerötetem Kopf.

Die Herren Arnautovic (28), Baumgartlinger (29) oder sogar Dragovic (26) zählen in diesem Teamkader zu den absoluten Routiniers, die den vielen jungen Spielern Vorbilder sein sollen. Die Arnautovic-Methode klingt einfach: "Ich behandle alle gleich, versuche mit jedem Spaß zu haben."

Rollenspiele

Der Umbruch im Team nach den Rücktritten von Junuzovic, Harnik, Suttner, Fuchs und Özcan bietet einer nachrückenden Generation eine große Chance. Die Spieler sind jung, hungrig, viele davon auch universell einsetzbar und daher für Foda von besonderem Wert.

Valentino Lazaro (21) von Hertha BSC Berlin steht dem Trainer auf der rechten und der linken Seite zur Verfügung, zuletzt durfte er bei seinem Verein sogar im Zentrum die Rolle eines "Zehners" einnehmen. "Ich habe mich auch dort richtig wohlgefühlt. In eine neue Position muss man erst reinfinden, weil man einen Rhythmus braucht."

Oder Florian Grillitsch (22) von Hoffenheim, der mit einem Zahlenspiel von sich behauptet, dass er ein Sechser, Achter oder Zehner sein kann. "Das kommt mir im Verein sicherlich zugute." Wohl auch im Nationalteam, wo er zumeist neben Baumgartlinger im Zentrum zum Einsatz gekommen ist. Für ihn ist es auch kein Problem, "im Spiel die Position zu tauschen. Ich bin da flexibel".

Variabel

Der Rapidler Philipp Schobesberger (23) kann ebenso wie der Ex-Rapidler Florian Kainz (25) über beide Seiten wirbeln. Auch Louis Schaub (22) kommt ebenso für Flankenläufe wie für eine zentrale offensive Rolle infrage.

Die möglichen Janko-Nachfolger an vorderster Front, Guido Burgstaller und Michael Gregoritsch, sind alles nur keine reinen Strafraumstürmer. Burgstaller spielte einst bei Rapid meist auf der Außenbahn, Gregoritsch kommt bei seinem Verein Augsburg fast ausschließlich als hängende Spitze zum Einsatz. Dennoch gelten sie ebenso wie Sturm-Stürmer Deni Alar als derzeit einzige Anwärter auf der Position des Mittelstürmers. Teamchef Franco Foda hat somit personell und von den Positionen her die Qual der Wahl, weil viele junge Spiele in eine neue Rolle schlüpfen wollen. In eine tragende.